Seltene Höhlenburg im Landkreis Traunstein

Raubritter Heinz: reizvoller Ausflug ins dunkle Mittelalter

Der wilde Heinz und sein Opfer - Stein an der Traun
Der wilde Heinz und sein Opfer - Stein an der Traun
Der kleine Ort Stein an der Traun in Oberbayern besticht durch seine schöne Natur und eine der wenigen Höhlenburgen in Europa.

Unweit des Zusammenflusses von Traun und Alz, im Gebiet der Gemeinde Stein an der Traun im Landkreis Traunstein, sieht man schon von weitem eine Burg hoch oben auf einem Hügelkamm thronen. Schaut man sich in dem kleinen Ort (etwa 1000 Einwohner) darunter etwas um, stößt man auf drei Burganlagen. Der obere Komplex, das Hochschloss, ist das älteste Bauwerk. Im Jahre 1130 wurde es erstmals in einer Urkunde erwähnt. Die Höhlen- oder Felsenburg ist nach der Überlieferung im frühen 15. Jahrhundert entstanden. Etwa aus derselben Zeit stammt auch das Untere oder Neue Schloss.

Seltene Höhlenburg

Höhlenburgen sind in dieser Region, ja in ganz Bayern, sehr selten. Das Bauwerk in Stein an der Traun ist mit Sicherheit die größte und bedeutendste Anlage ihrer Art in ganz Deutschland. In die etwa 50 Meter hohe Steilwand aus Nagelfluh, einem weichen Konglomeratsgestein, schmiegt sich die Höhlenburg, eingepasst wie ein Adlerhorst (www.steiner-burg.de). Mit ihren verließartigen Räumen und dem über 50 Meter hohen, steilen Treppenaufgang zum Hochschloss bietet das düstere Gebäude eine hervorragende Kulisse für die Geschichte der sagenhaften Gestalt des Heinz von Stein, den man nur den „wilden Heinz“ genannt hat. Über zwei Meter groß soll er gewesen sein und derart vorstehende Eckzähne gehabt haben, dass schon sein Äußeres die Legendenbildung angeregt hat.

Gefürchteter Raubritter

Heinz von Stein scheint ein gefürchteter Raubritter gewesen zu sein, der mit seinen Wegelagerern vorbeiziehende Kaufleute um Gut und Leben brachte. Außerdem war er ein wüster Weiberheld und Mädchenschänder, der die armen Geschöpfe, wurde er ihrer überdrüssig, in den Verliesen seiner Burg schmachten und sie letztendlich in den über 20 Meter tiefen Brunnen werfen ließ. Eines Tages, so die Sage, hatte der „wilde Heinz“ ein Auge auf die holde Waltraud geworfen, Tochter des Graveneckers, des Meiers im nahegelegenen Trostberg. Heinz, der Unhold, entführte das Mädchen, traute sich jedoch nicht, sich an ihm zu vergehen. Um den Willen Waltrauds zu brechen, entführte er noch ihren Vater und drohte, ihn zu töten. Als es dem Geliebten der Waltraud, Siegfried von Gebsattel, gelang, mit Hilfe von Kriegsknechten aus München und Salzburg, die Höhlenburg zu erstürmen, hatte sich Waltraud bereits das Leben genommen. Blind vor Wut erschlug der junge Ritter den „wilden Heinz“. Schmerzgebeugt musste sich Siegfried von Gebsattel noch aufklären lassen, Heinz von Stein sei sein leiblicher Vater gewesen, der ihn kurz nach der Geburt hatte aussetzen lassen (www.lochstein.de).

Skelett eines riesenhaften Mannes

Die historische Existenz des Heinz von Stein ist nicht sicher belegt. Aus Aufzeichnungen geht allerdings hervor, dass man außerhalb des Klosterfriedhofes im nahegelegenen Baumburg, in ungeweihter Erde also, das Skelett eines riesenhaften Mannes gefunden hat, dessen Gebiss zwei übermächtige Eckzähne verunstalteten. An den wüsten Heinz erinnern heute noch Räume mit wildromantischen Namen wie „Wohnzimmer der geraubten Mädchen“, „Gerichtssaal“ oder „Folterkammer“.

Alle drei Burgen in Stein an der Traun sind für Besucher zugänglich, das neue Schloss und die Höhlenburg (Taschenlampe mitnehmen) allerdings nur mit organisierten Führungen (www.burgenwelt.de). Auf das Hochschloss führen einige Wanderwege, die gutes Schuhwerk erfordern. Der historische Gasthof zur Post bietet nach einem Fußmarsch mehr als ordentliche Küche. Und dass dort das süffige Bier der Schlossbrauerei Stein ausgeschenkt wird, ist selbstverständlich (www.steiner-bier.de).

Dr. Peter Baier, privat

Peter Baier - Dr. Peter Baier, Kurzbiographie: Geboren am 10. November 1957 in Ingolstadt. Dort humanistisches Gymnasium, Abitur. Studium der ...

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