
- Ebbe am Strand der Kathedralen - Lou Avers
Wellenumspülte Höhlen und Erdspalten, bizarre Felsformationen und Schiefersteinbögen, die an ein gotisches Kirchenschiff erinnern – so fasziniert der Strand As Catedrais die Touristen. Und diese kommen zahlreich, selbst mit Wind und Regen fahren Reisebus-Gruppen an, um die berühmten „Kathedralen“ zu bestaunen.
Tourismusregion Galicien
Galicien ist allgemein eher wegen seines grünen Hinterlandes und dank des legendären Jakobsweges und dessen Ziel Santiago de Compsotela bekannt. Dennoch birgt die nordspanische Provinz - die ihre eigenen Traditionen und Sprache, das Gallego, pflegt – eine interessante Küste mit verzweigten Buchten der Rias Baixas und Rias Altas, pittoresken Hafenstädtchen und einigen schönen Sandstränden. Aufgrund des wechselhaften und regenreichen Wetters, das eine Badesaison fast nur im Hochsommer erlaubt, ist der Strandtourismus eher den einheimischen Sommerurlaubern vorbehalten und bei ausländischen Besuchern weniger bekannt. Der Küstenabschnitt As Catedrais zwischen Barreiros und Ribadeo in der Provinz Lugo nimmt eine Ausnahmestellung ein, denn seine 297 Hektar Fläche gehören zu Spaniens Nationalen Naturdenkmälern. Er ist einer der bekanntesten Strände der spanischen Nordküste.
Ebbe und Flut bestimmen den Tagesablauf am Strand As Catedrais
Eigentlich heisst die von einer Schiefersteilküste eingerahmte Bucht „Praia Aguas Santas“, im Volksmund ist sie als Praia As Catedrais in Gallego oder Playa Las Catedrales in Castillano bekannt. Der Name „Strand der Kathedralen“ spielt auf die gotisch anmutenden Felsbögen und – arkaden hin, derer gleich mehrere hintereinander ein räumliches Ensemble bilden, das an ein Hauptschiff einer mächtigen Kathedrale erinnert. Dieses Naturspektakel ist allerdings nur bei maximaler Ebbe zu bewundern. Alle sechs Stunden im Wechsel flutet das Kantabrische Meer die Bucht oder gibt einen weiten Sandstrand frei. Erst dann sind die Felsbögen mehr oder minder trockenen Fußes zu erreichen. So mancher kann nicht warten und schwingt sich schon vorher bis zu den Hüften in die Fluten, um als erster in der größten Höhle zu stehen und ein jungfräuliches Bild der Kathedralenbögen ohne die Fußabdrücke der Besucher im Sand zu ergattern. Ein Unterfangen, das an den Wochenenden zu einem regelrechten Wettbewerb ausarten kann.
Natur ist Galiciens größter Trumpf
Naturräume hat Galicien reichlich zu bieten. In den letzten Jahren hat auch das Bewusstsein für den Erhalt der Natur zugenommen. Besonders empfindliche Küstenregionen sollen geschützt werden. Am Strand As Catedrais entstanden umfangreiche Sanierungen und eine einladende Infrastruktur. Holzstege führen durch einen grünen Teppich aus Urze, Sträuchern und Macchiabüschen zu Aussichtspunkten entlang der Küste. So konnte sich die native Vegetation regenerieren. Besonders im Frühjahr, wenn die Büsche und Wildblumen blühen und duften, ist hier ein Spaziergang Wellness pur. Die immer frische Meeresbrise erneuert die abgas- und nikotingeplagten Städter-Lungen mit sauerstoffreicher Luft. Der Strand erhielt auch im Jahr 2011 die Blaue Flagge für sauberes Wasser. Ein großer Parkplatz bietet ausreichend Platz für die Besucher und ein hübsch renoviertes Restaurant bietet hungrigen und durstigen Gäste heimische Spezialitäten. Dort gibt es auch eine Gezeitentabelle, wo man den Tidehub und vor allem die nächste Ebbe ablesen kann. Ebenso wie bei José. Der Maler bannt die Strandmotive in Öl auf Minigemälde, die er vor Ort verkauft und ist außerdem immer für einen Wettertipp gut. Denn diese Information ist für einen Strandspaziergang an der Praia As Catedrais unerlässlich. So mancher wurde hier schon von der herankommenden Flut überrascht und bekam nasse Füße. Zudem das Kantabrische Meer der galicischen Küste alles andere als ein stilles Wässerchen ist. Nicht selten kommt unverhofft eine heftige Welle hereingeschwappt, auf die man nicht gefasst war. Deshalb ist besonders mit Kindern auch immer Vorsicht angebracht. Der Strand ist nur zur Hauptsaison bewacht.
Einzigartiges Naturschauspiel am Strand der Kathedralen
Die Konstellation des ewigen Kreislaufes aus Ebbe und Flut, den hohen dunklen Schiefersteinklippen und den um- und unterspülten verwunschenen Höhlen, Felsspalten und Formationen ist einzigartig und beeindruckend. Der weiße Sand gibt den Kontrast und besänftigt das dramatische Landschaftsbild. Bei Ebbe kann man stundenlang in den wenige Stunden vorab von der Flut ausgewaschenen Höhlen blank geschliffene Steine suchen oder angeschwemmtes Strandgut bestaunen. Die Arkaden und versteinerten Bögen sind fotogene Kulissen, die sich auch Hochzeitsgesellschaften zunutze machen. Wenn die Sonne scheint, glitzert das Meer in dunklem jadegrün und die Wellen schäumen sahnegleich an den Sand. Wenige Stunden später blicken die Besucher von oben ungläubig auf die tosende See, die wild und heftig an die Felswände schlägt. Unvorstellbar scheint in diesem Moment ein Besuch des Strandes. Dann zieht sich das Meer wieder zurück und gibt sein Juwel frei. Ein stetes Hin und Her, das seinen eigenen Natur-Gesetzen folgt. Und ein unverhofftes kleines Naturparadies inmitten unserer schnelllebigen Zeit, das jeden Besucher fasziniert und ihm neue Energie verleiht.
Wie erreiche ich den Strand der Kathedralen in Galicien?
Der Strand As Catedrais ist mit dem Auto einfach und problemlos über die Nationalstraße N 634 zu erreichen. Der Strand gehört zum Bezirk Ribadeo und liegt in dem Ort A Devesa zirka zwölf Kilometer südlich von Ribadeo. Er ist gut ausgeschildert und über eine eigene Ausfahrt mit neuausgebauter Straße vom Kreisverkehr bei A Devesa in wenigen Minuten erreichbar. Vor Ort wartet ein großzügiger gepflasterter Parkplatz, ein Restaurant mit sanitären Anlagen, Außendusche, Trinkwasser sowie ein Picknickareal. Wohnmobil Besucher können in der Nebensaison auf dem Parkplatz übernachten.
