Wunder des Universums - Sterne, Milchstraßen und Gasnebel

Wunder des Universums - Bernd Teuber
Wunder des Universums - Bernd Teuber
Das Universum ist voll von Kräften und seltsamen Gebilden, deren Aufbau die Astrophysiker gerade erst angefangen haben zu entschlüsseln.

Mit dem Hubble-Weltraumteleskop, das in 600 Kilometer die Erde umkreist, konnten die Astrophysiker erstmals einen Blick in die Tiefen des Universums werfen. Darüber hinaus war es möglich, sich ein genaues Bild von der Geburt des Alls zu machen - und von dessen Zukunft. Alle Sterne sind Gaskugeln, in denen Wasserstoff zu Helium fusioniert und Strahlungsenergie frei wird. Diese glühenden Kernreaktoren gibt es in verschiedenen Größen. Manche besitzen nur einen Bruchteil der irdischen Sonnenmasse, andere weit über das Hundertfache. Bei klarer Nacht kann man bis zu 6000 dieser Lichtquellen mit bloßem Auge erkennen. Doch das ist nur ein winziger Teil. Allein in der Milchstraße gibt es 100 Milliarden Sonnen. Sie hat die Form einer gigantischen Spirale, ist 15 000 Lichtjahre dick und hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren. Dazwischen ist der Raum fast leer. Nur ein paar Atome Wasserstoff und Helium pro Kubikzentimeter bilden die interstellare Materie.

Immanuel Kant vertrat die Ansicht, dass es sich bei den Gebilden um Sternsysteme handelt

Die Milchstraße schwebt wie eine überdimensionale Untertasse durchs Universum, während sich das Sternenrad um ein Zentrum dreht. Das irdische Sonnensystem befindet sich auf einem der äußeren Spiralarme und benötigt 230 Millionen Jahre, um die Mitte zu umkreisen. Seit seiner Entstehung hat es etwa 20 Runden geschafft. Die Milchstraße ist nur eine von vielen. Ihre Nachbargalaxien sind die Große Magellansche Wolke (Entfernung etwa 150.000 Lichtjahre) und die Kleine Magellansche Wolke mit einem Abstand von etwa 200.000 Lichtjahren. Dann folgt der Andromedanebel. Er bildet ein System von mehreren Hundert Milliarden Sonnen und ist mit bloßem Auge gerade noch als blasser Fleck im Sternbild Andromeda zu erkennen.

Bis 1926 war die Frage danach, ob es sich bei den nebeligen Gebilden um Gasnebel innerhalb der Milchstraße oder extragalaktische Sternsysteme handelte, nicht wirklich geklärt. Der Philosoph Immanuel Kant vertrat jedoch bereits im Jahr 1755 die Ansicht, das es sich bei diesen Gebilden um milchstraßengroße, weit entfernte Sternsysteme handeln würde. Nachdem Hubble im Jahr 1926 mit dem 2,5-m-Spiegel des Mount Palomar Observatoriums die äußeren Bezirke des Andromedanebels und einiger anderer Systeme in einzelne Sterne auflösen konnte, war die Frage geklärt.

Eines Tages geht dem Universum das Schöpfungsmaterial aus

Außer Einzelsternen konnten mithilfe neuer technischer Mittel auch andere, von der eigenen Milchstraße her bereits bekannte Objekte beobachtet werden: Offene Sternhaufen, Kugelhaufen, dunkle Licht absorbierende interstellare Materie, veränderliche Sterne und leuchtende Gasnebel. Auch über die Zukunft des Alls haben die Astrophysiker aufgrund neuer Messergebnisse keine Zweifel, denn mittlerweile steht fest, dass der Kosmos niemals enden wird. Die Expansion schreitet immer weiter fort und beschleunigt sich sogar noch. Für eine bestimmte Zeit werden aus der Materie gestorbener Sterne stets neue hervorgehen. Allerdings ist nur das wiederverwendbar, was beim Sonnentod ins All zurückgeschleudert wird. Aus diesem Grund geht dem Universum irgendwann das Schöpfungsmaterial aus. Schätzungen zufolge werden in etwa 100.000 Milliarden Jahren die letzten Sonnen und Galaxien verglüht sein. Dann wandern nur noch deren ausgedünnte Kadaver durch die kosmische Ödnis.

Quelle: Thomas Bührke: "Lift off!: Die Geschichte der Raumfahrt", Berlin Verlag 2008, ISBN 3-8270-5260-2