Wunderland - provokanter Roman von Sophie Albers

Wunderland - Knaus Verlag
Wunderland - Knaus Verlag
Sophie Albers schreibt über arabische Parallelgesellschaften im Berliner Stadtteil Neukölln. Ein explosives Thema sensibel umgesetzt.

Eigentlich ist Sophie Albers Journalistin und schreibt Artikel für den "Stern". Ihr am 14. März 2011 im Knaus Verlag erschienener Debüt-Roman "Wunderland" erzählt über fremde Kulturen mitten unter uns und geht der grundsätzlichen Frage nach, was die Menschen unter Heimat und Freundschaft verstehen.

Bürgerlichkeit und Vorurteile

Hanna stammt aus einem liberalen, bürgerlichen Elternhaus. Sie verdient ihren Lebensunterhalt als Journalistin und bekommt den Auftrag, einen Artikel über muslimische Menschen in Berlin zu schreiben. Diese werden von ihrer Umgebung als soziale Problemfälle wahrgenommen. Die behütet aufgewachsene Hanna stellt sich der schwierigen Aufgabe und trifft auf Tamer. Er ist Moslem und Sohn eines Palästinensers. Durch seine deutsche Mutter ist er im Besitz eines deutschen Passes. Tamer erfüllt alle gängigen Vorurteile und Klischees. Er sieht arabisch aus, trägt eine fette Goldkette und markiert den Macho mit dummen Sprüchen. Für ihn ist nur die Wahrnehmung der anderen wichtig. Tamer hat sich ein Hassbild von Juden, Schwulen und eigenständigen Frauen aufgebaut.

Deutscher Araber oder arabischer Deutscher?

Hanna erzählt Tamer von ihrer jüdischen Herkunft und ist erstaunt, dass er zwar die Juden ablehnt, aber ihre Herkunft ihm egal ist. Tamer interessiert sich eigentlich nicht für die Deutsche Geschichte, denn er ist ja in den Augen der Deutschen keiner von Ihnen. Trotz deutschem Pass ist er ein Ausländer. Bald beginnt Hanna die Welt aus Tamers Sicht zu betrachten. Für Tamer zählt nur die Familie und seine Freunde und der Respekt vor diesen Personen. Er lebt in seiner eigenen kleinen Welt voller Vorurteile. Hanna ist schockiert über die großen Hass-Gefühle, die in Tamer lodern. Gleichzeitig fühlt sie sich zu diesem Macho hingezogen. Ihr großes Ziel ist es, Tamer zu einem toleranten und freundlichen Menschen umzuformen. Sie verändert sich, wird Tamer gegenüber unterwürfig und ist nur dann glücklich, wenn er sich so verhält, wie sie es gern hätte.

Parallel-Welten unserer Gesellschaft

Sophie Albers ist es mit ihrem Erstlingswerk gelungen, ein sensibles Thema ohne voreingenommen zu sein, anzupacken. Die Diskussion über Migranten und ihre fehlende Anpassungsfähigkeit beherrscht seit einiger Zeit die Medien. Kaum ein Deutscher kennt aber die Parallel-Kulturen so genau, dass er sich ein abschließendes Urteil bilden könnte. Die Autorin beleuchtet in "Wunderland" die Frage nach der Identität der unter uns lebenden Menschen, die die Heimat ihrer Vorfahren nie gesehen haben. Fühlen sie sich als Ausländer mit allen Vorurteilen, die ihnen hier entgegentreten oder sind sie soweit eingedeutscht, dass sie auch wie Deutsche denken? Der Protagonist Tamer ist aus tiefer Überzeugung Araber und verhält sich dem entsprechend. Sophie Albers beschreibt die Lebenswege zweier jungen Menschen, die auf Grund ihrer Herkunft und Erziehung total verschieden sind. Dennoch nähern sich die beiden aneinander an.

Fazit

"Wunderland" ist ein nachdenklich machender Roman über Jugendliche mit Migrationshintergrund, die mitten unter uns leben. Sie beschreibt ohne Wertung die Probleme, welche sich aus dem Nebeneinanderleben der unterschiedlichen Kulturen ergeben. Ein Roman, der Fragen stellt, die sich jeder Leser selbst beantworten sollte.

"Wunderland" von Sophie Albers, erschienen am 14. März 2011 im Knaus Verlag, gebunden, 176 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-8135-0398-2

Die Autorin bedankt sich beim Knaus Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Bildnachweis: copyright Knaus Verlag

Gabriele Pagenhardt von Mainberg, Gabriele Pagenhardt von Mainberg

Gabriele Pagenhardt von Mainberg - Vor einigen Jahren war ich für ein Berliner Internet-Magazin im Bereich Veranstaltungs- und Ausflugstipps tätig und für ...

rss