"Wunschloses Unglück" von Peter Handke

In seinem Roman "Wunschloses Unglück" schildert der Schriftsteller Peter Handke die schwierigen Lebensumstände seiner Mutter.

"Als Frau in diese Umstände geboren zu werden, ist von vornherein schon tödlich gewesen. Man kann es aber auch beruhigend nennen: jedenfalls keine Zukunftsangst. Die Wahrsagerinnen auf den Kirchtagen lasen nur den Burschen ernsthaft die Zukunft aus den Händen; bei den Frauen war diese Zukunft ohnehin nichts als ein Witz." So schreibt der Schriftsteller Peter Handke in seiner im Jahr 1972 erschienenen Erzählung "Wunschloses Unglück", die er sieben Wochen nach dem Freitod seiner Mutter verfasste.

Inhalt und Erzähltechnik in "Wunschloses Unglück"

Handkes Mutter kommt in einem kleinen Dorf in Kärnten auf die Welt, hineingeboren in ärmlich Familienverhältnisse und patriarchalische Strukturen, die für sie als Frau nicht viele Möglichkeiten offen lassen. Ein kleiner Ausbruch gelingt ihr während ihrer Arbeit als Stubenmädchen und Köchin, ein weiterer durch eine Affäre mit einem Soldaten während des Krieges. Sie wird schwanger und heiratet unter dem Druck der Umgebung einen von ihr ungeliebten Mann. Mehrere Male reist sie nach Berlin zur Familie ihres Mannes, wo sie auch andere Lebensformen kennenlernt. Nach der Besetzung Berlins muss sie aber endgültig nach Kärnten zurückkehren, wo sich langsam das Verlöschen ihrer Persönlichkeit bemerkbar macht. Ihre Ehe - früher Zweckgemeinschaft - wird nun zur Hassgemeinschaft, die Familie und auch die Dorfbevölkerung zeigen jedoch wenig Verständnis für ihre Verhaltensweisen. Schließlich stellen sich auch körperliche Leiden, wie schreckliche Kopfschmerzen ein, bis sie sich im 51. Lebensjahr mit Schlaftabletten das Leben nimmt.

Handke beginnt seine Erzählung mit einer nüchternen Zeitungsnotiz über den Tod einer Hausfrau aus A., was die Individualität der Frau eigentlich völlig auslöscht. Außerdem beschreibt er sehr treffend den Prozess der Entfremdung, der schließlich mit einer kompletten Absage an das Leben selbst endet. Dieser Prozess bringt auch unterschiedliche Einschränkungen mit sich: die Angst vor der Sexualität, das schlechte Gewissen oder ein übertriebenes Pflichtbewusstsein.

Für seine autobiographische Erzählung verwendet der Autor Schriftstücke und Fotos, seine eigene Erinnerung sowie die Sprache des Milieus, dessen zerstörerisches Wesen er aufzeigen möchte.

Peter Handke und sein Werk

Der Schriftsteller Peter Handke wurde in Griffen in Kärnten geboren und wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf, was auch in vielen seiner Romane zum Ausdruck kommt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und einem Jusstudium in Graz wurde er 1966 mit dem Theaterstück "Publikumsbeschimpfung" bekannt. In seinen folgenden Stücken und Romanen setzt er sich immer wieder mit dem Thema der Sprachkritik auseinander und sagt zum Beispiel in seinem Werk "Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms": "Anstatt so zu tun, als könnte man durch die Sprache schauen wie durche eine Fensterscheibe, sollte man die tückische Sprache selber durchschauen und zeigen, wie viele Dinge mit der Sprache gedreht werden können. Diese stilistische Aufgabe wäre auch eine gesellschaftliche."

Peter Handke

Wunschloses Unglück

Residenz Verlag, Salzburg 1972

ISBN: 3-518-36646-7

Preis: 6,50 Euro

That´s me, Molk Manuela

Manuela Molk - Künstlerisches Schaffen und beruflicher Werdegang in den letzten Jahren, Monaten, Tagen: Studium der Germanistik und ...

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