Wurzeln des Fundamentalismus

Der religiöse Fundamentalismus stammt aus den Vereinigten Staaten

Heute wird Fundamentalismus mit Islamismus gleichgesetzt, doch seine Wurzeln finden sich in den USA, wo er eine positive Eigenbezeichnung für protestantische Gruppen war

Die Anfänge des protestantischen Fundamentalismus lassen sich im neunzehnten Jahrhundert ansiedeln, wobei sich die Fundamentalisten nach eigenen Angaben bis ins biblische Zeitalter zurückdatieren. Für sie spielen nur einige wenige Lehrsätze sowie bestimmte Verhaltensregeln eine zentrale Rolle in der Auslegung der Bibel. Diese werden aber hartnäckig verfolgt und versucht durchgesetzt zu werden.

Formen und Lehren des protestantischen Fundamentalismus

Zum einem gibt es da den Prämillennarismus, der die Geschichte in präzise Einheiten einteilt, wobei am Ende das göttliche Gericht steht. Für die Anhänger dieses Glaubens ist die oberste Priorität andere Menschen vor dem Ende der Welt zu warnen. Zum anderem gibt es den Kreationismus, der als Gegenbewegung zum Darwinismus den göttlichen Schöpfungsweg als wissenschaftliche Disziplin etablieren will. Eine weitere Entwicklung im protestantischen Fundamentalismus wurde angestoßen durch die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung, die Fehler und Ungereimtheiten in der heiligen Schrift aufdeckte und somit entkräftete.

Um dieser Entwicklung vorzubeugen holten sich die Fundamentalisten Hilfe aus der schottischen Philosophie des Common-Sense, die besagt, dass der Mensch eine direkte Erfahrung Gottes nur mit Hilfe des einzig klaren Instrumentariums, das Gott den Menschen eigens dafür an die Hand gegeben hatte, machen könne, die Bibel. Auf diesen Ideen aufbauend gruppierten sich die verschiedenen Organisationen und Kirchen in den USA und versuchten ihre Anhängerschaft zu erweitern und die Menschheit vom Sündenfall, den sie in dieser Welt als gegeben sahen, zu retten.

Der Begriff Fundamentalismus wurde in amerikanischen Wörterbüchern eher mit dem Glauben an die Unfehlbarkeit der Bibel assoziiert, als mit dem prämillenaristischen Denken und der Ablehnung der Evolutionstheorie, doch für viele Forscher gehören diese beiden Denkweisen auch zum protestantischen Fundamentalismus.

Politischer Einfluss

Die verschiedenen Gruppierungen organisierten sich auch auf dem politischen Parkett. Dabei gab es drei gegnerische Parteien: die liberal und modernistisch denkenden Protestanten, die evangelikal und radikal und fundamentalistisch eingestellten Protestanten und zuletzt die Gemäßigten, die sich auf keine der extremen Seiten stellten. Politische Koalitionen gestalteten sich sehr schwer zwischen diesen Gruppen, denn wie könnte man sich mit jemandem verbünden, der nicht die richtige Lehre lehrte oder es auf die falsche Weise tat? Doch in Folge der säkular orientierten Politik der Amerikaner in den 1980ern, organisierten sich die verschiedenen Bewegungen, um gegen das Verbot des Schulgebets, die Abtreibungskliniken und weitere moralisch verwerfliche Tendenzen zu demonstrieren und zu agieren. Viel Erfolg hatten sie allerdings nicht, so dass sie sich andere Wege suchten, um den Sündenverfall in Amerika zu unterbinden. Es blieben ihnen die Schulen.

Eigene Schulen, Verlage und Universitäten

Viele protestantische Gruppen gründeten ihre eigenen, privaten Schulen, an denen sie nur Lehrinhalte lehrten, die mit ihren Glaubenssätzen übereinstimmten. Damit hatten sie große Zustimmung bei Eltern gefunden, die mit dem öffentlichen Schulsystem unzufrieden waren und denen die strikt vorgegebene Schulcurricula sehr hilfreich für ihre Kinder erschien. Besonders brisant und in den letzten Jahren wieder aktuell ist der Streit um die Lehre des Kreationismus an öffentlichen Schulen, der als Alternative zum Darwinismus gelehrt werden soll.

Die Frau im Fundamentalismus hat ihre Rolle an der Seite ihres Mannes bzw. unter ihm. Das patriarchalische Gesellschaftsbild der protestantischen Fundamentalisten entspricht dem Willen Gottes und soll als solches erhalten werden. Störend empfanden die fundamentalistischen Frauen die Emanzipationsbewegungen, denen sie den Zusammenbruch von Familienstrukturen anlasten.

Der Einfluss der Fundamentalisten ist in den USA immer noch stark verbreitet, auf lokaler Ebene mit ihren eigenen Schulen und Colleges, auf politischer Ebene als Koalitionspartner oder im öffentlichen Bereich als Verlagsinhaber.

Barbara Wawrzyniak, Privat

Barbara Wawrzyniak - Momentan im Masterstudium der Sozialwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Davor Absolvierung des ...

rss