Archäologische Funde am Hemmaberg und in Globasnitz beweisen, was bislang nur vermutet wurde. „Was 2009 so interessant begonnen hat, werden wir in den nächsten Jahren weiter verfolgen“, freut sich Franz Glaser, stellvertretender Leiter des Landesmuseums Kärnten schon auf die weiteren Forschungen am Hemmaberg. Ziel ist es, die Fragen um das keltische Heiligtum zu klären, das hier vermutet wird. Das Heiligtum selbst ist zerstört, aber Hinweise wie eine Münze und ein Amulett sowie Teile eines Tafelgeschirrs deuten darauf hin, dass die Archäologen hier auf eine konkrete Spur gestoßen sind. Erhärtet werden diese Aspekte durch die Funde der Reste vom Weihaltar der Gottheit Iouenat.
Völlig neue Erkenntnisse für die Geschichtsforschung
Der vorjährige Fund eines Mannes, dessen Bein amputiert und mit einer Prothese versehen war, wird in Fachkreisen als medizinische Sensation gehandelt. Interessant sind auch Gräber, die aufgrund der Beigaben darauf schließen lassen, dass in Südkärnten nicht nur Kelten, Römer, Bayern und Slawen siedelten, sondern auch Franken und Ostgoten, womit bisher nicht gerechnet wurde. „Die Franken wurden von den Ostgoten eingesetzt um hier die Grenzen zu den südlichen Nachbarn zu verteidigen“, weiß Glaser. Die Zeit der Franken (ca. 550 – 600 v. Chr.) in Südkärnten steht nun im Mittelpunkt seiner weiteren Forschungen.
Regionale Geschichte und uralter Adel
Die Grabungen am Gräberfeld in Globasnitz sind abgeschlossen. Auch hier hatte Südkärnten eine Überraschung für die Historiker parat: Die vorgefundenen Schädelknochen in den Gräbern wiesen mit ihren Verformungen und Masken auf eine Besiedelung durch die Ostgoten hin, was bis dahin nur vermutet wurde – mit dem Fund hatte man den archäologischen Beweis in Händen.
Spuren der Oberschicht
Was in den Gräbern gefunden wird stammt meist von Menschen, die der Oberschicht angehörten. Bauweise und Material der Fundstücke sind hochwertig und daher noch erhalten. Was für den Laien wie eine Verzierung der Gebrauchsgegenstände aussieht, birgt für Experten aber wichtige Informationen über Denk- und Lebensweise. Diese zu erforschen, Hinweisen auf ähnliche Motive und Materialien sind jene Arbeiten der Archäologen und Historiker, die nach den Grabungen passieren. Eine äußerst zeitaufwändige Arbeit, wie Paul Gleirschner, Grabungsleiter in Waisenberg und auf der Gracarca erklärt. Ihm und seinem Team gelang es 2007 nach dem ersten Königsgrab bei Waisenberg noch ein zweites freizulegen. Beschaffenheit der Gräber und kostbare Grabbeigaben lassen darauf schließen, dass hier über mindestens einen Zeitraum von ca. einhundert Jahren norische Könige europäischen Hochadels residierten, die Kontakte von Unterkrain bis nach Hallstatt unterhielten.
Im Interview: Univ.Prof. Dr. Franz Glaser, Stv. Direktor des Landesmuseums Kärnten:
Wozu dient Archäologie der Gesellschaft überhaupt?
Glaser: Durch unsere Forschungen können wir die Geschichte aus der es keine schriftlichen Überlieferungen gibt erklären, beweisen und nachvollziehen.
Was ist an Südkärnten archäologisch gesehen so interessant?
Glaser: Hier gab es einen reichen Wechsel an Völkern, die Handels- und Informationswege aber auch die Truppenbewegungen von Süden nach Norden kontrollierten. Wir haben Reste der Besiedlung durch Kelten, Franken, Ostgoten, Römern und Slawen gefunden.
Welche Bedeutung haben die Grabungen am Hemmaberg?
Glaser: Alles deutet darauf hin, dass hier das Heiligtum der keltischen Gottheit „Iouenat“ liegt, von deren Name sich auch die geschichtsträchtige Straßenstation Iuenna, später Jaunstein, Jauntal, Jaunberg, ableitet. Hier wurde auch eine Höhensiedlung angelegt um sich vor den vorbeiziehenden Truppen zu schützen.
Was erwarten Sie hier noch zu finden?
Glaser: Im vergangenen Jahr sind wir auf eine medizinische Sensation gestoßen und auf eine Mauer, die unter eine der fünf Kirchen reicht. Wir vermuten hier ein Mausoleum, genaueres werden die Arbeiten heuer im Sommer vielleicht ergeben.
Im Interview: Univ. Doz. Dr. Paul Gleirschner, Leiter der Abteilung Ur- und Frühgeschichte am Landesmuseum Kärnten
Sie sind Grabungsleiter auf der Gracarca. Was sind Ihre Pläne für 2010?
Gleirschner: Die Untersuchungen vor Ort sind abgeschlossen, jetzt geht es an die Auswertungen der Funde, eine sehr zeitintensive Arbeit.
Ist schon bewiesen, dass hier Noricum war?
Gleirschner: Es deutet alles darauf hin: Die terrassenförmige Anlage einerseits, die reichen Funde in der Umgebung und die Beschreibung von griechischen und römischen Autoren. Setzt man alle Einzelheiten in Zusammenhang und stellt Vergleiche mit den Untersuchungen in Europa an, ergibt sich ein historisches Abbild der weit reichenden Verbindungen die jene Herrscher gehabt haben, die hier gelebt haben.
