Der endgültige Beweis, dass bei "X Factor" wirklich die Telefonanrufe entscheiden, ist erbracht. Ein Marlon Bertzbach, der trotz vernichtender Kritik nicht rausfliegt und ein Pino Severino, der trotz guter Leistung und Lob der Jury gehen muss. Gerechtigkeit sieht anders aus.
So lief es bei "X Factor" am Dienstag, den 12.10.2010
In der vierten Liveshow auf VOX traten neben den Kandidaten auch wieder andere Showacts auf. Diesmal machten Culcha Candela mit ihrem Song "Move It" die Bühne unsicher, Usher präsentierte seinen Hit "DJ Got Us Fallin In Love". Eine sympathische Auswahl, die auch beim Publikum ankam. Für die Kandidaten hingegen lief es sehr unterschiedlich. Nachdem die letzte verbleibende Solokünstlerin Edita Abieski für ihre Version von "Heavy Cross" Lob von der Jury bekam, sah es bei Marlon Bertzbach anders aus.
Vernichtende Urteile der "X Factor"-Jury für Marlon Bertzbach
Marlon sang den Titel "Zombie" von den Cranberries in einer – sagen wir mal – gewöhnungsbedürftigen Fassung. Er traf weder die Töne, noch war die langsamere und elektronisch angehauchte Version des Liedes im Ansatz überzeugend. Während Juror George Glueck nur verriet, dass er seine eigentliche Kritik jetzt nicht sagen könne, da Marlons Mutter im Studio anwesend ist, wollte Till Brönner den Auftritt einfach mal "unkommentiert" so stehen lassen. Sarah Connor, die als Mentorin für Marlon eigentlich eine schützende Hand über ihren Zögling halten sollte, war ebenfalls wenig begeistert, rief jedoch die Zuschauer auf, trotzdem anzurufen.
Der Teufel, dicke Brüste und Pino Severino
Pino hatte eigentlich alles richtig gemacht. Ein Song den man kennt in einer individuellen Art und Weise performt. "Sympathy for the Devil" von den Rolling Stones sang Pino sehr gut und war auch in Sachen Tanz und Bühnenpräsenz eindeutig voll auf der Höhe. Die Tänzerinnen mit beindruckender Oberweite, die fast nackt an zwei Stangen im Hintergrund posierten, machten den Auftritt zusätzlich unterhaltsam.
Big Soul und Mati Gavriel mit sehr guter Leistung bei der vierten "X Factor"-Liveshow
An den Auftritten von Mati Gavriel und Big Soul gab es wirklich nichts auszusetzen. Während die vier Damen von Big Soul in roter Robe zu Michael Jacksons "Thriller" eine gesangliche Glanzleistung ablieferten, war doch offensichtlich, dass die Möglichkeiten für Tanzdarbietungen beschränkt sind, was das Quartett aber galant überspielte. Mati versuchte sich am Klassiker "Halleluja" von Jeff Buckley. Dabei gab er dem Song eine eigene Note und brachte das Stück sehr emotional rüber. Die Jury war auch voller Lob für Mati. George Glück attestierte: "Egal, wie weit du hier bei 'X Factor' kommen wirst. Du hast definitv den X Factor." Jubel vom Publikum.
Anthony Thet überzeugt die "X Factor"-Jury nicht
Als letzter Teilnehmer musste in dieser Liveshow Anthony Thet ran, der in der Vergangenheit schon immer mit guten Leistungen überzeugt hat. Während sein Mentor Till Brönner dann auch nur lobende Worte für seine Interpretation von "Blackhole Sun", einem Song der Gruppe Soundgarden fand, waren Sarah und George doch eher gelangweilt. Sarah Connor fand es "nett, mehr aber auch nicht." Damit war dem Zuschauer eigentlich klar, wer im Finale der Sendung nochmal gegeneinander antreten muss, aber es waren nicht Anthony und Marlon, sondern Anthony und Pino, die nach Auswertung der Anrufe noch einmal gegeneinander singen sollten.
Das Ende vom Lied: Einer muss "X Factor" verlassen
Die Gesichter bei der Jury sprachen eine deutliche Sprache. Sie waren ehrlich überrascht oder "mittelschwer schockiert", wie Till Brönner meinte. Alle hatten Marlon schon gedanklich abgeschrieben, doch es kam anders. Pino und Anthony mussten nochmal gegeneinander in den direkten Vergleich. Beide Teilnehmer des Stechens lieferten gute Leistungen ab. Anthony sang "My Love is your Love" von Whitney Houston. Pino hatte sich "The Climb" von Guy Sebastian ausgesucht. Beide waren gut, Pino war objektiv besser, da der Song auch anspruchsvoller zu singen ist. Die Entscheidung sollte allerdings bei der Jury liegen. Da Sarah Connor natürlich zu Pino hielt und Brönner seinen Kandidaten Thet behalten wollte, gipfelte die Sendung mit einem völlig überforderten George Glueck, der jetzt einen von zwei guten Kandidaten nach Hause schicken musste.
George Glueck musste die vierte "X Factor"-Liveshow alleine entscheiden
Er tat sich sichtlich schwer und druckste herum. Seine Ansprache wurde länger und länger. Als Moderator Jochen Schropp dann wiederholt drängte, er müsse zu einer Entscheidung kommen, entschied sich Glueck, Pino nach Hause zu schicken. Der Grund: Die Leute haben ihn jetzt schon mehrfach nicht beim ersten Durchgang gewählt, er hat einfach zu wenige Fans. Bleibt die Frage, warum die Zuschauer nicht Marlon rausgewählt haben, der wirklich seinen schlechtesten Auftritt überhaupt an diesem Abend hatte. Die Antwort könnte im Verhalten der Jury liegen. Wenn ein Kandidat so eindeutig von der Jury kritisiert wird, ruft das bei den Zuschauern doch eher einen Anrufreflex aus. Diejenigen, die einfach nur ganz nett waren, bekommen keine Anrufe.Das nächste mal also Vorsicht, wen man vorzeitig abschreibt.
