
- Neue Gesichter, bekannte Figuren - Twentieth Century Fox
In "X-Men: Erste Entscheidung" geht es um Freundschaft, Identität, Rache und Vergeltung sowie große Weltpolitik. Reizvoll ist die Einbettung der Story in historische Ereignisse, vor allem die Kubakrise. Kenner der Vorgängerfilme werden viele Referenzen erkennen und sich daran erfreuen. Neue Konflikte ergeben sich allerdings nicht.
Die Handlung von "X-Men: Erste Entscheidung"
"X-Men: Erste Entscheidung" kehrt zurück an den Anfang. Zu Beginn sieht der Zuschauer dieselbe Szene, die er schon aus dem ersten Teil ("X-Men") kennt. Erik wird von seinen Eltern getrennt und zeigt zum ersten Mal seine magnetischen Kräfte. Der Film berichtet nun, was Erik danach geschah. Seine Kräfte werden von Sebastian Shaw (Kevin Bacon) erkannt, einem Mutanten, der mit den Nazis kollaboriert. Durch Folter gelingt es ihm, aus Erik die magnetischen Kräfte hervorzulocken.
Zu gleichen Zeit begegnen sich der junge Charles Xavier und Raven, die später den Namen Mystique tragen wird. Sie bleiben zusammen und werden so etwas wie Bruder und Schwester. Anfang der sechziger Jahre wird Charles zum Professor und Experten für Mutanten, während Erik auf der Jagd nach Shaw ist. Dieser wiederum ist dabei, die Kubakrise herbeizuführen. Xavier wird vom CIA in Person von Moira MacTaggart (Rose Byrne) eingeschaltet und so treffen die Wege von Charles und Erik aufeinander. Sie werden zu Verbündeten und Freunden, während sie ihre Kräfte sammeln und weitere Mutanten um sich scharen, um Shaw zu stellen. Xavier ist auch derjenige, der die Kräfte von Erik zur vollen Entfaltung bringt.
Im Showdown vor Kuba kommt es schließlich zum endgültigen Zerwürfnis zwischen den beiden und der Zuschauer erfährt, warum Xavier im Rollstuhl landet.
Neue Gesichter bei bekannten Figuren
"X-Men: Erste Entscheidung" führt den Zuschauer in eine Zeit zurück, in der Prof. X und Magneto noch jung waren. Der junge Xavier wird brillant von James McAvoy verkörpert. Michael Fassbender verleiht dem zornigen und desillusionierten Erik/Magneto die nötige Tiefe. Jennifer Lawrence spielt beeindruckend die adoleszente Raven/Mystique, die auf der Suche nach ihrer wahren Identität ist. Lawrence ist vor allem durch ihre herausragende Darstellung in "Winter's Bone" bekannt, die ihr eine Oscar-Nominierung einbrachte.
Eine neue Figur ist Emma Frost (January Jones), ein Telepath wie Charles Xavier, die sich am Ende auf die Seite von Magneto schlägt. Sie wird wohl in weiteren Folgefilmen wieder auftauchen.
Nur einer ist gleich geblieben: Logan/Wolverine. Es gibt einen kurzen, augenzwinkernden Auftritt von Hugh Jackmann.
Bekannte Figuren in bekannten Auseinandersetzungen
Die Figuren der ersten Generation stehen vor denselben Problemen wie ihre Nachfolger in den Vorgängerfilmen. Ist ihre Mutation eine Krankheit, die geheilt werden muss? Sind sie Menschen oder eine neue Spezies? Sollen sie stolz sein und sich wehren oder sich verstecken?
Charles glaubt trotz Holocaust an das Gute im Menschen und tritt für die friedliche Koexistenz ein. Erik hingegen sieht im Holocaust nur den Teil eines Krieges des Menschen gegen alles, was irgendwie anders ist. Da die Mutanten die bessere Spezies seien, müssten sie die Menschen bekämpfen. Diese Auseinandersetzung ist hinlänglich bekannt aus den ersten drei Filmen der Serie.
Interessanterweise wird Eriks Argumentation hier wesentlich stärker als in den Vorgängern. Bei aller Güte einzelner Menschen, gibt es die Masse der Mitläufer, die "nur Befehle befolgen". Diese Form der Entschuldigung spielt direkt auf Eichmann und andere Nazis an. Als sie eine Figur äußert, kann der Zuschauer gar nicht anders als mit Erik zusammen den Schluss zu ziehen, dass den Mutanten dasselbe Schicksal wie seinen Eltern droht.
Showdown vor der Kuba-Krise
Die Geschichte um Xavier und Magneto ist eingebettet in den historischen Kontext der Kuba-Krise. Das verleiht dem Ganzen einen besonderen Reiz, der noch dadurch gesteigert wird, dass January Jones mitspielt. Sie ist vor allem durch die mehrfach ausgezeichnete Fernsehserie "Mad Men" bekannt geworden, die genau in dieser Zeit angesiedelt ist.
Damit ergibt sich aber auch ein Problem: "Mad Men" wird für seine historische Detailgenauigkeit besonders gelobt. Genau diese fehlt "X-Men: Erste Entscheidung" leider. Denn die Mode, insbesondere die von January Jones und Kevin Bacon, scheinen eher aus der Zeit Ende der sechziger/Anfang der siebziger Jahre zu stammen. Dasselbe gilt für ihre Haarfrisuren. Diese Details sorgen ebenso wie einige weniger professionell erstellte Tricktechniken für etwas Verwirrung und Verärgerung in diesem ansonsten durch und durch unterhaltsamen Action-Film.
Der Film läuft seit dem 09.06.2011 im Kino.
Quellen:
