X:enius – das Wissensmagazin auf Arte über Schiffe

Pierre baut eine Pirogge - AVE Mainz
Pierre baut eine Pirogge - AVE Mainz
Warum schwimmen Schiffe? Sind Boote zu mehr nütze als nur zum Fahren? Und wie baut man eine Pirogge? "X:enius" geht den Schiffen auf den Grund.

Ob James Cook oder Christoph Kolumbus – die großen Entdecker und Welteroberer kamen stets zu Wasser und stets per Schiff. 8000 km von Europa entfernt, sind Dörthe und Pierre auf Entdeckerfahrt in Französisch Guayana. Sie begleiten Schiffbauer bei ihrer Arbeit. In dem Dorf Sparouine werden traditionelle Kähne, so genannte Piroggen oder „Pirogues“ gefertigt. Denn für die Bewohner entlang des Flusses Maroni sind Schiffe das wichtigste Transport- und Handelsmittel. Dörthe und Pierre wollen wissen, wie man diese „Pirogues“ baut, warum so ein Schiff überhaupt schwimmt und welche Funktion Schiffe überhaupt haben. „X:enius“ – das deutsch-französische Wissensmagazin auf Arte, geht den Fragen auf den Grund.

Wikingerboote – Schiffe für und von Entdeckern

Island. Jahrmillionen blieb diese Insel unentdeckt. Bis im Frühmittelalter die Wikinger vor der Küste auftauchten. In ihren Schiffen von weniger als 30 Meter Länge hatten sie die über 500 km Seeweg bewältigt. „Die Wikinger waren die besten Seefahrer ihrer Zeit, ihre Schiffe waren für sie extrem wichtig. Denn Raubzüge, Handelszüge und Entdeckungsfahrten wurden aufgrund der Überbevölkerung in Skandinavien notwendig“, konstatiert der Historiker Gerrit Menzel vom Maritimen Museum in Hamburg. Wikingerboote waren schmal und lang. Einmalig für ihre Zeit erreichten sie dadurch Geschwindigkeiten von bis zu 12 Knoten. Auch das Bauholz spielte eine wichtige Rolle. In Wuchsrichtung aus dem Holz geschlagen sind Planken und Gerippe besonders stabil. Die schlanken Holzschiffe der Wikinger erlaubten Entdeckungsfahrten bis nach Nordamerika.

Warum schwimmen Schiffe eigentlich?

Ob Einbaum, Wikingerschiff oder Frachter – sie alle müssen schwimmen. Nur wie geht das? Dafür müssen Schiffbauer mehrere physikalische Gesetze beachten. Besonders wichtig ist ein Prinzip, das der Grieche Archimedes schon vor 2000 Jahren erkannte. „Das Archimedische Prinzip besagt, dass ein Körper sein eigenes Gewicht als Wasser verdrängt, so dass die Auftriebskraft eines Körpers genau so groß ist wie die Gewichtskraft des Körpers und die beiden im Gleichgewicht stehen, und dann schwimmt ein Körper auch“, erläutert der Schiffsbauingenieur Lennart Pundt. Doch wie bekommt ein Schiff so viel Auftriebskraft, dass es selbst tonnenschwere Ladung über Wasser hält? Schiffbauer wissen um den schwierigen Balanceakt: Ein Gegenstand der schwimmen soll, muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Eine Metallplatte an sich schwimmt nicht. Wenn man die gleich schwere Metallplatte aber wie einen Hohlkörper formt, ist sie in der Lage, mehr Wasser zu verdrängen. Dann schwimmt sie einfach durch mehr Auftrieb.

Boote um darauf zu leben

Gerade mal 8 Meter lang und 3 Meter breit ist das Hausboot. Von klein auf ist die Händlerin Chan Trang auf ihrem Transportschiff in Vietnam unterwegs. Immer mit dabei ist ihr Mann Bao und seitdem die Schule für sie vorbei ist auch wieder Tochter Ni. Chan und ihre Familie haben keine feste Adresse. Sie wohnen dort, wo sie auch arbeiten – auf ihrem Boot. Je nach Jahreszeit handelt Chan mit Melonen oder Maniok. Das Leben auf Dauerreise – für Chan ist das ihr Schicksal. Doch nicht nur in Asien, auch in Europa machen Menschen ihr Schiff zum Lebensmittelpunkt. Der Niederländer Peter Kruijt ist Binnenschiffer auf dem Rhein und der Donau. Mit seinem Schiff, der MS Gratias, transportiert er Roherz von Rotterdam bis nach Wien. Seit der Hochzeit sind seine Frau Floriane und die zwei kleinen Kinder seine ständigen Begleiter. „Das schönste Gefühl für einen Schiffer: die Ladung ist drinnen, das Schiff ist sauber, wir haben alles an Bord, wir können weiter“, stellt der Schiffer fest. Ein bodenständiges Familienleben bis ins letzte Detail und trotzdem Weltenbummler. An Bord ist das kein Widerspruch. Weder in Vietnam noch in Holland. Freude strahlend resümiert Chan Trang dann auch „Auf dem Boot ist es lustiger. Es ist anstrengend. Aber im Moment finde ich es schöner als an Land. Da fühle ich mich einsam.“

Orginal Pirogge im Bau

Für eine guyanische Pirogge braucht man zunächst einen Stamm. Der muss von innen und außen kräftig bearbeitet werden, damit er gleichmäßig breit wird. Einmal ausgehölt kommt der wichtigste Teil der Arbeit: der Stamm muss befeuchtet werden. Nur so kann das weiche Holz bearbeitet werden und ein breites Boo entstehen. Ein bisschen Zündstoff und dann wird das Holz auch schon erhitzt, damit es sich ausdehnt. Das Ganze dauert gut 5 Stunden. Über Stunden hinweg werden immer länger werdende Holzkeile zwischen die beiden Seiten geklemmt,. So wird aus dem Stamm schließlich ein 1 Meter breites Boot.

X:enius das Wissensmagazin auf Arte. Täglich um 8:45 und 17:40

Swen Gummich im Studio, Swen Gummich

Swen Gummich - Name: Swen Gummich Beruf(ung): Wissenschaftsjournalist, Regisseur, Filmemacher Studium: Mathematik, Physik, Ethnologie, ...

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