Einer der bedeutendsten Regisseure des frühen Films in Japan. Yasujiro Ozu gilt als Urgestein des japanischen Films. Sein Gespür für kleine, aber wichtige Details inspirieren Filmemacher noch heute.
Der Weg zum Film
Ozu wurde am 12. Dezember 1903 in Tokio geboren und wuchs einen Großteil seiner Jugend dem Land auf. Erst 1922 kehrte er nach Tokio zurück, um dort für das Shochiku-Studio zu arbeiten. Zwischen 1943 und 1945 arbeitete er als Propagandist für die japanische Armee. Ozu wohnte bis zu seinem Tode am 12. Dezember 1963 bei seiner Mutter in Tokio und hat nie geheiratet. Für ihn war die Crew seine Familie. Er drehte immer mit den gleichen Schauspielern und der gleichen technischen Crew zusammen. Dieselben Darsteller wuchsen aus Kinderrollen in Erwachsenenrollen.
Für die damalige Technik war er in seinen Filmen ein Spätsünder. Wurde der Tonfilm bereits 1928 erfolgreich in den Kinos eingeführt, so inszenierte Ozu erst 1936 mit Hitori musuku seinen ersten Tonfilm. 1958 drehte er mit Sommerblüten seinen ersten Farbfilm.
Kleine Filmkunde
Die Filme, durch die sein unverwechselbarer Stil bekannt wurde, drehte er erst nach Kriegsende. Zu seinen berühmtesten Filmen zählen Später Frühling (1949) und Die Reise nach Tokio (1953).
Später Frühling:
Der Film erzählt von einer jungen Frau, die seit Jahren bei ihrem Vater lebt und sich selbst dann kaum von ihm lösen kann, als dieser sie zur Hochzeit drängt. Den Abschied zwischen ihr und ihrem Vater nimmt sie als eine innige Erfahrung wahr.
Die Reise nach Tokio:
Ein altes Ehepaar will ein letztes Mal die Kinder im entfernten Tokio besuchen. Sie stellen jedoch fest, dass die Kinder mittlerweile ein eigenes Leben haben und sie in diesem Leben nur noch stören. Verstört und verwirrt stirbt die alte Frau an dem Kummer, während ihr Mann dem Ganzen gelassen entgegen sieht. Nach seiner Rückkehr nach Hause spricht er mit ihr, als wäre sie noch da.
Ozus Stil
Seine an den Zen-Kult angelehnten Filme zeigen alltägliche Situationen in ganz normalen mittelklassischen japanischen Familien. Die Menschen sind eine Konfliktsituation geraten, die sie im Laufe des Films allerdings mit großer Gelassenheit bewältigen. Die Protagonisten erfahren nicht in einer plötzlichen Einsicht ihre Fehler, sondern in einem langsam schleichenden Prozess. Dabei wollte Ozu seinem Publikum zeigen, wie das Leben ist, ohne auf dramaturgische Höhepunkte zurück zu greifen.
Charakteristisch für Ozus Filme sind starre, lange Einstellungen, die fast ohne Kameraschwenks oder -fahrten auskommen. Dies soll dem Zuschauer ermöglichen, sich in aller Ruhe auf die Verhältnisse in den Familien einzulassen. Eine feste Konstante in seinen Filmen war die untersichtige Kamera. Signifikant ist auch die karge Ausstattung der einzelnen Motive, durch die sich die Figuren bewegen: Leere Wohnräume oder unbewohnte Landschaften sind keine Seltenheit in seinen Filmen.
Quellen:
Geoffrey Nowell-Smith: Geschichte des internationalen Films. Metzlerverlag, 2006
Thomas Koebner: Filmregisseure. Reclam Verlag, 2008
