Yersiniose: Magen-Darm-Entzündung mit Durchfall am 12.9.2011

Yersiniose-Fälle in Deutschland (2010 und 2011) - Dr. Gerald Albach
Yersiniose-Fälle in Deutschland (2010 und 2011) - Dr. Gerald Albach
Pest-Bruder Yersinia enterocolitica verursacht die Symptome Bauchschmerzen, Durchfall und Fieber: Das RKI meldet 66 neue Yersiniose-Fälle für die KW 33.

Stellt der Arzt die Diagnose Yersiniose, blickt er vermutlich in verdutzte Gesichter, vor allem in ratlose – doch Magen-Darm-Infektionen mit den gramnegativen Bakterien Yersinia (Y.) enterocolitica und Y. pseudotuberculosis sind verbreiteter als man denkt: Am 12. September 2011 meldete das Robert Koch-Institut (RKI) im Epidemiologischen Bulletin Nummer 36 für Deutschland 66 neue Yersinia-Erkrankungen für die Kalenderwoche (KW) 33. Dies sind gegenüber der Kalenderwoche 32 zwei Yersiniose-Fälle weniger. Im Bundesland Thüringen gibt es mit 8 Yersiniosen pro 100.000 Einwohner die meisten Neuerkrankungsfälle in Deutschland (siehe Inzidenz-Grafik).

Jetzt 2.120 registrierte Yersiniosen in Deutschland

Yersinien sind bei weitem nicht die häufigsten meldepflichtigen bakteriellen Darmerreger für akute Durchfallerkrankungen (Diarrhoen) in Deutschland, trotzdem infizierten sich bis zur KW 33 nach dem RKI bereits 2.120 Menschen seit Beginn des Jahres mit Yersinia-Bakterien. Zum Vergleich gab es im gleichen Zeitraum 44.948 gemeldete Campylobacteriosen, 14.425 Salmonellosen und 4.232 EHEC-Fälle. Die Gesundheitsbehörden der Bundesländer übermittelten dem RKI für die KW 33 folgende labordiagnostisch bestätigte Yersiniose-Gastroenteritiden (siehe Grafiken, eine Gastroenteritis nennen unsere Ärzte eine Magen-Darm-Entzündung): In Baden-Württemberg 5 neue Yersiniose-Fälle, in Bayern 6 Yersiniose-Fälle, in Berlin 3 Yersiniose-Fälle, in Brandenburg einen Yersiniose-Fall, in Bremen einen Yersiniose-Fall, in Hamburg 4 Yersiniose-Fälle, in Hessen 5 Yersiniose-Fälle, in Mecklenburg-Vorpommern einen Yersiniose-Fall, in Niedersachsen 4 Yersiniose-Fälle, in Nordrhein-Westfalen 12 Yersiniose-Fälle, in Rheinland-Pfalz 7 Yersiniose-Fälle, im Saarland keinen Yersiniose-Fall, in Sachsen 4 Yersiniose-Fälle, in Sachsen-Anhalt 2 Yersiniose-Fälle, in Schleswig-Holstein 5 Yersiniose-Fälle und in Thüringen 6 Yersiniose-Fälle.

Yersiniosen sind in Thüringen am häufigsten

Als epidemiologische Maßzahl zeigt die kumulative Inzidenz an, wie viele Neuerkrankungen durch Yersinien pro 100.000 Einwohner auftreten (siehe Inzidenz-Grafik). Die Diagnose Yersiniose wird momentan besonders in drei östlichen Flächenbundesländern gestellt. In Baden-Württemberg gibt es einen Yersinia-Krankheitsfall pro 100.000 Einwohner, in Bayern zwei Yersiniose-Fälle, in Berlin einen Yersiniose-Fall, in Brandenburg zwei Yersiniose-Fälle, in Bremen und Hamburg jeweils drei Yersiniose-Fälle, in Hessen zwei Yersiniose-Fälle, in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen jeweils drei Yersiniose-Fälle, in Nordrhein-Westfalen zwei Yersiniose-Fälle, in Rheinland-Pfalz drei Yersiniose-Fälle, im Saarland zwei Yersiniose-Fälle, in Sachsen sechs sächsische Yersiniose-Fälle, in Sachsen-Anhalt fünf Yersiniose-Fälle, in Schleswig-Holstein drei Yersiniose-Fälle – und in Thüringen acht Yersiniosen pro 100.000 Einwohner.

Durchfall ist das häufigste Yersiniose-Symptom

In Deutschland ist für die Diagnose Yersiniose fast nur der Pest-Bruder Y. enterocolitica verantwortlich, bei uns ist besonders der Bioserotyp 4/O:3 verbreitet: Besonders häufig erkranken in Deutschland nach einer Inkubationszeit von etwa 5 Tagen Kinder unter fünf Jahren. Bei kleinen Kindern ist die Inzidenz der Yersiniose etwa 12 mal höher als bei der Durchschnittsbevölkerung. Mehr als 80 Prozent aller Patienten leiden an einem akut wässrigen Durchfall, jeder zweite Patient klagt über krampfhafte Bauchschmerzen, diese können einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) ähneln. Fieber bekommt nur jeder dritte Patient, maximal 10 Prozent der Patienten erbrechen sich.

Symptomatische Therapie gegen den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust

Bei gesunden Menschen halten die Yersiniose-Symptome etwa ein bis zwei Wochen an, die Infektion ist in der Regel selbstlimitierend und heilt von alleine aus. Bei der symptomatischen Therapie wird der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgeglichen, die oralen Rehydrationslösungen (ORL) enthalten dazu Citrat, Glucose, Kalium und Natrium. Nur bei schweren Krankheitsverläufen werden Antibiotika eingesetzt: Zwar sind Yersinien resistent gegenüber Ampicillin, aber Antibiotika wie Chloramphenicol und Gentamicin sind wirksam.

Weitere Informationen & Literatur

Das Epidemiologische Bulletin (Epid. Bull.) Nummer 36 vom 12. September 2011 finden Sie auf der Homepage des Robert Koch-Instituts (RKI), dort ist auch die Datenbank SurvStat mit den Daten aller Kalenderwochen.

Bettina M. Rosner, Klaus Stark und Dirk Werber (2010): "Epidemiology of reported Yersinia enterocolitica infections in Germany, 2001-2008". BMC Public Health 10, Seite 337 (doi:10.1186/1471-2458-10-337).

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Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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