Yes, we can too - Nachhaltigkeit ist möglich

Kleinbauer in Kolumbien - V.Marx
Kleinbauer in Kolumbien - V.Marx
Die Menschen haben es in der Hand, eine wirklich nachhaltige Entwicklung zu schaffen und die Zukunft auf diesem Planeten sicher zu gestalten.

Stuttgart 21, Gorleben und das Energiekonzept, Rente mit 67. Die Bürger gehen wieder auf die Straße, bemerken endlich, dass sie das Volk sind und dass es nicht genügt, alle vier oder fünf Jahre die Richtung der Entwicklungen mit einem Kreuz auf einem Wahlzettel vorzugeben. Hinzu kommt, dass die Aussagen, die sie vielleicht bewogen haben, ihre Stimme abzugeben, nach der Wahl vergessen werden. Die Bürger fühlen sich nicht nur nicht mehr repräsentiert, sondern bemerken, dass sie lediglich Stimmvieh, Legitimation für eine Politik sind, die sie und ihre Interessen überhaupt nicht vertritt, sondern ein Wirtschaftssystem stützt, dass die Bürgerinteressen vernachlässigt.

Wir sind das Volk gilt auch in den alten Bundesländern

Heiner Geißlers Schlichtung für das Problem des Stuttgarter Bahnhofumbaus hat gezeigt, dass eine ganz neue Kultur des Umgangs mit den Bürgern gepflegt werden muss und die Zeit des Regierens nach Gutsherrenart endgültig vorbei ist. Wenn den interessierten Bürgern alle Randbedingungen eines Projekts, einer anstehenden wichtigen Entscheidung vorgelegt werden, können sie sehr wohl entscheiden, welche Lösung sinnvoll ist. Der nächste Einsatz Herrn Geißlers sollte nun zum Beispiel in Gorleben erfolgen und dann im Bereich der Gesundheitspolitik und so fort. Wikileaks kann gar nicht so viele Dokumente veröffentlichen, wie der Öffentlichkeit vorenthalten werden. Das muss fortan ganz selbstverständlich erfolgen, jeweils für bestimmte Bereiche zur Information darüber, was die Vertreter der Bürger in ihrem Namen entscheiden wollen. Das wiederum bedingt, dass das immer noch absolutistische System in den Industrieländern aufgebrochen, aufgegeben wird. Bestechung, unlautere Einflussnahme auf die Entscheidungsträger kann keine Wirkung mehr entfalten, wenn die Bürger wieder entscheidende Fäden des Handelns in die Hand nehmen, das ist die Meinung aller Kommentatoren.

Bürgerinitiativen, Genossenschaften verzeichnen ungeahntes Wachstum

In Deutschland nehmen Bürger wieder ihre Versorgung mit den alltäglichen Dingen in die eigene Hand, bauen sich ihren eigenen Laden im Dorf, errichten Kraftwerke, die sie mit Wärme und Strom versorgen, organisieren Kindergärten, Schulen und eine Wiedereingliederung alter und behinderter Menschen in ihre Gemeinschaft, statt sie auszulagern. Zum Beispiel sollen in dem Zukunftsdorf Bliestorf bei Lübeck einmal alte, behinderte und junge Menschen gemeinsam leben und arbeiten, sich dabei umeinander kümmern. Es wurde das alte Gut Bliestorf gekauft und wird nun nach und nach umgebaut und ausgebaut. Neben einem Demeter-Landwirt werden Werkstätten und nicht zuletzt der bereits gut eingeführte Seminarbetrieb in dem alten Gutshaus, auch leicht behinderten Mitbewohnern eine Arbeitsstätte bieten. Ähnliche Projekte einer neuen, genossenschaftlich organisierten Gemeinschaft gibt es in stetig wachsender Zahl. Auffällig ist, dass in all diesen neuen Modellen des Zusammenlebens sehr sorgfältig über die Fehler in dem konventionellen Gesellschaftssystem nachgedacht wird. Von der nachhaltigen Energieversorgung, über eine ökologische Lebensmittelversorgung bis zu den neuen, alten Modellen des Zusammenlebens und Arbeitens werden alle problematischen Auswüchse der Industriegesellschaft eliminiert. Jedes Mitglied bringt sich nach seinen Fähigkeiten und Wünschen ein und profitiert zugleich von allen Anderen.

Ein Dorf macht sich autark

Das Bioenergiedorf Jühnde in Niedersachsen war das erste Dorf, das sich bewusst autark machte. Es versorgt alle Gebäude des Ortes mit Wärme, die aus eigenen Ressourcen, hier Biomasse erzeugt wird. Gleichzeitig wird etwa dreimal mehr Strom produziert, wie der Ort selbst verbraucht. Das Projekt wird von der Dorfgemeinschaft, als Genossenschaft organisiert getragen und alle Bewohner profitieren zuerst einmal wirtschaftlich davon. Die Wärme kostet inzwischen die Hälfte von dem, was man mit Heizöl oder Gas zu zahlen hätte und aus den Stromerlösen erhalten alle Bewohner zusätzlich eine Dividende. Außerdem werden aus den Erlösen eigene, kommunale Aufgaben finanziert. Während der Zeit der Vorbereitung und Planung des Projekts lernten sich zwangsläufig alle 800 Einwohner kennen, was so nicht passiert wäre. Es entstand ein völlig neues Gemeinschaftsgefühl, heute zusätzlich getragen von dem Erfolg des Projekts, der jährlich bis zu 10.000 Gäste aus aller Welt in den Ort bringt. Inzwischen hat das Beispiel Schule gemacht, allein in Niedersachsen sind in 2011 bereits 14 weitere Gemeinden dem Beispiel gefolgt. Das Besondere in Jühnde ist aber auch die Nachhaltigkeit des Projekts. Die Energiepflanzen, die für die Biogasanlage mit BHKW erforderlich sind, werden ökologisch und sehr effizient angebaut. Das zusätzlich genutzte Holz, für die Spitzenlastfeuerung im Winter stammt aus den eigenen Wäldern und den Knicks, ausschließlich aus der Wald- und Landschaftspflege. So werden alle ökonomischen, ökologischen und sozialen Bedingungen für Nachhaltigkeit erfüllt.

In aller Welt finden sich Menschen zusammen um die nachhaltige Zukunft in die Hand zu nehmen

La Via Campesina ist der weltweite Zusammenschluss von Genossenschaften, Vereinen und lokalen Gesellschaften aus 69 Ländern und arbeitet seit 1993 für eine Umkehr in der globalen landwirtschaftlichen Großproduktion und industriellen Lebensmittelherstellung. Kleinbauern in Südamerika vertreiben ihre Produkte direkt mit eigenen Handelsgenossenschaften. Aus Deutschland ist die Vereinigung der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL) vertreten. Kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe haben sich zusammengeschlossen um eine nachhaltige Wirtschaft über alle Ländergrenzen und nationalen Wirtschaftsinteressen hinweg zu erkämpfen. Die Kongresse der Organisation sind mittlerweile zu viel beachteten Gegenveranstaltungen zu den Welt-Wirtschaftsgipfeltreffen geworden. Eine andere Welt, lebenswert und mit einem globalen Gemeinschaftsgefühl ist möglich, der Satz: „Die Welt ist ein Dorf“ kann sich bewahrheiten. Aus all diesen Initiativen, die inzwischen, mit der aktiven Unterstützung der UN und anderer Organisationen, wie Attac für eine menschliche Weltwirtschaft eintreten, ist erkennbar, dass das vorherrschende Wirtschaftssystem nicht für die Menschen gemacht ist. Die Erfolge, zum Beispiel bei gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Monopolisten für Saatgut, wie Monsanto, machen Hoffnung. Das Gefühl, dass etwas geändert werden muss, ist angekommen und breitet sich aus.

Volker Marx, Volker Marx

Volker Marx - Nach dem Abitur (1973) Studium der Germanistik, Philosophie und Musik in Göttingen (1974 bis 1976). Dann gehörte ich bis 1981 ...

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