"Young Victoria"

Emily Blunt glänzt in dem Film über die junge Königin Victoria

Königin Victorias große Liebe war, und das war unter europäischen Herrschern des 19. Jahrhunderts wahrhaft selten, ihr eigener Ehemann: Prinz Albert

Victoria, die uns als Konterfei-Matrone in Schwarz mit Hakennase und dem unbequemen Stehkragen aus kratziger Spitze bekannte Herrscherin Großbritanniens (und das über 63 Jahre lang!), war auch mal jung, was der Film "Young Victoria" mit Emily Blunt nachzeichnet.

Als Victoria Königin wird, ist sie blutjunge 18 Jahre – und schwer verknallt!

Erst 18 Jahre alt war Victoria, als sie den Thron bestieg, sich vorher aber bereits in den Prinzen von Sachsen-Coburg und Gotha verliebt hatte, mit dem sie bis zur Heirat eine tiefgehende und nicht nur romantische Brieffreundschaft pflegte.

Victoria und Albert, zwei Seelenverwandte auf dem britischen Thron

Ein Weg, um sich kennenzulernen und als Seelenverwandte ganze 20 Jahre zusammen als für jene Zeit emanzipierte Eheleute England und den Commonwealth zu regieren. Victoria führt, gut beraten durch ihren angetrauten Geliebten, dem sie neun Kinder schenkt, soziale Reformen ein. Und vor allem lernt sie sich und ihrem Bauchgefühl zu vertrauen. Mithilfe Alberts lernt die junge Königin sich durchzusetzen.

Königin Victorias Feinde und Berater

Die angehende junge Königin war umgeben von einem machthungrigen John Conroy, Verwalter des Nachlasses von Victorias verstorbenem Vater, dem Duke of Kent. Einer in wichtigen Moment feigen, ebenfalls ehrgeizigen Mutter. Und einem geduldigen, wenn auch snobbistischen Whig-Premierminister Lord Melbourne, der hungernde Arbeiter und nach Schweiß riechenden Pöbel lieber nur vom Namen her zu kennen pflegte (der Film streift die Themen Finanzkrise, Arbeitslosigkeit, Armut und das Revolutionsjahr 1848), was Victoria zeitlebens eine Politik zum Wohle der Ober- und Mittelklasse mit moderaten Konsequenzen für Arbeiterklasse und Arme führen lässt.

Victoria und Albert, eine moderne Ehe

Das modere Element dieser Ehe ist das Hauptmotiv des Films "Young Victoria": dass Edward seine Frau darin fördert, ihre Würde auf den Bereich der politischen Entscheidungsfindung und Befugnis zu wahren und hier zu entfalten. Im Gegenzug verlangt er von Victoria eine faire Beteiligung an den Regierungsgeschäften, er will nicht nur ihr Ehemann, sondern auch ihr politischer Partner werden. Die Königin stimmt zu.

Am sichtbarsten wird Alberts Einfluss im Bereich von Kunst und Architektur, was der Film nicht mehr zeigt. Die Geschichte endet mit der Geburt des ersten Kindes und der Versöhnung nach dem ersten Ehestreit, die die politische Partnerschaft von Prinz und Königin einleitet.

Emily Blunt, die Zicke aus "Der Teufel trägt Prada" in victorianischen Klamotten

Geistreicher Trotz ist die hervorstechendste Charaktereigenschaft der von Emily Blunt gespielten jungen Königin, der zusammen mit der Körpersprache unserer Zeit aus Blunts Spiel eine Pose macht. Die Schauspielerin wirkt in die Kleider des 19. Jahrhunderts irgendwie hineingesteckt, für die Länge eines verregneten Nachmittags irgendwie hineingeraten.

Diese Pose liefert dem Zuschauer den nötigen Abstand, um zu erkennen, wie schwer der blutjungen Monarchin die Anpassung an das enge höfische Regelwerk fiel. Und auch in diesem Punkt fand sie in dem jungen Albert, der unter dem strengen Regiment des gemeinsamen Onkels, König Leopold I. von Belgien (Thomas Kretschmann) – denn Albert und Victoria waren Cousin und Cousine –, stand, der auch der politische Erzieher Victorias gewesen war, einen Gleichgesinnten. Umso mehr wollten sie nur noch auf sich angewiesen sein.

Darsteller und Stab in "Young Victoria"

Produziert wurde der Film von den Oscar®-Preisträgern Graham King und Martin Scorsese ("Departed: Unter Feinden") sowie von Sarah Ferguson (Herzogin von York). Die Produktion wurde bereits für drei Oscars nominiert (Best Art Direction, Best Costume Design, Best Make-up).

In der Hauptrolle glänzt neben Emily Blunt ("Sunshine Cleaning", "Der Teufel trägt Prada"), die für ihre schauspielerische Leistung für den Golden Globe nominiert wurde, Rupert Friend ("Stolz und Vorurteil") als Prinz Albert.

Paul Bettany ("Ritter aus Leidenschaft") ist als Victorias Berater und Whig-Premier Lord Melbourne zu sehen. Miranda Richardson (Golden Globe für ihre Rolle in "Verzauberter April") glänzt als Duchess of Kent und erinnert mit ihrer Verschlagenheit an die echte SISSI-Mutter Magda Schneider. Oscar®-Preisträger Jim Broadbent (Golden Globe und Oscar® für seine Rolle in "Iris") spielt Victorias Vorgänger König William IV. Thomas Kretschmann ("Der Pianist") ist König Leopold I. von Belgien.

Regisseur Jean-Marc Vallée ("C.R.A.Z.Y.") inszenierte "Young Victoria" nach dem Drehbuch von "Gosford Park"-Autor Julian Fellowes und mit dem deutschen Kameramann Hagen Bogdanski ("Hilde", "Das Leben der Anderen"). Sinead O’Connor singt das Titelthema des Films: "Only You“.

Asta Hemmerlein, Foto: privat

Asta Hemmerlein - Studium der Politikwissenschaft in Freiburg im Breisgau, Madrid und Berlin. Praktika bei Simon Wiesenthal in Wien, am Zentrum für ...

rss