Yutta Saftien häkelt Greenys auf der Hamburg Art Week

Yutta Saftien installiert ein Greeny - Yutta Saftien
Yutta Saftien installiert ein Greeny - Yutta Saftien
Vor der Europa Passage winden sich dicke grüne Häkelgirlanden an schlichten Straßenlaternen empor. Passanten staunen oder häkeln spontan begeistert mit.

Hamburg ist eine Stadt mit sehr vielen Grünflächen. Man könnte meinen, Yutta Saftien sei dies bei weitem noch nicht genug. Anlässlich der Hamburg Art Week lässt sie schlichte Straßenlaternen im grünen Gewand erscheinen. Die Laternen in all ihrer Sachlichkeit stehen an der Bergstraße vor der Europa Passage, dort wo der Zugang zum Einkaufscenter einen kleinen Platz bildet. Und hier an einer der Laternen hat sich die Künstlerin für die Art Week niedergelassen und häkelt unermüdlich an den Laternenkleidern, die sie Greenys nennt. Denn was die Natur nicht vermag, geschieht hier durch fleißige Handarbeit.

Die Idee hinter der Straßenkunst, den Installationen aus gehäkelter Wolle

Die Greenys, die sich wie Lianen oder Schlangen um die Laternen winden, sind als eine Art Wunschbäume konzipiert. Die Künstlerin hat ihre Installation unter das Motto gestellt: What money can’t buy. Und dazu fällt nun wirklich jedem etwas ein. Wer hätte nicht mindestens einen Herzenswunsch, den er sich nicht durch Geld erfüllen kann?

Als die gehäkelten Gebilde zu Beginn der Hamburg Art Week aufgebaut wurden, waren sie noch nicht fertig. Natürlich gab es die stämmigen Lianen und die eine oder andere Verästelung. Sie wurden zuvor im Atelier der Künstlerin erstellt und bestehen aus umhäkelten Schläuchen oder biegsamen Rohren. Doch sie sollten im öffentlichen Raum weiter wachsen. Und so sitzt Yutta Saftien täglich dort und häkelt, während Passanten, die eben noch eiligen Schrittes in die Passage wollten, stehen bleiben und schauen. Einen Moment verweilen in einem Alltag, der oft sehr engmaschig verplant ist.

Wer ohnehin nur durch die Stadt schlendern wollte, führt ein Gespräch mit der Künstlerin. Und wer Lust hat, darf - ja soll sogar - am Entstehen dieses Gemeinschaftskunstwerks mithelfen. Es ist schon vorgekommen, dass eine Gruppe Schülerinnen, die eigentlich nichts sehnlicher wollten, als in der Europa Passage shoppen, stehen blieben und es viel cooler fanden, ein Element zu häkeln. Doch Häkeln ist schon lange nicht mehr nur Mädchensache. So ergriff am Samstag ein Junge ein Knäuel und häkelte mit den Fingern. Garn und Nadeln stehen in Terrakotta-Blumentöpfen verstaut in ausreichender Menge zur Verfügung. Die Aktion wird von der Firma Coats aus Kenzingen unterstützt, die sich übrigens auch an der Initiative Handarbeit beteiligt und aufruft, für die Berliner Tafel Kleidung für bedürftige Kinder zu stricken.

Doch wer nun keine Lust verspürt oder es auch gar nicht kann, irgendetwas mit Nadel und Faden anzufertigen, der beschreibt ein grünes Kunststoffblatt oder Band. Diese Wortbeiträge werden dann einem wolligen Greeny hinzugefügt. Besonders schnell sind die Greenys am 21. Juni gewachsen. Das war ja auch kein Wunder, schließlich war Sommeranfang und alle, die möglicherweise bekümmert auf ihre Balkonpflanzen schauen, da sie in diesem Jahr nicht recht in Schwung kommen, wollten wenigstens diesen Grünpflanzen eine Chance zum Florieren geben.

Gehäkelte Greenys in der Stadt – Ableger des Urban Knitting?

Wer jetzt denkt, Guerilla Knitting oder auch Urban Knitting sei dasselbe wie die Greeny-Häkelinstallationen, wird von Yutta Saftien eines Besseren belehrt. Erst einmal eine kleine Lektion in Englisch. Knitting bedeutet stricken, während häkeln mit crochet zu übersetzen ist. So viel zur sprachlichen und auch fachlichen Genauigkeit. Das Anliegen von Yutta Saftien besteht nicht in erster Linie darin, etwas zu verschönern und schon gar nicht, auf subversive Weise eine politische Idee zu transportieren. Ihr geht es darum, über ihre Kunst mit Menschen zu kommunizieren, Verbindendes zu schaffen. Und Hamburg ist dabei nicht ihre erste Station. 2009 saß sie mit ihren Greenys im Central Park. Und auf Kurzreisen erstellt sie dann kleine Installationen, die sogenannten Greeny-Quickies, wie 2007 an der Brooklyn Bridge in New York oder am Haus von Sigmund Freud in Wien. Doch ihr größtes Projekt ist ein internationales, für das sie nationenübergreifend zum Häkeln aufruft. Diese Greenys sollen auf der Bosporus-Brücke, die immerhin 1.510 Meter lang ist, installiert werden und damit zwei Kontinente verbinden.

Quellen:

Weiterführende Informationen und Broschüre Hamburg Art Week

Bildnachweis:

  1. Christine Karpinski
  2. Yutta Saftien
  3. Yutta Saftien
  4. Yutta Saftien
  5. Christine Karpinski
Vera Carius, Sieke-Marthe Hamann

Vera Carius - Meine Geburtsstadt ist Hannover, dort wo man angeblich das beste Deutsch spricht. Nach dem Studium der Romanistik und Geschichte in ...

rss