
- yWriter-Logo - Simon Haynes/Screenshot: Sarah Sauer
Wer sich an einen Roman wagt, jongliert häufig mit einer Vielzahl an Informationen: Handlungsentwürfe, Charakterbiographien, Kapitel in verschiedenen Ausführungen, die Ergebnisse der Recherche, spontane Einfälle. Schnell wird es dabei unübersichtlich. Der Autor und Programmierer Simon Haynes kannte dieses Problem und hat Abhilfe geschaffen: er schrieb für sich und andere Autoren das Programm yWriter. yWriter ist ein schlankes Freeware Programm, mit dem man seine Geschichte schreiben und organisieren kann.
Geschichten schreiben und organisieren mit yWriter
Auf den ersten Blick ist die Benutzeroberfläche unübersichtlich und ungewohnt: Wo genau schreibt man denn jetzt die Geschichte? Doch mit ein bisschen Übung macht das Vorgehen keine Schwierigkeiten mehr:
- Man erstellt im leeren Projekt zunächst über das Menü „Kapitel“ ein oder mehrere neue Kapitel.
- Den Kapiteln fügt man dann über das Menü „Szene“ neue Szenen hinzu.
- Die Übersicht der Kapitel befindet sich im linken oberen Fenster; im rechten oberen Fenster werden die Szenen des ausgewählten Kapitels angezeigt.
- Durch Doppelklick öffnet man eine Szene und kann im Szenen-Editor losschreiben.
Über die jeweiligen Menüpunkte lassen sich Figuren, Schauplätze und Gegenstände erstellen, die man den einzelnen Szenen zuordnen kann. Man kann Projektnotizen für Szenen-übergreifende Einfälle und Rechercheergebnisse anlegen. Das Programm bietet zudem einige nützliche kleine Funktionen: unter anderem kann man sich Tagesfortschrittsberichte ansehen, gezielt nach selbstdefinierten „Problemwörtern“ suchen und Szenen einfach und schnell verschieben. Dadurch, das regelmäßig Backups angefertigt werden, kann man jederzeit zu einer früheren Entwurfsstufe zurückkehren.
Der Szenen-Editor
Im Inhalts-Feld des Szenen-Editors schreibt man seine Szene – der Funktionsumfang ist ähnlich wie bei Wordpad. Aber der Szenen-Editor ist viel mehr als ein einfacher Texteditor und bietet die Möglichkeit, zusätzliche Informationen zur Szene festzuhalten. So findet sich direkt unter dem Inhalts-Feld
- ein Ausklapp-Menü, aus dem man den Charakter wählen kann, aus dessen Perspektive die Szene erzählt wird,
- ein Textfeld für den Titel der Szene und
- ein Textfeld, in das man eine Szenen-Zusammenfassung eintragen kann.
Unter „Details“ kann man noch einige zusätzliche Informationen zur Szene festlegen, unter anderem:
- Art der Szene: Beschreibt die Szene eine Aktion oder eine Reaktion? Diese Festlegung ist sehr praktisch, wenn man kontrollieren möchte, ob die Abfolge Aktion-Reaktion eingehalten wird.
- Wichtigkeit der Handlung: Gehört diese Szene zum Hauptstrang oder zu einem Nebenstrang der Handlung?
- Status: In welcher Entwurfsphase befindet die Szene sich? Handelt es sich um einen bloßen Umriss oder bereits um eine fertige Szene?
- Zeit/Datum der Szene und Dauer der Szene: Hier legt man den Zeitpunkt der Handlung und deren Dauer fest. Als Handlungszeitpunkt kann man ein genaues Datum vergeben oder einen Tag im Verhältnis zum Beginn der Geschichte. Die Dauer der Szene kann man ebenfalls auf die Minute genau festlegen.
Sehr interessant ist auch der Menüpunkt „Ziele“: Hier trägt man bei einer Aktion-Szene ein, um welches Ziel es in der Szene geht, auf welchen Konflikt die Hauptfigur trifft und wie das ausgeht. Bei einer Reaktion-Szene entsprechend: Reaktion, Dilemma, Entscheidung. Das ist eine sehr gute Möglichkeit zu überprüfen, ob die Szene zum Weiterkommen der Geschichte beiträgt: Kann man auch nur eines der Felder nicht ausfüllen, ist die Szene meist überflüssig oder muss überarbeitet werden.
Ein nützliches Programm für den planenden Autor
yWriter bietet sich vor allem für den planenden Autor an. Im Voraus kann er
- Kapitel und Szenen festlegen,
- Figuren, Schauplätze und Gegenstände erstellen,
- Notizen zum Projekt oder zu einzelnen Szenen hinzufügen,
- ein Wortziel festlegen, auf das er zuarbeitet.
Wer lieber planlos drauflos schreibt, wird vielleicht Schwierigkeiten haben, seine Schreibgewohnheiten an das Programm anzupassen. Als übersichtliche Notizensammlung, die erst Schritt für Schritt gefüllt wird, bietet es sich dennoch an.
yWriter stellt eine sehr gute Freeware-Alternative zu kostenpflichtigen Programmen, wie Scrivener oder Writers Café, dar. Das Programm läuft in seiner aktuellen, fünften Version unter Windows ab XP. Es wurde für Windows konzipiert, lässt sich aber über kleine Umwege auch auf Mac OS X und Linux installieren. yWriter kann auf der Seite von Simon Haynes kostenlos heruntergeladen werden. Nach der Installation kann man die Sprache auf Deutsch umstellen, wobei es noch kleinere Mängel bei der Übersetzung gibt.
Quellen:
- Spacejock Software
- eigene Arbeit mit dem Programm
