
- Mit dem Zug durch Vietnam - 3sat / Karin Köhler
Vier Teile umfasst das Reisetagebuch "Berlin - Saigon" von Dirk Sager (61). Alle strahlt 3sat nacheinander am 24. November 2011 aus. Die Tour beginnt in der deutschen Hauptstadt und endet in der vietnamesischen, Saigon alias Ho-Chi-Minh-Stadt (ab 17.15 Uhr).
Eine aufregende Stadt mit sieben Millionen Einwohnern
Saigon liegt im südlichen Teil des ostasiatischen Landes und zählt über sieben Millionen Einwohner. Die Stadt gilt als aufstrebende Metropole, die heute wirtschaftlich gut dasteht und ein beliebter Treffpunkt für Mitglieder der Wirtschaft, Politik, Kunst und Kultur aus aller Herren Länder ist. Der riesige Seehafen ist modern ausgerichtet, die größte Börse des Landes ist hier ansässig. Circa ein Fünftel des gesamten Bruttoinlandsproduktes, ein Drittel der gesamten Industrieproduktion und gut 40 Prozent der gesamten Exporte (vielfach Fisch und Krustentiere) werden in Ho-Chi-Minh-City erwirtschaftet.
Dirk Sager fliegt nicht mit dem Flugzeug ein, er nimmt den Zug
Dirk Sager fliegt nicht mit Vietnam Airlines in HCMC ein, so wie es die Europäer tun, die täglich von Paris oder Frankfurt am Main bequem über Nacht die 10.000 Kilometer bewältigen und ausgeruht am Morgen in der riesigen Stadt ankommen.
Nein, er nimmt den Zug und nimmt es in Kauf, 16.000 Kilometer mit der Eisenbahn zurückzulegen. Natürlich nicht nur in Vietnam, denn seine Tour durchquert zunächst halb Osteuropa, ehe er asiatischen Boden betritt.
Ein spannender Bericht mit vielen guten Anekdoten
"Von Berlin nach Saigon" ist ein spannender Bericht mit vielen guten Anekdoten. Eine Sendung von einem Menschen, der Land und Leute liebt und für alles Verständnis hat, ohne in die Subjektivität zu verfallen. Einer, der mit leicht schmunzelndem Geist und mit viel Sachverstand das beobachtet, was sich um ihn herum tut und was das Leben hier so lebendig und liebenswert macht.
Schon in der Banhnhofshalle gibt es viel zu staunen
Gerade in Saigon gibt es viel zu schauen und zu staunen. Das beginnt gleich am Bahnhof. Der ist seit einigen Jahren im Disctrict 3 zu Hause und wartet da bereits mit der ersten Besonderheit auf: Vielleicht weltweit einmalig, gibt es hier einen Herrn, der nur einen einzigen Auftrag hat und diesen ganz präzise und ernst wahrnimmt. Er ist von der Kommune beauftragt, all das zu schreiben, was Hilfesuchende von ihm erwarten.
Der Schreiber kümmert sich um jeden Hilfesuchenden persönlich
Da es in Vietnam zwar eine Schulpflicht gibt, aber gerade viele der älteren MitbürgerInnen noch nicht ganz firm sind in der Rechtschreibung und ihren Tücken, erledigt nun also dieser gute Herr diese Aufgabe. Eingehend befragt er die Ratsuchenden nach ihren Nöten und begibt sich an die Arbeit, schreibt mal einen Brief ans Amt, dann wiederum einen an den Chef, an eine Nachbarin, einen Freund et cetera. Nichts ist ihm fremd, immer bleibt er höflich und freundlich,
Wildes, unruhiges Saigon, aber sanftes, romantisches Mekong-Delta
So ist das in Saigon. Nach außen findet man hier ein knatterndes, ewig ratterndes Völkchen, das wahnsinnig viel Smog und Umweltreize kennt, im Innern aber perfekt zusammenhält und ein ausgeprägtes Familiengefühl liebt.
Ganz nah bei diesem Trubel geht es ruhiger zu. Jedenfalls auf den ersten Blick. Denn im Mekong-Delta herrscht zwar die gleiche Geschäftigkeit wie auf dem Markt und auf den Straßen von Saigon. Doch hier auf dem Wasser ziehen die Boote langsam von dannen, präsentieren ihre Verkaufsprodukte und hoffen auf zahlungskräftige KundInnen.
Alles fließt, die Hektik der Großstadt bleibt außen vor, und wenn Dirk Sager, der Weltreisende mit Herz, endlich sein Ziel gefunden hat und der Reisebericht schließt, dann hat er eine Zeit beschrieben, die keine Spur von Oberflächlichkeit kennt.
Quelle:
rowohlt Verlag
ZDF
