Eigentlich waren es vorerst nicht die Schnitzel, die den Mann aus dem Vogtland weit über dessen Grenzen hinaus bekannt machten. Es war Gerhard Kaltscheuers lauter Protest gegen das dortige Finanzamt. Das warf dem Gastwirt vor, sich bei der Kalkulierung seiner Portionen vertan, ja gar getrickst zu haben - mit dem Ziel, Steuern zu hinterziehen. Gemutmaßt hatte das Finanzamt, dass der Wirt viel mehr Portionen an Hackbällchen und Schnitzeln serviert und abgerechnet hat, als er angab. Doch da sollte das Finanzamt erst mal die Rechnung ohne den Wirt machen.
Große Portionen für ganze Kerle
Denn Kaltscheuer bewies der Öffentlichkeit, dass seine Gäste wirklich XXL-Schnitzel serviert bekamen. "Bei uns kehren viele Bauarbeiter und Handwerker, die auf Montage sind, ein. Die wollen was Ordentliches auf dem Teller haben. Denen kann ich nicht mit so kleinen Portionen kommen", begründete damals Gerhard Kaltscheuer jedem, der es hören wollte. Dazu kam, dass die Schnitzel und Beefsteaks zu vernünftigen und moderaten Preisen zu haben waren.
Protest mit dem Megafon
Mit dem Megafon demonstrierte der Mann schließlich vor dem Finanzamt - und mit ihm einige andere Gastwirte, denen das Finanzamt ähnliche Forderungen stellte. So erwischte es eine Gastwirtschaft im Nachbarort. Dort waren angeblich die Portionen für Gemüse nicht nach dem Geschmack des Finanzamtes. Die Finanzprüfer avancierten dort förmlich zu "Erbsenzählern".
Verfahren eingestellt, doch Rückzahlung droht
Über 30.000 Euro sollten der Mann und seine damalige Lebensgefährtin, die eigentliche Inhaberin der Futterstube, an den Fiskus zurückzahlen. Schließlich kam es zum Prozess vor Gericht. Angeklagt war das Paar der Steuerhinterziehung. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt - doch damit schwebt die Rückzahlung der geforderten Summe immer noch wie ein Damoklesschwert über der kleinen Gastwirtschaft, mitten im Wald des kleinen Ortes Hammerbrücke gelegen.
Drehtermin in Futterstube
Am 3. November nun hatte das ZDF einen Drehtermin in der Futterstube. Aufgenommen werden Schnitzel-Brat-Szenen für die Sendung "Menschen 2011". Auch ein Termin im Finanzamt soll für das Fernsehteam anstehen. Ausgestrahlt wird die Sendung mit Thomas Gottschalk voraussichtlich am 11. Dezember 2011.
Kämpfer für Gerechtigkeit
"Ich werde weiterkämpfen gegen die Ungerechtigkeiten des Finanzamtes. Schon längst vertrete ich nicht nur unseren eigenen Fall, sondern auch die Probleme anderer Gastwirte. Rund 90 Gastwirte haben das gleiche Problem wie ich. Während meines Protestes sind viele auf mich zugekommen und haben mir ihre Probleme geschildert", erklärt Gerhard Kaltscheuer. Mittlerweile hat Kaltscheuer seiner "Futterstube" nebst Lebensgefährtin den Rücken gekehrt. Er wird anderswo sein Glück versuchen. In der Hammerbrücker Gastwirtschaft schmausen die Gäste allerdings immer noch Schnitzel im XXL-Format.
