ZDF-Politbarometer 9/2011 Nr.2: Keine Pleite für Griechenland

Sympathien für die Piraten - ZDF/Forschungsgruppe Wahlen
Sympathien für die Piraten - ZDF/Forschungsgruppe Wahlen
Die Mehrheit der Bundesbürger will nicht, dass Griechenland pleite geht. Aber nach der Berlin-Wahl boomen die Piraten und finden 20 Prozent Zustimmung.

Erstmals hat die Piratenpartei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag den Einzug in ein Landesparlament geschafft. Nach den Ergebnissen des jüngsten und zweiten ZDF-Politbarometers könnten sich jetzt bundesweit insgesamt 19 Prozent vorstellen, die Piratenpartei zu wählen. Besonders große Lust, ihre Stimmen den Piraten zu geben, verspüren offensichtlich Anhänger der Linken mit 32 Prozent und der Grünen mit 18 Prozent.

Wenn nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären

Das gilt zwar nicht so sehr für die Bundestagswahlen, aber auch hier ist der Wahlerfolg der Piraten ablesbar. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, könnte die CDU/CSU 34 Prozent der Wählerstimmen auf sich verbuchen und die SPD käme auf 30 Prozent. FDP erhielte unverändert nur 4 Prozent und die Linke käme unverändert auf 6 Prozent. Die Grünen müssten Verluste von zwei Prozentpunkten hinnehmen und kämen nur noch auf 18 Prozent. Die Piraten würden glatte 4 Prozent erreichen und so viel Wählerstimmen auf sich vereinigen wie die anderen sonstigen Parteien zusammen.

Die Griechenland- und Euro-Krise

In jüngster Zeit wurde vielfach über die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands spekuliert. 50 Prozent der Bundesbürger möchten nicht, dass es die EU zuläßt, dass Griechenland Bankrott geht. 41 Prozent fänden eine Pleite der Griechen gut. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger (68 Prozent) glauben, dass ein Bankrott Griechenlands für Deutschland wirtschaftlich schlecht wäre, lediglich 15 Prozent meinen, dass es mit Deutschland aufwärts geht, wenn Griechenland in die Insolvenz geht.

Eigentlich konträr zu dieser Meinung lehnt wie schon vor zwei Wochen beim letzten ZDF-Politbarometer eine deutliche Mehrheit von 75 Prozent die Ausweitung des Euro-Rettungsschirmes nach wie vor ab. Die Ablehnung geht mit fast identisch großer Prozentzahl zwischen 82 (Piraten), 73 bei der SPD, 71 bei den Linken, 70 bei der CDU/CSU bis zu den Grünen (67) quer durch alle Parteien. Nur 19 Prozent sind für eine Erhöhung entsprechend der in der nächsten Woche im Deutschen Bundestag anstehenden Entscheidung zur Erweiterung des Euro-Rettungsschirmes. Sie wollen, dass die deutschen Bürgschaften für Kredite auf 211 Milliarden Euro erhöht werden.

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Die FDP und die wichtigsten Politiker

Die FDP hat bei der Wahl in Berlin zum fünften Mal in diesem Jahr bei einer Landtagswahl die Fünf-Prozent-Grenze nicht geschafft. Nur 22 Prozent der Befragten glauben, dass die FDP ihre Krise bald wieder überwinden kann. 73 Prozent sind nicht dieser Ansicht. Diese Einschätzung bekommt der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler besonders zu spüren, denn er ist in der Beliebtheitsskala der zehn beliebtesten Politiker noch weiter abgerutscht. Er bildet bei einer Bewertungsskala von +5 bis –5 mit einem Wert von –1,2 (vorher -0,7) das Schlusslicht vor Guido Westerwelle mit –1,8.

Unverändert (in Klammern die Werte des ersten Politbarometers aus Anfang September) auf Platz eins liegt weiterhin der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück mit einem Durchschnittswert von 1,5 (1,6). Auf Platz zwei folgt ihm Frank-Walter Steinmeier mit 1,4 (1,3) vor Wolfgang Schäuble mit 1,2 (1,3). Danach jeweils mit 1,1 Thomas de Maizière (1,3) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (1,3). Dann folgen Ursula von der Leyen mit 0,5 (0,6), Horst Seehofer mit 0,4 (neu) und ebenfalls mit 0,4 (0,4) Sigmar Gabriel. Erst dann kommt die FDP-„Nachhut“.

Koalitionskrise?

Am meisten Vertrauen wird beim Thema Euro-Krise und deren Bewältigung mit 29 Prozent am häufigsten der CDU/CSU gegeben. Danach folgen die SPD mit 23 Prozent, die FDP mit 3 Prozent, Linke mit 1 Prozent und die Grünen mit 2 Prozent. 14 Prozent glauben, dass dazu keine Partei mit ihren Politikern in der Lage ist. Völlig unausgegoren ist anscheinend eine Meinungsbildung zu der vermuteten Koalitionskrise, denn 68 Prozent glauben, daran hätten alle beteiligten Parteien Schuld. Und dennoch halten 16 Prozent die FDP für den Hauptschuldigen, 5 Prozent die CDU und nur 2 Prozent die CSU. Käme es wegen der Koalitionskrise zu vorgezogenen Neuwahlen, fänden das 47 Prozent gut und 46 Prozent nicht.

Die Umfragen zum Politbarometer wurden wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Interviewzeitraum war der 20. bis 22. September 2011 bei 1229 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten.

Quelle: Pressemeldung ZDF-Politbarometer

Bildnachweis: ZDF-Foto

Dieter Helmut, Dieter Helmut

Dieter Helmut - Dieter Helmut ist Jurist im Ruhestand und schreibt seit Dezember 2010 für suite101. Seine Themenschwerpunkte sind aktuelle ...

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