ZDF-Politbarometer "Extra" August 2011: Wahlen

Wenn Berlin jetzt wählen würde... - ZDF-Foto/Forschungsgruppe Wahlen
Wenn Berlin jetzt wählen würde... - ZDF-Foto/Forschungsgruppe Wahlen
Am 26. August veröffentlichte das ZDF eine Woche vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern und drei Wochen vor der Wahl in Berlin ein Extra-Politbarometer.

Danach zeichnet sich für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September und für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September ab, dass die SPD in beiden Ländern die freie Auswahl zwischen den möglichen Koalitionspartnern hat. In beiden Ländern schneiden die Spitzenkandidaten der SPD, Erwin Sellering und Klaus Wowereit in der Beliebtheitsskala am besten ab. Die Umfragewerte der vom 22. bis 25. August durchgeführten Befragung sind deutlich. Wenn am nächsten Sonntag gewählt würde, ergäbe sich folgendes Bild.

Die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin

Nach dem jetzigen Stand bekäme die SPD 33 Prozent vor den mit 20,5 Prozent gleichauf liegenden Parteien CDU und Grüne. Die Linke erhielte 10,5 Prozent. Die FDP käme mit 3,5 Prozent nicht in das Abgeordnetenhaus wie auch die NPD mit 3 Prozent und die Piratenpartei mit 4,5 Prozent. Diese Zahlen bedeuten rein rechnerisch, dass die SPD es sowohl mit der CDU als auch mit den Grünen und den Linken schaffen könnte. Rechnerisch nicht möglich erscheint nach diesen Zahlen die wiederholt in Expertenkreisen diskutierte schwarz-grüne Regierung. Bei den Wahlen 2006 erhielt die SPD 30,8 Prozent, die CDU 21,3 Prozent, die Linke 13,4 Prozent, die Grünen 13,1 Prozent und die FDP 7,6 Prozent der Wählerstimmen.

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Nach dem Stand der aktuellen Umfrage erhält die SPD 35 Prozent, die CDU 28 Prozent, die Linke 16,5 Prozent und die Grünen 8 Prozent. Auch hier würden alle anderen Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Die FDP erhielte 4 Prozent und die NPD 4,5 Prozent; für beide Parteien dürfte es am Wahltag eine Zitterpartie geben. Rein rechnerisch könnte die SPD eine Regierungsmehrheit zusammen mit der CDU oder mit den Linken bilden. Bei der Wahl 2006 erhielt die SPD 30,2 Prozent, die CDU 28,8 Prozent, die Linke 16,8 Prozent, die FDP 9,6 Prozent und die NPD 7,3 Prozent. 2006 erhielten die Grünen 3,4 Prozent. Mit ihren aktuellen Umfragewerten wären sie erstmals im Schweriner Landtag vertreten.

Deutlichere Veränderungen möglich als gewohnt

Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen weist in ihrem „Extra“ explizit darauf hin, das in den neuen Bundesländern die Bindungen an Parteien sehr viel schwächer ausgeprägt sind als in den alten Bundesländern. Deshalb seien auch kurzfristig noch deutliche Veränderungen möglich. Nach Meinung der Forschungsgruppe komme es entscheidend auf die Mobilisierungseffekte an, die die einzelnen Parteien noch hervorrufen können. In beiden Ländern sind sich nach der Umfrage jeweils 48 Prozent der Wähler noch nicht sicher, wie sie wählen werden. Dass sie überhaupt wählen werden, wissen in Mecklenburg-Vorpommern nur 51 Prozent und in Berlin 66 Prozent.

Die Spitzenkandidaten in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

Die Zahlen sind klarer als die bisherigen Prognosen. 49 Prozent wünschen sich weiter Klaus Wowereit (SPD) als Regierenden Bürgermeister, 22 Prozent Renate Künast von den Grünen und Frank Henkel (CDU9 18 Prozent. In der Beliebtheitsskala (von +5 bis –5) liegt der Wert von Wowereit mit 1,2 im nicht überragenden Bereich, aber deutlich vor Künast mit 0,3 und Henkel mit –0,3. Eine rot-grüne Koalition wird mehrheitlich befürwortet.

In Mecklenburg-Vorpommern wünschen sich 62 Prozent den Amtsinhaber Erwin Sellering (SPD) als Ministerpräsidenten. Er liegt deutlich vor seinem Herausforderer Lorenz Caffier (CDU), den lediglich 15 Prozent lieber als Regierungschef sehen würden. Bei der Einstufung auf der +5/-5-Skala erhält Sellering einen sehr guten Wert von 2,1, Caffier kommt auf 0,8 und der Spitzenkandidat der Linken, Helmut Holter, wird mit 0,1 bewertet.

Die Fortführung der bisherigen Regierungskoalition aus SPD und CDU fänden 45 Prozent gut und 25 Prozent schlecht, aber eine Koalition aus SPD und Linke finden nur 29 Prozent gut, aber 44 Prozent schlecht.

Vergleiche mit den Zahlen des Politbarometers aus dem August sind nicht möglich, das sich dieses „Extra“ allein auf Berlin und Mecklenburg-Vorpommern bezieht.

Quelle: ZDF-Politbarometer „Extra“ - Pressemeldung

Bildnachweis: © ZDF-Foto/Forschungsgruppe Wahlen

Dieter Helmut, Dieter Helmut

Dieter Helmut - Dieter Helmut ist Jurist im Ruhestand und schreibt seit Dezember 2010 für suite101. Seine Themenschwerpunkte sind aktuelle ...

rss