
- Wenn nächsten Sonntag in Berlin gewählt würde... - ZDF/Forschungsgruppe Wahlen
Wie immer vor Wahlen hat das ZDF bei der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim den Auftrag zu einem Politbarometer erteilt. Die Umfrage zu diesem „Politbarometer Extra Berlin“ geschah zwischen dem 5. und 8. September 2011 unter 1492 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch durch Interviews. 10 bis 13 Tage vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin zeichnen sich in der Befragung als klare Sieger der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und die SPD ab. Wowereit hätte sowohl mit den Grünen als auch der CDU zwei potenzielle Koalitionspartner zur Auswahl.
Die Aussichten für die Parteien
Wenn schon am 11. September gewählt werden würde, dann käme die SPD auf 32 Prozent, die CDU auf 21 Prozent, die Grünen würden mit 19,5 Prozent knapp hinter der CDU landen, die Linke erhielte11 Prozent, die FDP 3 Prozent und die Piratenpartei 5,5 Prozent. Bei der letzten Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im Jahre 2006 erhielt die SPD mit 30,8 Prozent der Stimmen 1,2 Prozent weniger als jetzt für 2011 prognostiziert. Die CDU würde in etwa das gleiche Ergebnis einfahren als 2006 mit 21,3 Prozent. Die Linke würde jetzt 2,4 Prozent weniger Stimmen erhalten als 2006 mit 13,4 Prozent. Die Grünen würden sich gewaltig von 13,1 Prozent auf 19,5 Prozent verbessern. Die FDP erhielt 2006 noch 7,6 Prozent. Es kommt deutlich auf die Piratenpartei an: Schafft sie den Sprung ins Abgeordnetenhaus, wäre eine Koalition der SPD mit der CDU oder den Grünen denkbar. Schafft sie den Sprung nicht und bleibt unter der Fünf-Prozent-Hürde, wäre für die SPD auch das Wiederaufleben der bisherigen rot-rot Koalition mit den Linken denkbar.
44 Prozent noch unentschlossen
Diese eigentlich sehr genau bezifferten Prozentzahlen sollen und können aber dennoch nach Aussagen der Forschungsgruppe Wahlen keine Prognose für den Wahlausgang am 18. September 2011 in Berlin sein. Sie geben lediglich die Stimmung der wahlberechtigten Bevölkerung zwischen dem 5. und 8. September sein. Zum einen bestünden in einer Großstadt wie Berlin weit weniger feste Bindungen an Parteien, zum anderen wussten zur Zeit der Umfrage noch 44 Prozent der Wähler nicht, wen sie wählen wollen oder ob sie überhaupt zur Wahl gehen werden. Deshalb seien wegen des städtischen Mobilisierungseffektes noch in der Woche direkt vor der Wahl deutliche Veränderungen möglich. Außerdem ist die zuletzt wie in Mecklenburg-Vorpommern extrem niedrige Wahlbeteiligung eine Möglichkeit aller Parteien, eigene Wähler möglichst zahlreich an die Urnen zu rufen und gut abzuschneiden.
Die Kandidaten
Eine Mehrheit der Wähler von 52 Prozent wünscht sich den seit 2001 Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nach wie vor als Regierungschef. Er hat zwei ernsthafte Herausforderer als Spitzenkandidaten, nämlich Renate Künast von den Grünen und Frank Henkel von der CDU. 20 Prozent sind für Künast und 17 Prozent für Henkel.. Noch vor einem Monat im August sahen die Prozentzahlen wie folgt aus: Wowereit 49 Prozent, Künast 22 Prozent und Henkel 17 Prozent. Nur innerhalb eines Monats konnte Wowereit Frau Künast zwei von drei Prozenten wegnehmen und sich gutschreiben.
Die wichtigsten Themen
Am meisten diskutiert wird in Berlin während des Wahlkampfes das Thema "Bildung und Schule", dem 30 Prozent der Wähler den Vorrang geben. 24 Prozent der Wähler trauen der SPD zu, hier am meisten etwas zu bewegen.Danach kommt der Themenbereich "Kriminalität, Gewalt, öffentliche Ordnung" mit 26 Prozent. Hier sprechen die Wähler der CDU mit 26 Prozent am meisten Kompetenz zu. Erst danach folgt – in Berlin verwunderlich – auf Platz drei das Thema "Arbeitslosigkeit" mit 24 Prozent, die erfolgreich zu bekämpfen 28 Prozent der Wähler der SPD am meisten zutrauen.
Koalitionen
Eine Koalition aus SPD und Grünen wird mehrheitlich mit 50 Prozent gewünscht und von 31 Prozent abgelehnt. Eine Rot-Schwarze Koalition begrüßen nur 33 Prozent, aber 48 Prozent lehnen diese ab. Am wenigsten Zustimmung gibt es für eine Koalition aus SPD und Linken: Gut fänden das 28 Prozent und schlecht 49 Prozent. Aber bei der Koalitionsfrage und der Sitzverteilung kommt es darauf an, ob die Piraten ins Abgeordnetenhaus einziehen oder nicht.
Quelle: ZDF-Pressemeldung
Bildnachweis: © ZDF/Forschungsgruppe Wahlen
