Die bei der Landtagswahl 2012 zu erwartenden Mehrheitsverhältnisse im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein bleiben weiterhin unklar, denn CDU und SPD liegen gleichauf. Bei den Landtagswahlen im Jahr 2009 erhielten die CDU 31,5 Prozent, die SPD 25,4 Prozent, die FDP 14,9 Prozent, Bündnis 90 / Die Grünen 12,4 Prozent, Die Linke 6,0 Prozent und der Südschleswigsche Wählerverband SSW als von der Fünf-Prozent-Klausel befreite Partei der dänischen Minderheit 4,3 Prozent.

Wenn Sonntag Wahlen wären,...

...dann kämen die Parteien auf folgende Ergebnisse: Die CDU und die SPD kämen auf jeweils 31 Prozent. Die Grünen würden ihr Wahlergebnis von 2009 fast auf den Punkt mit jetzt 12,5 Prozent wiederholen. Die Piraten kämen mit 9 Prozent der Wählerstimmen erstmals in den schleswig-holsteinischen Landtag und die FDP würde mit sieben Prozent den Wiedereinzug schaffen. Der SSW käme auf 4 Prozent. Aber die Forschungsgruppe Wahlen geht gerade bei Landtagswahlen von starken Mobilisierungseffekten in den Tagen kurz vor der Wahl aus. Dem Mobilisierungseffekt kommt nach Auffassung der Forschungsgruppe Wahlen deshalb eine große Bedeutung zu, weil sie von einer niedrigen Wahlbeteiligung ausgeht.

Kaum Veränderungen gegenüber früheren Umfragen

Gegenüber den Umfragen des Norddeutschen Rundfunks vom 19. und 12. April mussten die Piraten zwei Prozentpunkte nachgeben und die SPD einen Prozentpunkt, während die FDP weitere zwei Prozentpunkte von fünf auf sieben für sich verbuchen konnte. Der Rückgang bei den Piraten ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass sie ihr Wahlkampfprogramm für Schleswig-Holstein in Baden-Württemberg abgeschrieben haben und es jetzt in vielen Punkten nicht für Schleswig-Holstein passt. Trotzdem dürfte der Bundestrend der Piraten ungebrochen sein.

Zur Zeit sind sich 40 Prozent der Wähler noch nicht sicher, wen und ob sie wählen wollen Die Interviews wurden in der Zeit vom 23. bis 26. April 2012 unter 1003 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Schleswig-Holstein telefonisch erhoben

Welche Koalitionen sind möglich?

Denkbar sind aufgrund der Ergebnisse des ZDF-Politbarometers Extra Schleswig-Holstein neben einer großen Koalition aus CDU und SPD zwei Drei-Parteien-Koalitionen aus CDU/Grünen/FDP oder SPD/Grünen/FDP. Rot/grün, schwarz/gelb oder schwarz/grün könnten keine Mehrheit herstellen. Eine mögliche Option, die aufgrund der Umfrage aber noch nicht genau abzusehen ist, ergäbe sich aus rot/grün zusammen mit dem SSW, der als Minderheitenpartei von der Fünf-Prozent-Klausel befreit ist.

Die beliebtesten Politiker in Schleswig-Holstein

Die auf Bundesebene sehr beliebte Übersicht hat für Schleswig-Holstein wenig Aussagekraft, weil sich jeweils knapp ein Drittel der Befragten kein Urteil über die Spitzenkandidaten von CDU und SPD zutraut und mehr als die Hälfte mangels Bekanntheit nichts über den Spitzenvertreter der Grünen sagen kann.. Allein bei Wolfgang Kubicki trauen sich 85 Prozent ein Urteil zu. Das ist auch spürbar bei der Frage der Bewertung der Arbeit der FDP und der Arbeit von Wolfgang Kubicki: Kubicki schneidet mit einem Wert von +0,5 relativ gut ab im Vergleich zu seiner Partei mit –1,1. Zur Vervollständigung dieser Informationen hier noch die Werte der anderen Politiker: Torsten Albig (SPD) kommt auf 1,8, Jost de Jager (CDU) auf 1,2, und Robert Habeck (Grüne) auf 1,3.

Die Vermutung liegt nahe, dass die FDP das Erreichen der 5-Prozent Hürde fast ausschließlich dem Spitzenkandidaten Wolfgang Kubicki zu verdanken hätte.

Wer soll Ministerpräsident werden?

Die Beantwortung dieser Frage fällt ebenso wie die nach den beliebtesten Politikern unter die Rubrik „Kenne ich nicht, weiß ich nicht, keine Angaben“. Zwar erhält der SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig 44 Prozent vor seinem CDU-Konkurrenten Jost de Jager, der für Christian von Boetticher angetreten ist, mit 29 Prozent, andererseits machen 200 der rund 1000 befragten Personen überhaupt keine Angaben, weil sie einen oder beide Kandidaten nicht kennen. Aber so ist das nun einmal, wenn keine Wiederwahl ansteht, sondern zwei Spitzenkandidaten erstmalig ins Rennen gehen.

Die Wahlkampfthemen und die Kompetenz dazu

Die Position Nummer 1 nimmt unter den wichtigsten Themen der Bereich "Schule und Bildung" ein. Dieser Themenkomplex wurde zu 35 Prozent genannt. Danach folgen fast gleichrangig die Themen „Verschuldung und Finanzen" mit 25 Prozent und „Arbeitslosigkeit" mit 24 Prozent.

Beim Thema „Schule und Bildung“ glauben 34 Prozent der Wähler, dass die SPD hier mehr Kompetenz besitzt im Gegensatz zur CDU mit 22 Prozent. Bei der Finanzkompetenz geht führt die CDU klar mit 36 Prozent vor der SPD mit 26 Prozent. Bei der Kompetenz zur Schaffung von Arbeitsplätzen liegt die CDU mit 35 Prozent ebenfalls vor der SPD mit 29 Prozent

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