Das am 15. Juli 2011 veröffentlichte ZDF-Politbarometer bestätigt einen bereits länger anhaltenden Trend. Die Schuldenkrise mehrerer europäischer Staaten hat zur Folge, dass sich immer mehr Deutsche Sorgen um die Stabilität der europäischen Gemeinschaftswährung machen. Dieses Thema liegt den Bundesbürgern zur Zeit besonders am Herzen. Mit 33 Prozent rangiert die schwelende Eurokrise auf Platz eins der wichtigsten Probleme in Deutschland. Weitere Ergebnisse des aktuellen Politbarometers erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Eurokrise rangiert aktuell auf Platz eins der wichtigsten Probleme

Dass das Vertrauen der Bundesbürger in den Euro weiter im Schwinden begriffen ist, kann angesichts der schwelenden Schuldenkrise mehrerer europäischer Länder kaum verwundern. Immerhin 86 Prozent sehen inzwischen eine Gefahr für die Stabilität ihres Geldes. Für 33 Prozent rangiert die Eurokrise sogar an erster Stelle der Probleme. Mit 22 Prozent folgen die Themen Arbeitslosigkeit, Verschuldung (11 Prozent) sowie Atomkraft (10 Prozent). Mit dem bisherigen Krisenmanagement der Europäischen Union in Sachen Währungsstabilität sind 53 Prozent unzufrieden. Mit 35 Prozent ist nur eine Minderheit der Meinung, dass die EU hier einen guten Job macht. Immerhin 12 Prozent wissen nicht so recht, wie sie das EU-Krisenmanagement einschätzen sollen.

Besondere Ängste hat in dieser Woche die hohe Verschuldung Italiens ausgelöst, die 68 Prozent der befragten Bundesbürger als große oder sogar sehr große Gefahr für die Euro-Stabilität einstufen. Mit 58 Prozent lehnt die Mehrheit der Deutschen darüber hinaus weitere milliardenschwere Finanzhilfen für den Beinahe-Pleitier Griechenland ab. Den weiteren Verbleib Griechenlands in der Eurozone befürworteten lediglich 47 Prozent. Spanien genießt dagegen mit 77 Prozent, Italien mit 73 Prozent und Portugal mit 68 Prozent eine weitaus größere Akzeptanz. Haben die Griechen in den letzten Monaten den (Finanz-)Bogen überspannt?

Eine Mehrheit der Bundesbürger spricht sich für Steuersenkungen aus

Die Bürger wurden auch zum Thema Steuersenkungen befragt, die die Bundesregierung ab dem Jahr 2012 für kleine und mittlere Einkommen plant. 69 Prozent halten diese Pläne für richtig. Eine Minderheit von 28 Prozent sprach sich gegen Steuersenkungen aus. Interessant in diesem Zusammenhang: 80 Prozent gehen nicht davon aus, dass es überhaupt zu Steuersenkungen kommen wird. Lediglich 17 Prozent halten die angedachten Pläne der Regierung für realistisch. Große Einigkeit besteht darüber, dass die aktuellen Steuermehreinnahmen vor allem für den Schuldenabbau verwendet werden sollen. Hierfür votierten 62 Prozent der Befragten, während nur 28 Prozent in erster Linie auf Steuersenkungen setzen.

Die repräsentative Umfrage des ZDF-Politbarometers wurde von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 12. bis 14. Juli 2011 bei 1.273 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch durchgeführt. Sie findet jeden Monat statt und ermittelt auch die Daten zur aktuellen politischen Stimmung. Demnach würde die CDU/CSU ebenso wie die SPD derzeit auf 32 Prozent der Stimmen kommen, die FDP auf 3 Prozent, die Grünen auf 24 Prozent und die Linke auf 6 Prozent. Der beliebteste Politiker ist derzeit Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, gefolgt von Wolfgang Schäuble und Frank-Walter Steinmeier. Deutliche Einbußen muss dagegen Bundeskanzlerin Merkel verzeichnen. Im Abwärtstrend liegen auch die Minister Philipp Rösler und Guido Westerwelle. Als Kanzlerkandidat der SPD konnte Frank-Walter Steinmeier mit 36 Prozent Zustimmung Platz eins erobern, gefolgt von Peer Steinbrück, der 33 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte. Weit abgeschlagen dagegen der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, den sich nur 13 Prozent als Kanzlerkandidat vorstellen können.

Quelle: ZDF-Politbarometer vom Juli 2011