ZDF und Elke Heidenreich: Ein armseliges Ende

Der Fernsehsender trennt sich von der „Lesen!“-Moderatorin

Nach dem Eklat beim Deutschen Fernsehpreis 2008 muss Elke Heidenreich die Kollateralschäden ihrer offenen Kritik ertragen: Die Zusammenarbeit mit dem ZDF ist beendet.

Die Kritik des Literaturpapstes Marcel Reich-Ranicki am deutschen Fernsehprogramm hat hohe Wellen geschlagen. Elke Heidenreich, Journalistin und Ex-ZDF-Moderatorin hatte, vermutlich zur Verteidigung Reich-Ranickis, ebenfalls sehr harte Worte übrig. Insbesondere das ZDF, der Sender ihrer „Lesen!“-Show, war Ziel ihrer verbalen Attacken. Am Donnerstag (23.10.2008) erhielt sie nun die Ernte ihrer aufbrausenden Saat und wurde von dem Mainzer Fernsehsender gekündigt.

Gerechter Zorn?

Am 12.Oktober 2008, kurz nach der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises, begann das Vorspiel, das schlussendlich zum Rauswurf Heidenreichs geführt hat. Sie schreibt einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der alles andere als galant mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem deutschen Fernsehen an sich umgeht. Sätze wie: „Wie jämmerlich die dargebotenen Produkte und Arbeiten in der Mehrzahl waren, wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich“, tragen nicht dazu bei, dass sich das ZDF noch sonderlich wohl in seiner Haut fühlt. Trauriger Höhepunkt des Artikels sind deutliche Worte: „Man schämt sich, in so einem Sender zu arbeiten“. Der gesamte Artikel ähnelt eher einer großen Abrechnung mit dem ZDF und vieler ihrer Kollegen waren sich schon zu diesem Zeitpunkt sicher, dass das ZDF sich so etwas nicht bieten lässt. Von Thomas Gottschalk, der in ihrem Artikel ebenfalls nicht sonderlich gut abschneidet, kommt allerdings keine Reaktion.

Am 19.Oktober 2008 schreibt Frau Heidenreich dann einen erneuten Artikel in der FAZ, in dem sie bekannt gibt, dass das ZDF ihr nahe gelegt hat, ihre Sendung „Lesen!“ zu beenden. Folgend ihrer vorangegangenen „Kampfesrede“, sieht sie aber selbst wenig Veranlassung, dieser Aufforderung nachzukommen. Sie selbst bezeichnet ihre Sendung als zu wichtig, um sie abzusetzen. Es erhärtet sich der Eindruck, dass jede Sendung im Fernsehen, abgesehen von „Lesen!“, der Armseligkeit anheim fällt.

Die Gedanken Reich-Ranickis

Marcel Reich-Ranicki, von dem man annehmen sollte, dass er sich, ob der Verteidigung Elke Heidenreichs, geschmeichelt fühlt, findet allerdings ebenfalls sehr deutliche Worte. Insbesondere zu den Aussagen Heidenreichs über Thomas Gottschalk, scheint der Literaturkritiker mehr als erbost zu sein. So sagt er: „Thomas als dumm hinzustellen, ist eine Unverschämtheit. Elke hat sich miserabel benommen. Sie hat noch intrigiert. Sie wollte, dass man Thomas meine Laudatio wegnimmt, um sie selbst zu halten“. Auch in früheren Aussagen von Marcel Reich-Ranicki kommt das gespaltene Verhältnis zu Tage, das er mit Elke Heidenreich hat. In Folge dessen drängt sich die Frage auf, ob die Kritik, die einem „Um-sich-Schlagens“ doch sehr ähnelt, wirklich nur zu Tage trat, um Marcel Reich-Ranicki zu verteidigen oder ob es doch andere Gründe gab.

Promotion

Erst im Juli dieses Jahres gab Elke Heidenreich bekannt, dass sie, gemeinsam mit Karl Heinz Pütz (Verlagsleiter Random House Audio) einen eigenen, auf Musik spezialisierten Verlag an den Start bringt. Die ersten Titel sollen im Herbst 2009 erscheinen. Im Licht dieser Tatsache kann man die offene Kritik der zukünftigen Verlegerin in einer vollkommen anderen Perspektive sehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Publicity, welcher Art auch immer, dazu genutzt wurde, um die eigenen Umsätze anzukurbeln. Bei dem hohen Niveau, das bisherige Projekte Elke Heidenreichs hatten, scheint eine derartige Kampagne jedoch ausgeschlossen.

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

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