
- Zeche Roland um 1925: Thomsonbock (l.), Halde (r.) - www.oberhausen-rheinland.de
Im Jahre 1841 stieß eine Bohrgesellschaft in der Bauernschaft Dümpten, vier Kilometer nördlich der Stadt Mülheim und drei Kilometer südöstlich der blutjungen Eisenbahnsiedlung Oberhausen, auf Steinkohle. Die Gesellschaft ließ sich vom Bergamt Werden einen Schürfschein ausstellen und gab Kuxe (Anteilsscheine) aus, die unter 24 Personen verkauft wurden. Das durch den Verkauf der Kuxe eingenommene Geld sollte zur Anlage eines Steinkohlebergwerks verwendet werden. Je mehr Kuxe jemand besaß, umso größere Besitz- und Mitspracherechte besaß der „Gewerke“, wie es im Bergbau fachmännisch heißt.
Mathias Rohland: Ein Gutsbesitzer zahlte die Zeche
Größter Anteilseigner der „Gewerkschaft Immanuel“ (so sollte die Zeche ursprünglich heißen) war der bekannte Industrie-Pionier Franz Haniel aus Ruhrort mit 24 Kuxen. Aber auch der Gutsbesitzer Mathias Rohland aus Dümpten hatte zehn Kuxe erworben. Anders als viele Zeitgenossen, die sich noch lange gegen Landkäufe durch den Bergbau wehrten, hatte Rohland die Zeichen der Zeit erkannt: Der Gutsbesitzer verkaufte an die Zeche das benötigte Areal, um die Tagesanlagen der Zeche bauen und den Schacht abteufen zu können, und ließ sich dafür unter anderem mit besagten Kuxen bezahlen, die eines schönen Tages einen satten Gewinn abwerfen mochten. Ihm zu Ehren wurde die Gesellschaft in „Ver. Rohland und Immanuel“ umbenannt.
Die Arbeiten am Schacht auf dem „Dümptener Kamp“, unweit des Weges nach Oberhausen, haben 1847 angefangen und gestalteten sich schwierig: Schon ab 18 Metern Tiefe wurden die Zuflüsse des Grundwassers so stark, dass der Schacht ausgemauert und die Dampfmaschine zur Wasserhaltung, von Franz Haniel geliefert, früher als vorgesehen installiert werden musste. Trotz allem soff der Schacht völlig ab, und erst fünf Jahre später erreichte ein zweiter Schacht das Karbon.
Statt satter Gewinne mussten die „Gewerken“ also erst einmal kräftig investieren, jeder nach seinem Anteil. Auch Mathias Rohland mit seinen zehn Kuxen musste mit einem ordentlichen Anteil „die Zeche bezahlen“ - daher der Ausdruck Zeche für Kohlegrube. Als Trostpflaster trug das Bergwerk fortan den Namen „Vereinigte Rohland“. Nach 1866 änderte sich die Schreibweise in „Roland“, vielleicht weil es öfter Schwierigkeiten mit der Schreibweise gegeben hatte.
Zeche Roland: Werdegang eines Bergwerks
Im Jahre 1858 war eine Tiefe von 160 Metern erreicht, der Kohleabbau erfolgte bereits auf zwei Sohlen. Die Fachleute der ersten Stunde (Hauer, Steiger, Grubenbeamte) wurden von den kleinen Zechen im Ruhrtal angeworben, die just zu jener Zeit in ihre erste Krise geraten waren. Bald schon arbeiteten vierhundert Männer auf „Zeche Roland“.
Da die Grubengänge sich recht schnell ausdehnten, musste schon bald ein Wetterschacht gegraben werden. Da das Grubenfeld eher klein bemessen war, grub sich die Zeche rasch in die Tiefe: 1870 war der Schacht schon 250 Meter tief, 1897 gar noch einmal hundert Meter tiefer.
Auch der Kohletransport änderte sich rasch: War die geförderte Kohle zuerst noch auf der alten Pferdebahn der benachbarten Zeche Sellerbeck zum Ruhrhafen bei Mülheim transportiert worden, ging es ab 1863 mit Lokomotiven zum Hauptbahnhof in Oberhausen: Die Eisenbahn lief den Kähnen auf der Ruhr den Rang ab.
Besitzerwechsel, Modernisierung und ein Tomson-Bock
Im Jahre 1897 kaufte die in Ruhrort beheimatete „Bergbau- und Schiffahrts-Aktiengesellschaft, vorm. Gebrüder Kannengießer“ sämtliche Kuxe der Zeche und löste die „Gewerkschaft Ver. Roland“ auf, um die Grube fortan als Teil dieser Aktiengesellschaft zu betreiben. - Sieben Jahre später wiederum, 1904, wurden die Kannengießer-Aktien ihrerseits en gros ausgekauft, und die komplette Firma samt Zeche Roland gehörten fortan der Harpener Bergbau AG (just in diesen Jahren müssen die Außenbezirke der Stadt Oberhausen den Stadtrand erreicht haben; auf dem Stadtplan von 1911 – seit 1910 gehörte der Norden von Dümpten zu Oberhausen – ist der bebaute Straßenzug neben der Zeche als „Harpener Straße“ ausgewiesen).
Der damals größte Konzern des Ruhrbergbaus beförderte die kleine Zeche auch technisch ins 20. Jahrhundert: Bewetterung und Entwässerung wurden auf Elektrizität umgestellt und eine Brikettfabrik gebaut. Auch der einst kläglich abgesoffene erste Schacht wurde nun auf die Kohle niedergebracht – die Betriebsaufnahme erfolgte 1920, dank des Ersten Weltkrieges. Nach dessen Ende wurde auch der Kohle-Abbau selbst auf moderne Apparate (Kettenförderung, Flottmann-Hämmer u. Ä.) umgestellt.
Über Schacht 2 entstand übrigens ein Tomson-Bock – jene Abart des englischen Fördergerüstes, das ein Markenzeichen der Harpener Bergbau AG war und immer ein wenig so aussah wie versehentlich ineinander gerutscht. Da die allermeisten Tomson-Böcke bereits ein halbes Jahrhundert vorher gebaut worden waren, dürfte der Nachzügler auf Zeche Roland der letzte seiner Art gewesen sein.
Stilllegung, (k)eine zweite Chance und Spurensuche
All das rettete die Zeche Roland jedoch nicht vor dem jähen „Aus“: 1928 wurde sie stillgelegt, weil sie schlicht unrentabel geworden war – die Konzerne konzentrierten die Kohleförderung auf ihre großen Anlagen, weil sie nach dem verlorenen Krieg schlicht nicht mehr so viel Kohle verkaufen konnten. Bis 1937 blieb die Schachtanlage stehen, weil man lange auf eine Wiederinbetriebnahme spekulierte – dann kamen die Abbruchbirnen. Nur das Verwaltungsgebäude blieb stehen, es diente bis 1945 als Polizeikaserne (andere tote Zechen dienten im NS-Staat sogar als "wildes KZ")...
Eine Wiederauferstehung hätte es beinahe in den 50er Jahren gegeben. Die Zeche Concordia wollte „Roland 2“ als Außenschachtanlage nutzen und ließ hierfür ein neues, modernes Fördergerüst errichten. Die Kohlekrise ab 1958 sorgte aber dafür, dass Roland nie mehr in Betrieb ging.
Heute ist das Areal der Zeche Roland noch leicht auszumachen: An der Straße „Dümptener Kamp“ stehen noch ein paar verbliebene Gebäude als Teil eines Gewerbegebiets. Die alte Abraumhalde ist in einem Park aufgegangen. Dazwischen, dem Verlauf der Zechenbahn folgend, führt die Danziger Straße als Hauptverkehrsader in Richtung Oberhausen Hauptbahnhof.
Literatur: W. & G. Hermann: „Die Alten Zechen an der Ruhr“, 4. Auflage Königstein 1995;
Internet: Oberhausen im Rheinland über die Zeche Roland.
Foto: © Internetseite oberhausen-rheinland
