
- Sonnenrad: Riesenrad in der Kokerei Zollverein - Martin Merz
Mitten im Ruhrgebiet, im Essener Norden. Weltkulturerbe. Schon immer eine Schönheit. Heute das Symbol des Reviers schlechthin: Ein fantasievoller Riese, randvoll gefüllt mit neuem Leben in denkmalgeschützten Gebäuden. Eine erste Annäherung an ein Wahrzeichen:
Zeche Zollverein: Bauhaus und Strukturwandel
Am 31. August 2002 wurde der Essener Industriekomplex Zeche und Kokerei Zollverein offiziell zum Weltkulturerbe erklärt. Seit diesem Tag reiht sich Zollverein in die Liste des UNESCO-Welterbes der Menschheit ein, auf der sich so bedeutende Bauwerke wie das Bauhaus-Gebäude in Dessau oder das Taj Mahal finden.
Die schönste Zeche der Welt. Überwältigend, imposant, gigantisch. "Eine Stadt in der Stadt". Ein einzigartiges Gesamtkunstwerk.
Industriekulturstätten: Neue Perspektiven von Zeche und Kokerei
Zollverein besteht aus zwei Teilen, einmal dem eigentlichen Weltkulturerbe Zeche Zollverein mit dem bekannten Fördergerüst von Schacht XII und der Kokerei Zollverein.
Wie an allen Industriekulturstätten hat man sich bei der jetzigen Gestaltung ein wenig mehr (oder zumindest Anderes) gedacht als die Architekten der früheren Anlagen, obwohl Zollverein in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts explizit auch nach ästhetischen Gesichtspunkten angelegt wurde.
Daher lohnt es sich, nicht einfach nur übers Gelände zu schlendern - nach oben, links, rechts, hinten zu schauen eröffnet meist ganz neue Ansichten und Sichtweisen. Wie alle Industriekultur-Stätten ist auch Zollverein eine Landschaft ungewöhnlicher und vor allem wechselnder Perspektiven.
Industrie-Geschichte: Führungen auf Zollverein
Und dann ist da die Industrie-Geschichte: Ohne die Führungen (auf der Zeche täglich, in der Kokerei leider nur am Wochenende) verpasst man das Interessanteste der versteckten oder nicht auf den ersten Blick ersichtlichen Attraktionen von Zollverein! Für Kinder sind die Standard-Führungen wahrscheinlich etwas langweilig, aber es gibt extra Kinder-Rallies und Familienangebote, die der ganzen Familie Spaß machen (am besten mit Anmeldung: Tel. 0201 246810).
Freibad an der Kokerei Zollverein
Bei heißem Wetter ist das planschbeckengroße, winzige "Werksfreibad" auf der Kokerei (direkt hinter dem Infopoint am Biergarten) In-Treff (oder Verlobungssofa) der Katernberger Jugend und offenbar inzwischen auch touristischer Anziehungspunkt: Ganze Reisebusse vollgeladen mit Kulturbeflissenen aus aller Welt steigen zum Beckenrand, um sich anzuschauen, wie man so im Pott die Sommerferien verbringt (wahrscheinlich wird dabei dann auch noch das Vorurteil bestätigt, dass das Ruhrgebiet so arm ist, dass die Kinder hier nur in "heruntergekommenen" Fabriken und ausgedienten, wasserbefüllten Containern spielen können …).
Natürlich war das nie ein Werksfreibad: Das Ganze ist ein gelungener Gag (das heißt im offiziellen Slang: ein Kunstwerk) der Zollverein-Designer. Bei laufender Kokerei wäre das Wasser schwarz gewesen, so wie Häuser, Wäsche und Gärten bis in die 1980er Jahre hinein im Essener Norden von Kohlenstaub bedeckt waren.
Die Wohnlage nah der Zeche und Kokerei Zollverein war damals eine der schlechtesten im Revier. Das wird einem spätestens klar bei der Kokerei-Führung, die ein großes Ausrufezeichen erhält und für viele noch spannender ist als die der Zeche durch die Kohlenwäsche).
Kokerei: Riesenrad, Eisbahn und der Palace of Projects
Heute ist das alles Kultur- und Freizeitpark: Toll ist im Sommer das Riesenrad, das in die Kokerei versenkt ist, oder das Open-Air-Kino vor der Kulisse der Kokereibatterien. Im Winter gibt es zwischen Schornsteinen und Koksöfen eine Eisbahn. Im ehemaligen Salzlager befindet sich der Palace of Projects, ein Schneckenhaus als Sammelsurium skurriler Ideen, die sich um alle möglichen Vorhaben, dreht, zum Beispiel Weltverbesserungsprojekte (siehe Fotos unten).
Café und Restaurant auf Zollverein
Ein außergewöhnliches Ambiente hat die Gastronomie, sowohl das Casino auf dem Zechengelände wie auch das Kokerei-Café; beide bieten ausgezeichnete Küche, allerdings auch zu entsprechendem Preis. Der Ruhrpott-Wirklichkeit näher ist außerhalb des Zollverein-Geländes neben dem Haupteingang (am Discounter/Netto-Parkplatz) das Restaurant "Am Förderturm" mit gewohnt gemischt-internationaler Küche, aber auch einer netten Terrasse.
Weißer Kubus SANAA
Das SANAA ist ein herrlich-modernes Gebäude: der an den Bauhaus-Stil angelehnte helle Betonwürfel mit verwirrenden Öffnungen – vertikal und horizontal und in der Größe und Form unregelmäßig angeordneten Fenstern (siehe Foto). Über die Architektur des SANAA-Gebäudes kann man sich trefflich streiten, es mal angucken sollte man aber dafür auf jeden Fall!
Der weiße SANAA-Kubus war ursprünglich für eine private Business-Hochschule "Zollverein School of Management and Design" vorgesehen, die jedoch zu teuer und am Bedarf vorbei designt war und deshalb in Ansätzen stecken blieb. Mangels anderen Interessenten wurde er 2010 von der Folkwang-Universität der Künste übernommen und wird - man höre und staune, denn es handelt sich um ein brandneues Gebäude von 2006 - "ertüchtigt" (so das offizielle Sanierungsdeutsch), genauer energetisch saniert, da es den Vorgaben nicht entsprach und/oder dafür Fördermittel flossen. Ein Skandal in jedem Fall.
Eintauchen in die Zollverein-Welt
Eintauchen also in die Zollverein-Welt: Trendiges im red dot design museum, ein Parcour für Soccer-Golf (eine Kombination aus Fußball und Minigolf), Skulpturenpark, Industriegeschichte, Lichtinstallationen, düsterstaubige Gänge, Spaziergänge zwischen Schornsteinen und winzigem Freibad, Ruhrmuseum, Designmuseum ... Eine Ästhetik ganz eigener Art (siehe Fotos unten).
- Adresse: Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen.
- Anfahrt mit dem ÖPNV: Ganz einfach mit der Straßenbahn 107 vom Hauptbahnhof Essen aus oder mit dem Regionalexpress oder der S-Bahn bis Bahnhof Zollverein-Nord fahren - da ist man auch in 5 Fuß-Minuten auf dem Zollverein-Gelände.
- Eintrittspreise: Das gesamte Gelände kann kostenlos betreten und genutzt werden. Die industriekundlich hergerichteten inneren Räumlichkeiten sind allerdings nur bei den (kostenpflichtigen) Führungen zu besichtigen. Weitere Infos & Lageplan.
