Zehn Übungen, die die Lautbildung bei Kindern spielerisch fördern

Spielend sprechen lernen! - by_knipseline_pixelio.de
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Hören, Wahrnehmung, Artikulation, Magie: Was die Lautbildung im Spracherwerb eines Kindes fördert

Um Sprache zu erlernen, müssen Kinder in ihren ersten vier bis fünf Lebensjahren viele unterschiedliche Laute und Lautkombinationen hören, ausprobieren und sich darin üben, sie geschickt zu beherrschen. Darüber hinaus formen diese Laute sich dann schließlich zu sinnvollen Worten, gefüllt mit Fragen, Emotionen und spannenden Erfahrungen. Wenn also die Laute am Anfang stehen, sind sie enorm wichtig für den weiteren Spracherwerb. Wie kann die natürliche Neugierde des Kindes an Lautspielen und -entdeckungen also geweckt werden?

Am Anfang war das Hören

Wenn das Kind nichts oder zu wenig hört, weil es vielleicht erkältet ist - dann herrscht oft Unterdruck in der Paukenhöhle im Mittelohr und der natürliche "Schallverstärker", nämlich die Gehörknöchelchen-Kette, die am Trommelfell hängt, funktioniert nicht mehr richtig: Das Kind hört die Zischlaute kaum noch und alles andere um etwa 30 Dezibel leiser. Kinder im Alter von etwa sechs Monaten verstummen dann oft, obwohl sie zuvor "gelallt" haben, also Laute wie "bl" oder "krrr" von sich gegeben haben. Sie verstummen, weil sie nichts hören: Es fehlt die "Lust" am interessanten Geräusch! Das wird sogar bei schwerhörigen Erwachsenen beobachtet: Die Lust am Reden schwindet mit der Fähigkeit zu hören.

100 Muskeln arbeiten beim Sprechen

Die Zunge besteht aus acht paarig angelegten Muskeln und einem einzelnen Muskel, das macht zusammen 17 Muskeln, die miteinander koordiniert werden wollen! Hinzu kommen die Lippenmuskeln, nicht zu vergessen die mimische Muskulatur, die Atemmuskeln. Sprechen gleicht einem Mini-Tanz der Artikulationsorgane, daher spricht man hier auch von der Feinmotorik. Malen ist auch Feinmotorik. Und da die beiden motorischen Bereiche im Gehirn für den Daumen und für die Zungenmuskeln benachbart sind und sich gegenseitig anregen, wundert es nicht mehr, wenn beim Malen den Kindern immer die Zunge an den Lippen umher wandert, wenn es knifflig wird.

Das Gefühl für den Muskel ist entscheidend

Wer schon einmal ein eingeschlafenes Bein bewegt hat, weiß, wie taub es sich anfühlt, als wäre es fremd und gehöre jemand anderem. Es ist dann schwerer zu bewegen, mit eingeschlafenem Bein ist Rennen schwieriger. Wenn die Zunge sich verbrannt hat, fühlt sie auch weniger, eventuell redet man dann verwaschener. Es ist wichtig, dass die Kinder ein gutes Gefühl für Zunge und Lippen entwickeln. Wie könnten sie sonst fühlen, wie die Lippen sich beim "m" aufeinander legen oder wie die Luft über ihre Zungenschüssel zischt, wenn sie "sch" sagen. In der so genannten "oralen Phase", etwa mit zwei Jahren, lernen Kinder dies spezifisch: Sie stecken alles in den Mund, um es zu fühlen. Das ist wichtig für die Sprache!

Zehn Übungen: drei zum Lauschen lernen

  1. Abends im Bett, wenn es auf der Straße still wird, lauschen sie den Geräuschen: Läuft da ein Mensch? Fährt da ein Auto? Oder ein Bus? Da, die Vögel singen ein Gute-Nacht-Lied! Es ist erstaunlich, wie sehr unser Gehör durch ein wenig Stille sensibilisiert werden kann!
  2. Imitieren Sie mit Ihrem Kind Tierlaute: "Rate mal, wer ich bin? Määh!" Es gibt auch zahlreiche Bilderbücher und Hörgeschichten mit Tierlauten.
  3. Hören Sie Musik! Bewegen Sie sich mit dem Kind rhythmisch dazu. Sprache hat auch ihren Rhythmus.

Drei Übungen zum Muskelspielen

  1. Mit Lauten spielen: "Ooooh!" Machen Sie dabei große Augen, der Mund muss ganz rund sein! Überreiben Sie ruhig, schauen Sie sich den runden Mund mit dem Kind im Spiegel an. "Iiiiiiii!" Zeigen Sie Ekel! Schütteln Sie sich! Kinder stehen auf extremen Quatsch!
  2. Reimen Sie, auch Quatschreime sind erlaubt: "Ich geh in die Wanne - Tanne!" Verdrehen Sie Laute ganz provokant: "Ich gehe jetzt mit dem Mund spazieren - nein, mit dem und! Auch nicht, mit dem Kund! Quatsch! ..."
  3. Singen Sie mit Ihrem Kind! Worte wie "falleri und fallera" sind jetzt erwünscht, auch "trallala", "schwappschwabbidubidu" oder "pitsch-patsch-Pinguin". Wer erinnert sich noch an den "Kli-Kla-Klawitterbus"? Diese Spiele der Zunge und Lippen üben die Kinder wortwörtlich in Mundfertigkeit.

Und drei Übungen zur Wahrnehmung

  1. Zähneputzen - warum nicht elektrisch? Und warum nicht auch die Zunge putzen? Die Vibration geht in die Tiefe der Muskeln. Wer es ausprobiert, wird danach eine wesentlich veränderte Wahrnehmung im Mundraum verspüren - nebst einem lustigen Kribbeln auf der Zunge. Wenn das Kind Angst hat vor dem rappelnden Ding vor dem Mund: Zunächst einmal an der Hand ausprobieren - vorzugsweise am Daumen!
  2. Brüllen wie ein Löwe, Piepsen wie ein Mäuschen: Erkunden Sie mit Ihrem Kind die eigene Stimme! Denn die vibriert tief im Hals, man kann es fühlen, wenn man die Hand darauf legt. Sagt man "ffff", spürt man nichts. Sagt man aber "mmm", dann kitzelt es bis in die Fingerspitzen. Welche Laute kann man fühlen?
  3. Autofahren mit Lippenflattern: Brrrrrrmmm! Wer es lange durchhält, fühlt auch hier ein angenehmes Kribbeln in den Lippen. Zudem werden die Lippen dadurch gelockert; die Atmung vertieft sich. In solcher Wohlspannung sind Lippen einfach leistungsbereiter!

Eine letzte Übung: Zauberwörter - der Magie wegen

"Ja, du darfst eine Salzstange haben - wenn du das geheime Zauberwort des fabelhaften Magiers Pallewalle Bomm nachsprechen kannst, und das geht so: rafiduka!" Der Fantasie sind hier wirklich keine Grenzen gesetzt. Sie trainieren hierbei nicht nur das Gedächtnis des Kindes - es lernt vier sinnleere Silben nachzusprechen, was schwerer ist, als ein sinnvolles Wort wie Taschenlampe: Es hat auch vier Silben, aber zu viel Bedeutung, um das Gedächtnis zu fordern; Sie haben eine spannende Geschichte, das Kind darf sich danach auch ein Zauberwort ausdenken und somit fördern Sie die Artikulation spielerisch. Das Zauberwort darf auch leise gesagt oder gekrächzt werden, es darf Klicklaute enthalten oder ein Händeklatschen - nur zu!

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Quellen: Jampert, Zehnbauer et al. (Hrsg.): Kinder-Sprache stärken! Band 1 Wie kommt das Kind zur Sprache? verlag das netz, Weimar, Berlin 2009, 128 Seiten

Helene Weiß - Helene Weiß staatl. examinierte LogopädinMutterEhefrauReferrentinGitarristinSängerin

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