Zehntausende fordern "Abschalten" der Atomkraftwerke

Abschalten der AKW forderten  zweitausend Bonner - Helmut Lorscheid
Abschalten der AKW forderten zweitausend Bonner - Helmut Lorscheid
Zehntausende demonstrierten am 14.3. an rund 450 Orten in Deutschland gegen die Atomkraft. "Abschalten" lautet ihre gemeinsame Forderung.

Seit November letzten Jahres finden an rund einhundert Orten allwöchentlich am Montag sogenannte „Montagsspaziergänge gegen Atomkraft“ statt. Am heutigen 14. März 2011 nahmen statt einiger Hundert plötzlich Tausende daran teil. Zunächst wurden Protestumzüge an rund 200 Orten erwartet, doch schnell stieg die Zahl auf 300, 350 und schließlich beteiligten sich Menschen an 450 Orten am montäglichen Anti-Atomprotest.

Ungeahnter Zulauf zu Montagssparziergang gegen Atomkraft

So auch in Bonn. In der Bundesstadt hatten die Veranstalter ursprünglich mit etwa 50 Teilnehmern gerechnet und ihren Umzug durch die Stadt auch mit dieser vermutlichen Teilnehmerzahl angemeldet. Doch es kamen nicht nur 50, sondern nach Polizeiangaben rund zweitausend. Ihr gemeinsames Anliegen fassten sie in einem Wort zusammen „Abschalten“. Kein Moratorium, keine „vorübergehendes Aussetzen“ der Laufzeitverlängerung, wie das Kanzlerin Merkel angekündigte auf nur drei Monate beschränkte "Moratorium" forderten die Menschen, sondern einen geordneten Rückzug aus der, wie es in Reden hieß "menschenverachtenden" und "nicht beherrschbaren Technologie." Die Bonner Demonstranten gedachten in einer Schweigeminute den Opfern der Naturkatastrophe in Japan und des von Menschen zu verantwortenden Atomunfalls. Überhaupt verlief diese Demonstration eher leise, die Redner argumentierten ebenso ruhig wie fundiert und sachlich.

Stetig wachsender Protest

Sie ist wieder da - die Massenbewegung gegen Atomkraftwerke. Jahrelang dümpelte sie so dahin, lediglich zu den Castortransporten sorgten Atomgegner für Schlagzeilen oder fanden Erwähnung in den Abendnachrichten. Doch seit einigen Monaten erfreut sich die schon traditionsreiche Bürgerbewegung neuer Aufmerksamkeit und – wie bereits die Demonstrationen im Sommer und Herbst 2010 zeigten, eines deutlich gewachsenen Zuspruchs junger Menschen. Das zeigte auch die große Beteiligung an der Menschenkette am vergangenen Samstag zwischen der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart und dem Atomkraftwerk Neckarwestheim. Mehr als 60.000 Menschen nahmen daran teil.

Auswirkungen auf die Landtagswahlen erwartet

Mehr noch als der Streit um die Tieferlegung des Stuttgarter Bahnhofs wird die Atomkatastrophe in Japan die Wahlen in Stuttgart und in ganz Baden-Württemberg beeinflussen. Davon zeigen sich nicht nur Atomgegner überzeugt - sondern auch professionelle Meinungsforscher.

Merkels Moratorium wurde von zahlreichen Demonstranten als der Versuch gewertet, ohne tatsächlich wirksame Beschlüsse sich mit dieser Geste über die bevorstehenden Landtagswahlen zu retten. Die durch die Vorgänge in Japan verängstigten Menschen, die am 14. März in Berlin, München, Stuttgart, Hamburg, Bonn und über 400 weiteren Orten in Deutschland auf die Straße gingen, wird die Kanzlerin kaum von ihrer Partei überzeugen können. Wie in Bonn, so nahmen auch in anderen Städten keineswegs nur Mitglieder der Grünen und der Linken an der Demonstration teil, sondern auch Sozialdemokraten, Gewerkschafter und auch zahlreiche Konservative. Sie einte die Trauer um die Opfer in Japan und die Sorge um die Sicherheit der Atomkraftwerke im eigenen Land.

Helmut Lorscheid ,  Foto: Yvonne Szallies

Helmut Lorscheid - Ich bin Journalist aus Überzeugung, obwohl es sicherlich Berufe gibt, in denen man deutlich mehr verdient. Ich befasse mich mit ...

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