Zeitarbeit

Eine boomende Branche

Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt ist wichtig - jedoch profitieren vor allem die Zeitarbeitsfirmen sowie deren Kunden, für die Arbeitnehmer bleibt oft wenig Geld übrig.

Zeitarbeitkann man sich als ein Dreiecksverhältnis vorstellen: Der Arbeitnehmer, in diesem Fall als Leiharbeiter bezeichnet, schließt mit der Zeitarbeitsfirma einen Vertrag. Dies ist ein ganz "normaler" Anstellungsvertrag, der die beiden Protagonisten als "Arbeitnehmer" und Arbeitgeber" im rechtlichen Sinne definiert. Andererseits schließt die Zeitarbeitsfirma mit der Entleihfirma, also dem zukünftigen Arbeitgeber des Leiharbeiters einen Arbeitnehmerüberlassungsvertrag.

Diese Form der Arbeitnehmerüberlassung gibt es in Deutschland schon seit den 60er Jahren, große Verbreitung findet sie seit Ende der 90er Jahre. Seit dieser Zeit hat sich, nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit, die Zahl der Beschäftigten in Zeitarbeitsverhältnissen mehr als verdoppelt. Heute sind über eine halbe Million Menschen in Zeitarbeitsunternehmen unter Vertrag.

Vorteile für Arbeitgeber

Auch wenn manche Unternehmen stöhnen, ein Leiharbeiter sei teurer als eigene Mitarbeiter, sind die Vorteile doch unbestritten: Kein Ärger mit dem Kündigungsschutz, eine weitaus größere Flexibilität sowie fast immer doch geringere Personalkosten. Unstrittig ist, dass manche Arbeitgeber durch Leiharbeiter Teile ihrer Stammbelegschaft ersetzen. Das soll für etwa ein Viertel der Unternehmen gelten, die Verträge mit Zeitarbeitsfirmen geschlossen haben.

Vorteile für die Arbeitnehmer

Viele, vor allem ungelernte Hilfskräfte, finden durch Zeitarbeit den Absprung aus der Arbeitslosigkeit in eine geregelte Beschäftigung. Akademiker machen derzeit etwa neun Prozent der Leiharbeiter aus. Etwa 30 Prozent der Leiharbeiter werden in ein reguläres Arbeitsverhältnis übernommen.

Nachteile für die Arbeitnehmer

Abgesehen von einem geringer geschätzten sozialen Status, den Leiharbeiter - manchmal sogar in den selben Firmen, in denen sie vorher fest angestellt waren - genießen, verdienen viele recht wenig. 1980 war das Durchschnittseinkommen der Leiharbeiter fast so hoch wie das aller Erwerbstätigen in Deutschland, 2001 betrug es nur noch die Hälfte. Dass jeder achte noch zusätzliche Hilfe des Staates benötigt, hält Wilhelm Adamy, Arbeitsmarktforscher des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) "aus sozialstaatlicher Sicht nicht für akzeptabel". Zu erwähnen wäre noch die Unsicherheit, denn Verträge mit den Zeitarbeitsfirmen sind nicht per se unbefristet, sie richten sich nach der Auftragslage.

Vorteile für die Zeitarbeitsfirmen

Die großen Gewinner. Nicht umsonst stehen auf der Liste der Unternehmen, die 2006 die meisten neuen Jobs schufen, unter den ersten fünf die drei Branchenriesen Randstad, Adecco und Manpower. Die Zeitarbeitsfirmen verdienen nicht schlecht an ihren Leiharbeitnehmern. In der Regel kassieren sie von ihren Kunden zwei bis zweieinhalbmal soviel, wie sie ihren Mitarbeitern zahlen. Kein Wunder also, dass laut einer Emnid-Umfrage zwei Drittel der Deutschen die geringe Bezahlung als größten Nachteil der Leiharbeit ansehen.

Am 11.20.2008 trafen sich Vertreter der vom Bundesverband Zeitarbeit, BZA sowie deren Interessenverband mit DGB und Bundesarbeitsminister Olaf Scholz zum Meinungsaustausch. Ziel ist die Einführung eines Branchenmindestlohns für die Zeitarbeit. Dies wäre vor allem im Hinblick auf die zukünftige Öffnung der osteuropäischen Arbeitsmärkte notwendig, betonte BZA-Präsident Enkers.

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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