
- Arbeitgeber - Peter Kirchhoff - Pixelio
Bei der als „Arbeitnehmerüberlassung“ bezeichneten Zeit- oder Leiharbeit wird ein Arbeitnehmer vom eigentlichen Arbeitgeber zur Arbeitsleistung an einen Dritten überlassen. Diese Praxis war bis 1971 in Deutschland verboten.
Inzwischen werden laut einer Befragung unter rund 5.100 Betriebsräten durch die IG-Metall neue Stellen vor allem mit Leiharbeitern und befristet Beschäftigten besetzt. Die IG-Metall spricht von 85 Prozent der Betriebe, die ihren zusätzlichen Arbeitskräftebedarf mit „prekären Arbeitsverhältnissen“ decken, aufgeteilt in 43 Prozent Leiharbeiter und 42 Prozent befristeter Neueinstellungen. Somit sind nur 15 Prozent aller Neueinstellungen unbefristet. Arbeitsministerin von der Leyen weigert sich bisher eine gesetzliche Regulierung für Leiharbeit festzusetzen.
Sind durch die rasch ansteigende Zahl von Leiharbeitern Stammarbeitsplätze gefährdet?
Derzeit sind in Deutschland rund 825.000 Leiharbeiter angestellt. Schon unmittelbar nach Ende der Kurzarbeit haben 20 Prozent der von der IG-Metall befragten Betriebsräte festgestellt, dass Stammbelegschaft durch Leiharbeiter ersetzt wurden.
Überall in Deutschland zeichnet sich ein ähnliches Bild. Firmen entlassen angestellte Arbeitnehmer und stellen diese, teilweise für den gleichen Job, als Leiharbeiter wieder an. Der Lohnunterschied für den Arbeitnehmer ist erheblich. Auch in dem neuen Gesetzesentwurf von Ursula von der Leyen gibt es keine Bestimmungen, die eine gleiche Bezahlung von Leiharbeitern sichert. So können Unternehmen mit Leiharbeit ein zweites, niedrigeres Lohnniveau schaffen. Die FDP fordert daher bisher als erste Partei einen gemeinsamen Mindestlohn für Zeitarbeiter und Stammkräfte, der sich am Tariflohn der Stammkräfte orientiert.
Vom Wirtschaftsmotor zum modernen Sklavenhandel – ein Imagewandel
Unternehmen wie die Marktführer Randstad, Manpower oder Adecco haben innerhalb eines Jahrzehnts ein Wachstum von 260 Prozent verzeichnen können. Das ist beeindruckend. Gerade für Langzeitarbeitslose ist Zeitarbeit eine hervorragende Lösung um wieder in die Arbeitswelt integriert zu werden. Die Regierung Schröder hat durch die Förderung dieses Modells Geringqualifizierten einen leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt verschaffen wollen. Die Langzeitarbeitslosigkeit hat sich seitdem um 40 Prozent verringert. Stärker als die Arbeitslosigkeit insgesamt. Aber durch die Bemühungen der rot-grünen Regierung, den Arbeitsmarkt zu öffnen, wird die Idee der Leiharbeit heute benutzt um Löhne zu drücken.
Was Leiharbeit für Arbeitgeber so attraktiv macht
Ein rigider Kündigungsschutz, wie er momentan für Festangestellte gilt, lässt für viele Arbeitgeber den Einsatz von Leih- und Zeitarbeitern attraktiver scheinen. Denn nicht immer ist der befristete Arbeiter der billigere. Was die Zeitarbeit so reizvoll macht, ist die Flexibilität, die sie dem Arbeitgeber bietet. Auch Verbraucher kaufen ein Produkt eher, wenn man ein Rückgabe- oder Umtauschrecht hat. So herzlos es klingen mag, in unsicheren Zeiten scheint es für Arbeitgeber sinnvoller zu sein Arbeitskräfte schnell wieder abstoßen zu können. So zahlen sie mehr Geld, das beim Arbeitnehmer aber nicht ankommt. Denn es gibt in keinem Sektor so viele „Aufstocker“, also Menschen, die arbeiten gehen, trotzdem unter dem Mindestsatz leben und daher Zuzahlungen von der ARGE erhalten.
In Zukunft
Die IGMetall hat Forderungen an die Bundesregierung formuliert um den Missbrauch von Leiharbeit zu unterbinden und Arbeitnehmer vor Ausbeutung zu schützen. Unter anderem fordert die Gewerkschaft gleiche Bezahlung von Stammbeschäftigten und Leiharbeitern und das Verbot von langfristiger, strategischer Leiharbeit sowie eine Höchstüberlassungsdauer.
Ein Ende des Lohndumpings und der unfairen Bezahlung wäre in jedem Falle wünschenswert! Ein Versprechen des letzten Wahlkampfes lautete "Arbeit soll sich wieder lohnen!" Solange ein Industriearbeiter 12 Stunden am Tag unterwegs ist und trotzdem Leistungen vom Staat beziehen muss, sind wir davon weit entfernt.
