Die Branche der Personaldienstleister war die letzten Jahre eine Wachstumsbranche mit jährlich beachtlich steigenden Umsatzzahlen (teilweise mehr als 20 % zum Vorjahr). Die Entwicklung wandelt sich derzeit, da die großen Unternehmen der Industrie diesem Boom durch Umsatzeinbußen einen Riegel vorschieben bzw. vorschieben müssen. Die Personaldienstleiter gelten im Allgemeinen als Frühindikatoren für die künftige Entwicklung in der Industrie: Laufen die Geschäfte der Personaldienstleister gut ist eine positive Entwicklung (auch am Arbeitsmarkt) zu erwarten, verschlechtern sich die Umsätze kann mit künftig sinkenden Beschäftigungszahlen gerechnet werden, was mitunter auch Auswirkungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt hat.
Fünf Jahre Boom neigen sich dem Ende zu
Das erste halbe Jahr 2008 lief noch gut, deshalb kann auch in diesem Jahr noch mit einem Umsatzplus für die Zeitarbeitsbranche gerechnet werden. Ab dem kommenden Jahr muss aber schon mit Umsatzeinbrüchen gerechnet werden, die sich auf den Arbeitsmarkt entsprechend niederschlagen. Gehen die Umsätze in der Industrie weiter zurück werden zunächst die Zeitarbeiter reduziert, bevor an der Personalschraube des eigenen Stammpersonals gedreht wird. Insbesondere die Betriebsräte achten auf die präzise Vorgehensweise. Da derzeit durch die länderübergreifende Finanzkrise die Industrienachfrage zu sinken droht und teilweise auch schon nachweislich sinkt, wird dieser Effekt nicht länger ausbleiben. Im Juni 2007 arbeiteten in Deutschland ca. 630.000 Menschen in Beschäftigungsverhältnissen im Rahmen der Zeitarbeit, woran auch die weitreichende Bedeutung dieser Branche zu erkennen ist.
Förderung der Zeitarbeit vom Staat
Seit 2003 gab es maßgeblich Zugeständnisse und Förderungen vom Staat für die Personaldienstleister. Zeitarbeiter dürfen z. B. seither mehr als ein Jahr im gleichen Unternehmen eingesetzt werden, und Tarifverträge regeln die Lohnverhältnisse, Kündigungsfristen und weitere Rahmenbedingungen einheitlich. Durch das Inkrafttreten des Arbeitnehmerentsendegesetzes (AentG) im Jahr 1996 werden Mindestarbeitsbedingungen in der Branche geregelt, die zum Schutz des Arbeitnehmers gemacht sind. Seit dem Sommer dieses Jahres besteht ein Regierungsentwurf zur Anpassung des Arbeitnehmerentsendegesetzes, der zudem Regelungen enthält, wie die grenzüberschreitende „Personalentsendung“ zu behandeln ist. Aufgrund der flexiblen Arbeitsmodelle, die durch Zeitarbeit möglich sind, werden Personaldienstleister und die kurzfristigen Einstellungsoptionen im Zuge der Verbesserung der Arbeitsmarktlage vom Staat meist begrüßt.
Automobilindustrie ist stark betroffen
Insbesondere in der Automobilindustrie werden Zeitarbeiter im großen Stil eingesetzt. Die Automobilindustrie hat derzeit bereits mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen, was auch Auswirkungen auf die Personalstärke eines Unternehmens hat. Aus diesem Grund kann davon ausgegangen werden, dass über kurz oder lang entsprechende Abbaumaßnahmen eingeleitet werden. Von dieser Entwicklung sind zunächst die Hilfskräfte betroffen, welchen unter Umständen auch die Arbeitslosigkeit droht. Von ersten Produktionspausen in der Branche ist die Rede, was kurzfristige Veränderungen an der Personaldecke einzelner Unternehmen notwendig macht.
