Wie eine typische Liebesgeschichte, so beginnt "Zeiten des Aufruhrs", ein Film von Regisseur Sam Mendes ("American Beauty"), basierend auf dem Roman "Revolutionary Road" von Robert Yates.
Die beiden Hauptcharaktere April und Frank Wheeler, überragend gespielt von Kate Winslet ("Sinn und Sinnlichkeit", "Der Vorleser") und Leonardo DiCaprio ("Blood Diamond", "Shutter Island") lernen sich kennen und sofort lieben. Das junge, für das prüde Amerika der 1950er Jahre sehr unkonventionelle Paar, hat große Hoffnungen und Träume. Einer davon ist, nicht so zu enden, wie die meisten Familien ihrer Zeit. Denn ihre Freiheit geht ihnen über alles!
Die Ehe als Gefängnis: Winslet und DiCaprio im Rosenkrieg
Als April schwanger wird, ziehen die Wheelers in eine beschauliche Kleinstadt im Bundesstaat Conneticut. Dort muss das Paar bald feststellen, dass es genau das Leben führt, das es immer so verabscheut hat. April findet sich als gescheiterte Schauspielerin mit zwei Kindern schnell in der Rolle der frustrierten Hausfrau ohne Entwicklungsmöglichkeiten wieder und Frank arbeitet zehn Stunden am Tag in einem Job, den er hasst.
Ein Umzug nach Paris soll die Wheelers aus ihrem Gefängnis der starren Alltagskonventionen befreien, doch vieles kommt ganz anders als geplant... Schnell befindet sich der Zuschauer in einem wahren Rosenkrieg, einer Ehehölle, in der das Belügen, Betrügen und Hassen auf der Tagesordnung steht.
Eine Hommage an den Film "Titanic" oder dessen Fortsetzung?
Wer denkt, "Zeiten des Aufruhrs" sei eine Hommage an "Titanic", da das Liebespaar von den selben Schauspielern gespielt wird, der wird unweigerlich eine große Enttäuschung erfahren. Anders als Jack und Rose nämlich, erleben Frank und April nicht nur die positiven Seiten der Liebe, sondern auch oder vor allem die Schattenseiten der Ehe. In Ihren hasserfüllten Kämpfen spiegeln sich die zerbrochenen Illusionen vieler Menschen, die sich eigentlich mehr vom Leben und der Ehe erhofft haben. Vielleicht aber hätte "Titanic" auch genau in so einer Ehehölle enden können, wäre Jack nicht ertrunken...
Neben Leonardo DiCaprio und Kate Winslet, die in ihrer Rolle als rasendes und verzweifeltes Ehepaar den Zuschauern geradezu unter die Haut gehen, überzeugte vor allem Michael Shannon ("Pearl Harbor", "Tigerland") in seiner Rolle als psychisch kranker Nachbarssohn John, der in seinen unverblümten Aussagen seine Mitmenschen schockiert. Er, der "psychisch Kranke" hat die Scheinmoral der Gesellschaft längst durchschaut und hält ihr regelmäßig den Spiegel vor.
"Zeiten des Aufruhrs": Überragendes Schauspiel, aber inhaltlich schwere Kost
"Zeiten des Aufruhrs" ist ein Drama, an dem sich die Geister scheiden. Während das überragende Schauspiel besonders der beiden Hauptdarsteller wirklich nicht Gegenstand der Kritik sein kann, scheint der Inhalt für die meisten Zuschauer doch eine zu schwere Kost zu sein – eventuell auch, weil sich so mancher Zuschauer in diesen Ehekämpfen selbst wiederfindet?
Trotz allem: Ein Film zum Schmunzeln, Weinen und vor allem zum Nachdenken.
