Zeitreise in die DDR - eine historische Berlin Tour

Mit dem Trabi durch Berlin - Robert Malzbrand
Mit dem Trabi durch Berlin - Robert Malzbrand
Zwanzig Jahre nach der Wende ist sie fast komplett verschwunden. Mit dem Trabant auf den historischen Spuren der DDR in Berlin. Eine andere Stadtrundfahrt.

In diesem Herbst jährt sich zum zwanzigsten Mal der Tag der deutschen Einheit. Fast eine Generation ist vergangen, seit die friedliche Revolution von Leipzig und Ostberlin das Regime der SED stürzte und die Wiedervereinigung nach vierzig Jahren Teilung möglich machte.

Doch wie war dieser zweite deutsche Staat? Diese Frage stellen sich vor allem junge Leute und jene, die jenseits der Mauer aufgewachsen sind. In Berlin kann man am besten erfahren, wie sich die Stadt verändert hat und vor allem, wie die DDR und ihr repressives System funktionierte.

Osthistorische Stadtrundfahrt

So nah wie in Berlin liegen nirgens sonst die Orte der Repression, des Widerstands und der Wiedervereinigung beieinander. Jenseits des Trubels der touristischen Pfade der Innnenstadt lassen sich auch heute noch historische Orte entdecken, die - zum Teil museal aufbereitet, zum Teil original belassen - vom anderen deutschen Staat berichten. Nach vierzig Jahren Systemkonkurrenz haben die Synergien des neuen Berlin inzwischen die Spuren der Teilung fast vollständig überwuchert. Doch noch sind sie bei genauem Hinsehen sichtbar. Für diese osthistorische Zeitreise sollte sich der Betrachter mindestens einen ganzen Tag Zeit nehmen.

Der Trabant als passendes Gefährt

Der Trabant 601 wurde wie kein anderes Auto zum Symbol der DDR geworden, mit all ihrer Zwangswirtschaft und den kleinen Eigenheiten. Später dann, als sich hunderttausende dieser Duroplastflitzer 1989 in die Bundesrepublik ergossen, wurde er das Symbol der Wiedervereinigung und 1990 das Auto des Jahres. Doch ein passendes Fahrzeug für unsere Stadttour zu finden, gestaltet sich in Berlin alles andere als einfach. Zwar stehen gleich Dutzende der Rennpappen um die Ecke vom Checkpoint Charly; mit Ihnen darf aber nur auf festgelgten Routen - so genannten Safaris - im Kreis gefahren werden.

Nach einigem Suchen vermietet die Firma Trabant-Berlin einen Trabi zum selber fahren. Das junge Unternehmen hat sich auf die Vermietung von Oldtimer-Trabanten spezialisiert, weshalb die 1974er Limousine nicht nur 100-prozentig original ist, sondern mit dem H-Kennzeichen auch in die Berliner Innenstadt fahren darf.

  • Trabant mieten in Berlin bei Trabant-Berlin, 1 Tag für Euro 110.-, durch Bringdienst Zeitaufwand etwa 30 Minuten für Formalitäten und Einweisung.

Das DDR-Museum

Die erste Station hält am DDR-Museum im Bezirk Berlin Mitte. Direkt gegenüber des Berliner Dom liegt es an der Spree. Die kleine Austellung hat sich vor allem dem Alltagsleben in der DDR gewidmet und funktioniert als Erlebnisausstellung. Mehrere hundert Exponate, viele davon zum Anfassen, sollen einen Eindruck vom täglichen Leben ostwärts der Mauer vermitteln.

Für ehemalige DDR-Bürger ist hier der Wiedererkennungswert, für Westdeutsche, Nachgeborene und Touristen die Kuriosität der platenen Eierbecher oder holzverkleideten Kasettenrecorder kurios. Das Museum bietet viele kleine Dinge. Die meisten davon können auch angefasst und einige ausprobiert werden. Die Schlange vor der Trabantkarosse bleibt links liegen; schließlich steht ein "eigener" Trabant vor der Tür. Je nach Andrang und Interessen kann für das DDR-Museum zwischen einer und zweieinhalb Stunden geplant werden.

  • DDR-Museum, Alltagsleben in der DDR. Kurzweilig museal aufbereitet. Eintritt 5,50 Euro (ermäßigt 3,50 Euro), je nach Andrang 1-2,5 Stunden.

Die Stasi-Zentrale

Der unwirtliche, sandfarbene Hochhausbau an der Normannenstraße in Berlin Lichtenberg wird heute von den vielen vorbeifahrenden Autos auf der B1/B5 an der Seite liegen gelassen. Hier hatte das Ministerium für Staatssicherheit, im Volksmund kurz Stasi, seinen Hauptsitz. Die Spitzel unter dem Minister Erich Mielke bauten über die 40 Jahre DDR-Geschichte ein unglaubliches Archiv mit Akten über quasi jeden DDR-Bürger auf.

Hier kann noch bis Juli das Dokumentationszentrum besucht werden. Ab Juli zieht dieses Zentrum in die Zimmerstraße unweit des Checkpoint Charly um, wo es ebenfalls besichtigt werden kann. Jeden ersten Dienstag im Monat gibt es eine Führung durch das Archiv. Andere Sonderveranstalungen gibt die Birthler-Behörde, welche das Stasi-Unrecht aufarbeitet, auf ihrer Website bekannt. Die Führungen dauern rund zwei Stunden. Für das Dokumentationszentrum sollten mindestens anderthalb Stunden veranschlagt werden.

  • Stasi Zentrale, Archiv Führungen jeden ersten Dienstag im Monat, kostenfrei, etwa zwei Stunden; Dokumentationszentrum ab 01.07.2010 in der Zimmerstraße 91, kostenfrei, circa 1,5 Stunden.

Stasi-Knast Hohenschönhausen

Noch etwas weiter draußen, im Stadtteil Hohenschönhausen, befindet sich die Stasi-Gedenkstätte. Es ist das Gelände der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit. Der original erhaltene Stasi-Knast, der einstmalige Ort des Schreckens, an dem der DDR-Geheimdienst wegschloss und folterte, ist heutzutage Dank der Arbeit einer Stiftung öffentlich zugänglich. Es gibt Führungen in deutscher und englischer Sprache. Gruselig und eindrucksvoll. Auch hier sollten anderthalb Stunden Zeit eingeplant werden.

Karl-Marx-Allee (Stalinallee)

Sie war die erste so genannte Sozialistische Straße Deutschlands. Die Stalinallee wurde 1951 begonnen und bereits vier Jahre später weitgehend fertiggestellt. Im sowjetischen Zuckerbäckerstil erbaut, ist die Prachtstraße zwischen dem Frankfurter Tor und dem Straußberger Platz bis heute ein eindrucksvolles architektonisches Erlebnis. Führungen zu circa zwei Studnen sind bei verschiedenen Anbietern zu buchen. In ungefähr einer halben Stunden lassen sich die wichtigsten Punkte mit Stadtführer und Auto aber auch erkunden. Auch der Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 fand hier seinen Anfang. Die 250 streikenden Bauarbeiter lösten einen wahren Flächenbrand aus, der nur durch einmarschierende sowjetische Panzer gestoppt wurde.

  • Karl-Marx-Allee, entweder zahlreiche Führungen oder selbst erkunden, dann kostenfrei, etwa 05,-2,5 Stunden.

East-Side-Galley (Mauer)

Etwa ein Kilometer entfernt findet sich die East-Side-Gallery. Es ist der längste noch erhaltene Abschnitt der Berliner Mauer. Die gut zwei Kilometer zwischen dem Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke wurden im Herbst 1989 von verschiedenen Künstlern gestaltet. Inzwischen sind die 69 Gemälde zum dritten Male wiederhergestellt worden. Zum genauen Betrachten der zum Teil witzigen, zum Teil aber auch hoch politischen Kunstwerke sollte mindestens eine Stunde eingeplant werden.

  • Freiluft Kunstmuseum an der ehemaligen Mauer, 69 Gemälde, kostenfrei, mindestens 1 Stunde.

Tourzusammenfassung

Vor allem während der langen 1990er Jahre setzte die deutsche Öffentlichkeit größtenteils darauf, die DDR-Vergangenheit zu verdrängen und zu vergessen. Erst langsam kommt der Prozess des Erinnerns und vor allem des Nachfragens in Gang. Wer sich die Zeit nimmt, kann ganz eigene Einblicke in diese Epoche deutscher Geschichte erlangen.

Robert Malzbrand, Robert Malzbrand

Robert Malzbrand - Robert Malzbrand Jahrgang 1980, geboren in Berlin. Studium der Politikwissenschaften, Friedens- und Konfliktforschung. Erfahrung ...

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