Zeitreise in Portugal: Taverne "João das Cabeças" in Castro Verde

Hereinspaziert in die Taberna Joao das Cabecas - Lou Avers
Hereinspaziert in die Taberna Joao das Cabecas - Lou Avers
Die Taberna João das Cabeças im Alentejo-Ort Castro Verde wirkt wie eine Filmkulisse. Eine nostalgische Reise in vergangene Zeiten.

Weiß gekalkte Häuser, grüne Hügel, Weideland und Kupferminen. Dazu einige der ältesten Tavernen des Landes. Das ist Castro Verde. Die knapp 5000 Seelen zählende Gemeinde ist ein Alentejo Dorf wie aus dem Bilderbuch. Hinter den einfachen Türen verbergen sich wahre Nostalgie-Schmuckstücke. Wie in der Rua da Aclamação n° 60. Kein Schild, keine Werbung. Aber jeder kennt die Taberna.

Eine „Institution“ in Castro Verde

Wer im „João das Cabeças“ die rotegestrichene hölzerne Schwingtür betritt, taucht in eine Welt der Jahrhundertwende ein. Kaum etwas hat sich hier geändert seit der Ausrufung der Republik in Portugal am 05.10.1910. Grüngestrichene Wände, blanke Tischchen, eine Reihe Holzhocker und eine schmale Holztheke linker Hand, auf der sich Tonkrüge und Weinflaschen stapeln. Am Ende des kahlen Raums gibt es eine kleine Nische, die ausschaut wie ein Gebetsaltar. Dort steht das rote Haustelefon mit Drehscheibe, das ab und an durch das Stimmengewirr schrillt. „Sim, geht in Ordnung. Zweimal gegrillter Schafskopf für 19 Uhr“. An Bestellungen fehlt es Senhor João Mestre nicht. Neben den täglichen Stammkunden verirren sich auch kuriose Touristen und manchmal auch ein Fernsehteam oder Journalisten eines Reisemagazins in seine Bar.

Kurzportrait der Taberna do João das Cabeças

Seit 1983 sind João und Dulce Mestre die Hausherren der Taberna do João das Cabeças. "Cabeça" heisst Kopf und das ist auch die Spezialität des Hauses: Gegrillter Schafskopf. Die aufgespaltenen Schafskopfhälften sind für manchen ausländischen Gast gewöhnungsbedürftig, bei den Einheimischen sind sie der Renner. Angefangen hat alles vor mehr als 100 Jahren mit dem ersten Eigentümer José Maria Leão. Seinerzeit gab es nur Wein und selbstgebrannten Schnaps. Die Wirte wechselten in den Jahren bis zum heutigen Chef João Mestre. Dessen Vorgänger begann bereits mit dem Brauch der Schafsköpfe, was Senhor João weiterführte und zum Markenzeichen des Hauses machte. Mittags gibt es Tagesessen und an manchen Wochentagen auch mal Schweinefleisch und Tapas. Der Wein kommt noch aus dem eigenen kleinen Weinkeller. Am Abend kann man hier die typischen Dorfcharaktere antreffen, Stammkunden über lange Jahrzehnte. Jeder hat seine eigene Geschichte zur Taverne. Im Sommer 2010 drehte hier gar das Fernsehteam des öffentlich-rechtlichen portugiesischen TV Kanals RTP1 eine Szene für einen Film über das hundertjährige Jubiläum der portugiesischen Republik. Dazu wurden nur die Tische durch rustikale Holztische ersetzt. Ansonsten ist in der Szene das bis heute aktuelle Original zu sehen.

Wo liegt Castro Verde?

Castro Verde ist ein 5000 Einwohner Ort in der Südprovinz Alentejo in Portugal. Es gehört zum Baixo Alentejo (Niederalentejo) und liegt 44 Kilometer von der Provinzhauptstadt Beja entfernt. Castro Verde ist bekannt für seine Kupfer- und Zinkmine Somincor (Minas de Neves Corvo S.A. ), die derzeit größte Kupfermine Europas. Das von einem schweizerisch-kanadischen Konzern betriebene Bergbauunternehmen ist mit über 1.300 Mitarbeitern der wichtigste Arbeitgeber des Bezirks Castro Verde. Seit 1977 reiche Vorkommen an Kupfer und Zink entdeckt wurden, wuchs der Ort Castro Verde stetig an. Trotz des Fortschritts, den die Mine mit sich brachte, ist vieles beim Alten geblieben. Im Zentrum trifft man auf nostalgische Barbier-Läden, den mit 86 Jahren ältesten noch aktiven Uhrmacher Portugals und eben zahlreiche Tabernas (Tavernen) und Tascas (Bars) aus der Jahrhundertwende. Die älteste darunter ist die Taberna João das Cabeças.

Wie finde ich die Taverne João das Cabeças?

In dem engen Straßengewirr des Ortszentrums von Castro Verde ist es bisweilen nicht ganz einfach, die versteckte Taverne von Senhor João Mestre zu finden. Das geduckte weiß gestrichene Häuschen befindet sich in einer Parallelstrasse zur Basilika. Es gibt kein Schild, nur die rote schwere Holzschwingtür ist das Markenzeichen. Die Adresse lautet Rua da Aclamação, Nummer 60, 7780-153 Castro Verde, Telefon: 00351-286 322 317. Die Taverne ist jeden Tag ausser Montagvormittag von 10-23 Uhr geöffnet. Und Besucher sind immer herzlich willkommen. Sei es, um einen Schafskopf zu probieren oder auf ein Gläschen Wein. Wenn man Glück hat, kommt man in den Genuss eines Cante Alentejano-Hauskonzerts mit einem der Folklorechöre Castro Verdes. Auch spontane Gesänge der Stammgäste sind nichts ungewöhnliches. Im Alentejo gibt es ein altes Sprichwort: „Die Zeiten ändern sich, aber es gibt Dinge, die ändern sich nie."

Silvia E. Baumann, Lou Avers

Silvia Baumann - Herzlich Willkommen auf meiner Profil-Seite! Seit 18 Jahren nimmt mich meine Leidenschaft - das Reisen - voll und ganz in Anspruch. Als ...

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