
- Wildunfall - DJV
Am Wochenende, dem 27. März 2011 beginnt die Sommerzeit und alle Uhren werden wieder um eine Stunde vorgestellt. Das bedeutet für viele Berufstätige, dass sie am darauf folgenden Montag viel früher als sonst, noch in der Morgendämmerung mit dem Auto zu ihrer Arbeit unterwegs sind. Zu dieser Zeit beginnen auch die Wildtiere ihren Tageslauf. Im Jahr 2010 endete diese morgendliche Begegnung von Tier und Fahrzeug nach Auskunft des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) besonders in ländlichen Gebieten, für rundgerechnet 215.000 Rehe mit dem Tod.
Warum Wildtiere nach der Zeitumstellung in den Morgenstunden gefährdet sind
Vorausschauende Autofahrer wissen, dass Wildtiere nicht planlos in der Gegend umherrennen. Sie folgen täglich dem gleichen Schema: Sie suchen in der Dämmerung nach Futter und wandern zu diesem Zweck von den bewaldeten Gegenden in denen sie bevorzugt die Nacht verbringen, in die freiliegenden grünen Wiesen und Felder. Dabei müssen sie und das täglich zur gleichen Zeit, Straßen überqueren. Wenn nach der Zeitumstellung die Autofahrer, für die Tiere unvorhersehbar, früher als gewöhnlich die Straßen befahren, werden Wildtiere verstärkt angefahren. Besonders im Frühling, wenn die Kraftreserven im Körper der Tiere durch das bilden von Geweih, dem Fellwechsel, Geburten oder der Aufzucht von Jungtieren aufgebraucht sind, lockt das erste junge Grün stark.
Oft sind es auch unwiderstehlich reizvolle Reste vom Streusalz, das die Tiere gerne als Nahrungsergänzung, um einen Defizit von Mineralstoffen zu ergänzen, auflecken, die die Tiere ins Verderben locken. Die Tiere werden, wenn das „Frühstück“ auf der anderen Straßenseite zum Fressen einlädt, oft unvorsichtig und wechseln ihr Revier unbekümmert . Oft ein tödlicher Gang, wie die Unfallstatistik des DJV vom Jahr 2009/2010 zeigt. In diesem Zeitraum kamen sieben Prozent mehr Rehe als in der vorigen Periode, „unter die Räder“. Aber auch Schleiereulen, Wildschweine, Hirsche, Hasen, Igel und junge Füchse werden besonders im Frühjahr, zu Tausenden auch Frösche und Kröten, bei der Krötenwanderung, überfahren. Hier können Naturliebhaber viele Tierstimmen von Eichhörnchen, Igel,Rehen, dem Rotfuchs, dem Rothirsch,dem Wildschwein und dem Wolf hören.
Was sagt die Jagdstatistik über Wildunfälle in Deutschland aus?
Die Wildunfälle sind in den bewaldeten Gegenden von Baden-Württemberg und Bayern sehr hoch. Deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt Nordrhein-Westfalen bei den Wildunfällen mit Rehen. Laut Jagdstatistik lässt dort jedes dritte Reh sein Leben im Straßenverkehr. Diese Zahl, die etwa 32 Prozent ausmacht, erscheint relativ hoch, wird aber noch von den Wildunfällen in den Städten Bremen, 52 Prozent und Hamburg, 33 Prozent, übertroffen. Städte, wie Köln und Berlin klagten in den vergangenen Jahren über Wildschweine, die in der Stadt aufwachsen und dort für die Autofahrer zu einer Gefahr werden. Die Jagdstatistik zeigt auf, dass die Zahl dieser Tiere zurückgegangen ist und Unfälle mit Wildschweinen gegenüber dem Vorjahr um 43 Prozent abgenommen haben.
Was Menschen tun können, um Wildunfällen vorzubeugen
Da es den Tieren nicht möglich ist, ihre Lebensgewohnheiten zu ändern, liegt es vorrangig in der Verantwortung der (ortskundigen) Menschen, Unfällen vorzubeugen und damit Rehe, Wildschweine, Hasen, junge Füchse und sich selbst zu schützen. Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) in Bonn appelliert an alle Autofahrer in Gegenden, wo mit Wildtieren am Straßenrand zu rechnen ist, besonders nach der Zeitumstellung im Frühjahr, in der Morgendämmerung, vorsichtig und langsamer als gewöhnlich zu fahren und beim Warnschild „Wildwechsel“ die Geschwindigkeit sofort zu reduzieren. Sie müssen den Waldrand „im Auge behalten“, das Fernlicht einschalten, damit rechnen, dass Tiere meist in Rudeln unterwegs sind. Wenn ein Wild im Scheinwerferlicht auftaucht, das Licht abblenden, bremsen, hupen.
Für viele Naturliebhaber ist nicht nachvollziehbar warum die Umstellung auf die Sommerzeit, zumal sie eine Einsparung von Energie nicht bewirkte, trotz des Leides für viele Tiere, beibehalten wird. Hier die Geschichte der Zeitumstellung.
Was Autofahrer nach einem Wildunfall tun müssen
Ist ein Zusammenprall mit einem Wild nicht zu vermeidbar, rät der DJV, Autofahrern die Ruhe zu bewahren und nicht planlos zu handeln, das Lenkrad gut festzuhalten und keinesfalls auszuweichen. Nach dem Zusammenstoß: Warnblinkanlage einschalten, Unfallstelle absichern. Das Tier mit behandschuhten Händen an den Randstreifen legen, um Folgeunfälle zu vermeiden. Vorsicht! Das Wild nicht mitnehmen, weil sonst eine Strafanzeige wegen Wilderei droht! Einem angefahrenen, verletzten, flüchtigen Tier, nicht folgen. Die Fluchtrichtung für eine Meldung beim Jagdpächter oder der Polizei merken oder markieren. Unfall unverzüglich beim Jagdpächter oder der Polizei melden. Dort können Autofahrer sich eine Bescheinigung über den Wildunfall ausstellen lassen, die wichtig für den Schadenersatzanspruch an die Autoversicherung ist.
Quelle: Deutscher Jagdverband (DJV)
