Der Zeitungsmarkt in Großbritannien befindet sich zurzeit in einer Phase des Umschwunges. Zum einen müssen sich die Zeitungen auf neue Entwicklungen wie Konkurrenz durch das Internet, Rückgang der jungen Leser, Abwandern der Rubrikenanzeigen einstellen. Zum anderen wirken hier aber auch noch Entwicklungen aus den neunziger Jahren nach, die die Situation in Großbritannien zu einer besonderen werden lassen.
Der Zeitungsmarkt ist sehr ausgeprägt und dynamisch. Täglich greifen 11,4 Millionen Käufer zu einer Tageszeitung, was einer Leserschaft von etwa 35 Millionen entspricht. Aber auch dieser Markt muss sich den neuen Herausforderungen stellen. Im Jahr 2004 ging die Auflage im ganzen Land um 4,7 % zurück.
Generell ist der Markt zu unterteilen in Qualitätszeitungen und in populäre Zeitungen. Die letzten sind aber auch insofern wichtig, dass diese im Gegensatz zu den Broadsheets etwas verächtlich als „Tabloids" bezeichnet wurden. Die Qualitäts-„Broadsheets" haben als eine der Reaktionen seit 2003 allmählich dieses Format adaptiert. Hier gemeint als äußerliches Merkmal, Kritiker sehen auch inhaltliche Annäherungen beim Buhlen um die Leserschaft ausgemacht zu haben.
Zeitungsneugründungen sind in Großbritannien, im Gegensatz zum deutschen Markt, an der Regel. Zuletzt sorgte die Gründung des „Independent" im Jahr 1986 für Aufsehen. Zurzeit existieren zudem Pläne für die Gründung neuer Zeitungen wie „World" oder „Life on Sunday". „Business" ist eine weitere Tageszeitungsneugründung.
Doch neben den Neugründungen bestehen in Großbritannien auch alte Zeitungen. Die „Times" wurde im Jahr 1785, der „Guardian" 1821 (als Regionalblatt in Manchester) und der „Telegraph" 1855 gegründet. Die Times ist somit älter als allen deutschen überregionalen Qualitätszeitungen zusammengenommen.
Die Tageszeitungen erscheinen des Weiteren sieben Mal wöchentlich, denn sie besitzen auch eigene Sonntagsausgaben. Die Times sorgt zum Beispiel mit der „Sunday Times" für Lesestoff am Sonntag, oder der „Observer" aus dem Jahr 1791 als Sonntagsausgabe des „Guardian".
Auch die Organisation der Redaktion unterscheidet sich in der von Deutschland. Redaktionen bauen auf Newsrooms auf: Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal hier ist die strikte Unterteilung der Mitarbeiter in reporter/subeditor und reporter/leader writer. 1997 waren erste Versuche unternommen worden, diese Teilung zu reformieren (durch den „Independent"). Allerdings setzten sich die kontinentaleuropäischen Strukturen gegenüber den angelsächsischen nicht durch.
In den letzten Jahren ist auf dem britischen Markt eine erhöhte Konzentration bei den Regionalzeitungen zu beobachten. 20 Verlage kontrollieren inzwischen 85 % der täglich regional verkauften Auflage. Die „Trinity Mirror Group" etwa besitzt 250 Titel, die „Newsquest Group" mehr als 200. Zudem besitzen auch die nationalen regionale Zeitungen.
Der Tageszeitungsmarkt in Großbritannien ist von hoher Dynamik geprägt und aufgrund der dargestellten Wesensmerkmale nicht ohne weiteres mit dem deutschen zu vergleichen.
