Zen – in der Kunst des Schreibens von Ray Bradbury

Zen in der Kunst des Schreibens - Marion Trost
Zen in der Kunst des Schreibens - Marion Trost
Wie schreibt man eine richtig gute Geschichte? Ray Bradbury weiß es und hat in diesem Buch seine Erfahrungen festgehalten.

Ein Autor müsse erregt sein, aus Fieber und Enthusiasmus solle er bestehen, ist Ray Bradbury sich sicher, um eine wirklich gute Geschichte zu Papier zu bringen. Berauscht bleiben vom Schreiben ist seine Devise, nur so kann die Wirklichkeit nicht das Ruder übernehmen. "Wenn du ohne Leidenschaft schreibst, wenn du nur an den Markt oder die Avantgarde denkst, bist du kein Schriftsteller."

Ray Douglas Bradbury, geboren am 22. August 1920 in Illinois, war schon immer besonders an Science Fiction interessiert. Mit seiner Erzählung "Die Mars-Chroniken" gelang ihm 1950 der literarische Durchbruch. Über 500 Kurzgeschichten, Romane, Gedichte, Theaterstücke und Drehbücher hat er zu Papier gebracht. Außerdem wurden ihm unzählige Preise zugesprochen.

Jede Woche eine Kurzgeschichte

Alle in diesem Buch festgehaltenen Essays stammen aus verschiedenen Jahren und geben Einblick in sein Schreibleben. Man erfährt, was er hat tun müssen, um erfolgreich zu veröffentlichen. Gleichzeitig ermutigt Bradbury, die Freude am Schreiben unbedingt festzuhalten.

Am Anfang seiner Karriere als Schriftsteller schrieb er jede Woche eine Kurzgeschichte. Montagmorgen entwarf er die erste Fassung, Dienstag die zweite, Mittwoch die dritte, Donnerstag die vierte und Freitag die fünfte. Die letzte Fassung wurde Samstags verschickt. Je mehr er schrieb, umso stärker wurde sein Bedürfnis weiterzuschreiben.

Ideen durch Assoziation

Die von ihm erstellten Listen, auf denen er Substantive (der Jahrmarkt, das Karussell) notierte, ließen ihn ein Muster erkennen. So erinnerte er sich an ein unschönes Erlebnis als Kind auf einem Jahrmarkt. Noch viele Jahre danach vermied er es, auch nur in die Nähe eines Rummelplatzes zu kommen. Doch als er es Jahrzehnte später doch wieder wagte, entstand eine neue Geschichte.

Oder er wählte ein Wort von einer der Listen und begann, ein Essay dazu zu verfassen. Und ehe er sich versah, wurde daraus eine Geschichte, weil ganz plötzlich eine Figur auftauchte und die Geschichte für ihn beenden wollte. Auf diese Weise entdeckte er, dass die Figuren die Arbeit übernehmen, wenn man sie in Ruhe lässt und ihnen ihre eigenen Fantasien und Ängste zugesteht.

Wie man die Muse nährt und hält

Es sei nicht leicht und niemand habe es je dauerhaft geschafft, so Bradbury. Das Unbewusste oder die Muse – zwei Begriffe mit derselben Bedeutung–sollte Nahrung erhalten. Und wie kann man das umsetzen? Ganz einfach: Hungrig auf das Leben bleiben, indem man sich mit jeder Art von Literatur beschäftigt, nächtliche Spaziergänge unternimmt oder Eigenschaften von Menschen, Tieren, Landschaften oder Ereignissen aufsaugt.

Das Unbewusste, die Muse, ist ja Teil eines jeden Menschen. Man muss ihr nur behilflich sein, auch an die Oberfläche zu gelangen. Ein sehr inspirierendes Buch von einem großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der in seiner Karriere weit mehr als fünfhundert Kurzgeschichten erfolgreich publiziert hat.

Ray Bradbury: Zen in der Kunst des Schreibens. Autorenhaus Verlag 2003, EUR 12,80, ISBN 3-932909-70-4.

M.Trost, privat

Marion Trost - Schon in der Grundschule wurde Marion Trost von Buchstaben und Wörtern beinah magisch angezogen. Sobald sie das russische Alphabet ...

rss