Nach der erfolgreichen Erprobung von LZ 3 und der Übergabe an die Heeresverwaltung musste Zeppelin annehmen, dass jetzt die Wende für seine Unternehmungen gekommen war. Die Lobeshymnen des Kriegsministeriums waren unter anderem auch der Anlass, optimistisch in die Zukunft zu schauen und mit dem Bau des nächsten Schiffes zu beginnen. Mit diesem Schiff sollte die Hauptforderung des Kriegsministeriums, eine 24-stündige Dauerfahrt, zur vollen Zufriedenheit aller erfüllt werden.

Bau und erste Fahrt des LZ 4

Die Fertigstellung des Luftschiffes verzögerte sich aufgrund diverser Schwierigkeiten. Im Juni 1908 war das Schiff endlich fertig gestellt. Durch die größere Länge des Fahrzeuges von jetzt 136 Meter steigerte sich dementsprechend auch das Traggasvolumen auf 15000 cbm. Der Durchmesser des Schiffskörpers betrug jetzt 13 Meter und die Tragkraft stieg auf rund 4000 Kilogramm. Die beiden neuen Daimler-Motoren entwickelten insgesamt eine Leistung von 210 PS.

Unter der Führung von Graf Zeppelin fand am 1. Juli 1909 eine 12-stündige Fahrt in die Schweiz statt. Sie führte über Schaffhausen, Luzern, Zug und Horgenpaß nach Zürich. Danach ging es über Winterthur zurück. Diese Tour zog erneut große Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich und begeisterte die Öffentlichkeit in ganz Deutschland. Das war bis dahin die beste Leistung, die ein Luftschiff vollbracht hatte.

Zweiter Dauerflug nach Mainz und zurück

Die nächste Dauerfahrt war für den 4. August 1909 festgelegt. Gegen 6.20 Uhr stieg LZ 4 auf und nahm Kurs auf Schaffhausen. Weiter ging es dann über Basel und Straßburg den Rhein entlang bis in die Nähe von Oppenheim. Ein Motor fing an zu streiken und Zeppelin veranlasste eine Zwischenlandung auf dem Rhein. Abends konnte das Schiff wieder aufsteigen und erreichte Mainz, das eigentliche Ziel und Wendepunkt der Fahrt. Nach der Wende wurde wieder Kurs auf Stuttgart genommen.

Durch einen weiteren Schaden an einem der Motoren, ein Kurbelwellenlager musste ausgewechselt werden, war die Besatzung zu einer weiteren Notlandung gezwungen. Am frühen Morgen des 5. August 1909 landete LZ 4 bei Echterdingen. Die Reparatur war recht umfangreich und während sie noch im vollen Gange war, zog ein Gewittersturm auf, der LZ 4 von der Seite packte, von der Verankerung losriss und vor sich her schob. Eine kleine Flamme schlug plötzlich aus dem Schiff und wenige Sekunden später lag LZ 4 völlig zerstört am Boden.

Weitere Fahrten und Ereignisse

Das ebenfalls fertig gestellte Luftschiff LZ 5 führte Pfingsten 1909 eine ausgedehnte Norddeutschland-Fahrt durch. Nachdem 1100 Kilometer nach 38 Stunden zurückgelegt waren, musste das Schiff landen. Durch einen Steuerfehler wurde das Schiff schwer beschädigt. Die Bugnase wurde völlig eingedrückt, konnte aber behelfsmäßig repariert werden. Dieses Schiff, das auch bei der ILA in Frankfurt im gleichen Jahr landete, ging später in den Besitz des Heeres über und erhielt die Bezeichnung Z II. Es machte 1910 bei Weilburg eine Bruchlandung.

Aus Mitteln der Echterding-Spende wurde die Gründung einer Bauwerft finanziert. Sie erhielt den Namen „Luftschiffbau Zeppelin GmbH“. In der Anlage bei Manzell wurde LZ 6 noch fertig gebaut. Danach wurde Manzell aufgegeben und neue Werksanlagen entstanden in der Nähe von Friedrichshafen. Im Herbst 1910 wurde LZ 6 durch ein Feuer zerstört.

Gründung der Deutschen Luftschifffahrt AG (DELAG)

Nach Ausbleiben der gewünschten Aufträge zum Bau weiterer Luftschiffe entschied sich Zeppelin für die Gründung eines Luftschiff-Verkehrsunternehmens, der DELAG. Technischer Leiter wurde Dr. Hugo Eckener. LZ 6 wurde kurzzeitig als Verkehrsluftschiff verwendet. Es hatte eine Länge von 144 Metern und ein Fassungsvermögen für Traggas von rund 16000 cbm. Auch die Antriebsanlagen wurden verstärkt. Zum Einbau kamen zwei Daimler-Motoren mit je 115 PS und ein Maybach-Motor mit einer Leistung von 145 PS. Die DELAG wuchs schnell und es entstanden Luftschiffhallen in Düsseldorf, Baden- Oos, Frankfurt a.M., Hamburg und Dresden.

Ein Rückschlag kommt selten allein

Im Juni 1910 war LZ 7 fertig gestellt. Es erhielt den Namen „Deutschland“. Wieder unter persönlicher Führung des Grafen Zeppelin wurde am 19. Juni 1910 das Schiff nach Düsseldorf überführt. LZ 7 war noch größer als LZ 6 und technisch diesem weit überlegen. Bei der zweiten Passagierfahrt mit Pressevertretern an Bord landete das Schiff ungewollt auf den Bäumen des Teutoburger Waldes.

Aus den Trümmern der „Deutschland“ wurde das zweite DELAG-Schiff „Deutschland II“ mit der Baunummer LZ 8 gebaut. Es war genauso groß wie LZ 7 und mit 16,5 m/s genauso schnell. LZ 8 ist am 30. März 1911 erstmals in Friedrichshafen aufgestiegen. Nach mehreren Probefahrten wurde das Schiff im April 1911 nach Düsseldorf überführt und blieb dort für die nächsten 24 Fahrten stationiert. Am 16. Mai sollte der 25. Aufstieg erfolgen.

Durch einen heftigen Windstoß eckte der Schiffskörper bei der Ausfahrt am Tor der „Schleusenhalle“ in Düsseldorf an und wurde dabei stark beschädigt. Die Bodenmannschaften konnten das Schiff nicht unter Kontrolle bringen. Es wurde bei einem noch heftigeren Windstoß sekundenschnell nach oben gehoben und auf das Hallendach geworfen. Der Schiffskörper knickte ein und hing vor dem Eingang der Halle herab. Die acht Personen, die sich an Bord befanden, mussten mit einer Feuerwehrleiter gerettet werden.

„Unglückshalle“ Düsseldorf

Ein Jahr später musste die DELAG wieder den Totalverlust eines Luftschiffes hinnehmen. Diesmal war es LZ 10 „Schwaben“. LZ 10 hatte eine beachtliche Erfolgsbilanz vorzuweisen. Nach 234 glücklichen Fahrten und einer Fahrtenstrecke von 27.123 Kilometern landete das Schiff am 28. Juli 1912 auf dem Platz in Düsseldorf. Wieder war kräftiger Seitenwind der Grund für das Unglück. Es war unmöglich, das Schiff in die Halle zu bringen. Man entschied sich für die Verankerung auf dem Landeplatz.. Der Wind verstärkte sich und riss LZ 10 aus der Verankerung, dabei brach das Schiff auseinander. Das ausströmende Gas entzündete sich und LZ 10 verbrannte völlig. 40 Personen erlitten teilweise schwere Verletzungen.

Trotz der vielen Unfälle und der hohen finanziellen Verluste wurde bei der DELAG der eingeschlagene Weg der Passagierluftschifffahrt weiter verfolgt. Aufgrund der hervorragenden Leistungen der „Schwaben“ waren bereits zwei weitere Schiffe in Auftrag gegeben worden, LZ 11 „Viktoria Luise“ und LZ 13 „Hansa“.

Lesen Sie auch:

Quellen:

  • G. Schmitt & W. Schwipps, 20 Kapitel frühe Luftfahrt, Transpress Verlag, Berlin 1990
  • Sammelwerk Zeppelin-Weltfahrten, Band I , Bilderstelle Lohse, Dresden 1933