
- Marine-Luftschiff L 9 - Unbekannt
Das deutsche Heer und die Marine kauften bei Zeppelin bis Ende Juli 1914 insgesamt 15 Luftschiffe für die Ausbildung der Besatzungen. Im Oktober 1909 erfolgte die Lieferung des ersten Luftschiffes an das Heer. Danach folgten 11 weitere Schiffe, wobei das letzte Schiff die Kennung Z IX trug. Im Oktober 1912 erhielt die Marine ihr erstes Luftschiff mit der Kennung L 1, danach folgten L 2 und L 3 bis Juli 1914. Insgesamt wurden bis dahin bei Zeppelin 25 Luftschiffe gebaut.
Bestandsaufnahme bei Kriegsausbruch
Bei Kriegsausbruch gingen die drei Luftschiffe der DELAG: „Viktoria Luise“, „Hansa“ und „Sachsen“ in den Bestand der Luftschifferabteilungen des Heeres über. Diese wurden ausschließlich zu Ausbildungs- und Schulungszwecken genutzt. Das Heer besaß außerdem noch 9 „Z“-Schiffe. Die Marine hatte am Tag der Mobilmachung nur das Schiff L 3 im Dienst, dem etwas später das Schwesterschiff L 4 folgte.
Alle bei Zeppelin gebauten Schiffe erhielten der Reihe nach fortlaufende Baunummern mit dem vorangestellten Buchstabencode LZ mit einer nachfolgenden Ziffer. Alle Passagierluftschiffe erhielten als Kennung nur einen Namen (z.B. „ Deutschland“). Bei den Militärschiffen wurde eine Trennung von Heer und Marine vorgenommen. Die Heeresschiffe erhielten die Kennung „Z“ (wie Zeppelin) verbunden mit fortlaufenden römischen Ziffern, die Marine nutzte den Kennbuchstaben L (wie Luftschiff) gefolgt von fortlaufenden arabischen Ziffern. Obwohl die bereits in Betrieb befindlichen Schiffe nicht den Anforderungen der Marine entsprachen, wurden 4 weitere Schiffe bestellt. Sie erhielten die Kennungen L 5 bis L 8.
Die Marine-Luftschiffe der Klasse „m“
Die Schiffe L 3 bis L8 zählten zur Klasse „m“. Der Anhang dieses kleinen Buchstaben hinter der Kennung gab Auskunft über die Bauart und Größe des Luftschiffes. Die Luftschiffe dieser Serie waren 158 Meter lang und hatten einen Volumeninhalt von 22.470 cbm. Diese Variante konnte eine Nutzlast von über 9 Tonnen tragen. Die Gesamtleistung der Triebwerke verlieh dem Schiff eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 83 km/h bei einer maximalen Flughöhe von 2500 Metern. Schiffe dieser Serie sind in der Zeit von August 1914 bis Dezember 1914 an die Marine geliefert worden.
Anfang 1915 kam L 9 in den Dienst der Marine. L 9 war ein Übergangsmodell der Klasse „o“ und trug die Baunummer LZ 36. Die Erstfahrt wurde am 8. März 1915 durchgeführt. Es war mit seinen 161,4 Metern etwas länger als die bisher gelieferten Schiffe und blieb auch das einzige dieser Bauart. Durch die Vergrößerung des Durchmessers wurde ein Volumen von 24.900 cbm erzielt. Das Schiff konnte mit dem erhöhten Traggasvolumen bis auf 3000 Meter Höhe mit einer Nutzlast von 11 Tonnen steigen. Der Typ und die Antriebsleistung der Motoren wurden nicht verändert.
Die Marine-Luftschiffe der Klasse „p“
Diese Serie umfasst die Schiffe mit der Kennzeichnung L 10 bis L 19, die nur zwei Meter Länger waren als die der m-Klasse. Durch den größeren Durchmesser des Schiffskörpers konnte ein Volumen von 31.900 Kubikmeter erzielt werden. Die Nutzlast wurde somit auf 16,2 Tonnen gesteigert. Statt vorher drei wurden jetzt vier Motoren installiert, die eine Gesamtleistung von 840 PS lieferten und dem Luftschiff eine Höchstgeschwindigkeit von 96 km/h ermöglichten.
Diese 10 Schiffe belegten die Baunummern LZ 40 + 41, 43, 45 + 46, 48 und 52 bis 54. L 14 wurde versuchsweise mit Motoren unterschiedlicher Leistung versehen. Ab L 15 wurden 4 Motoren mit einer Leistung von je 240 PS eingebaut. Die Auslieferung dieser Serie erfolgte in der Zeit von Mai 1915 bis November 1915. Trotz der stärkeren Motoren und des größeren Volumens konnten die Schiffe dieser Serie nur 200 Meter höher steigen als die der Vorserie. Das letzte Marine-Luftschiff im Jahre 1915 war L 20 (LZ 59) und es machte seine Erstfahrt am 21. Dezember 1915.
Die Heeres-Luftschiffe ab Kriegsbeginn 1914
Die bisherigen Luftschiffe des Heeres trugen die Kennungen Z I bis Z IX. Zusätzlich muss man noch die beiden Ersatz-Schiffe für Z I und das Ersatzschiff für Z II berücksichtigen. Ab Kriegsbeginn kamen von Oktober bis Dezember 1914 noch drei Luftschiffe hinzu, die Schiffe Z X (LZ 29), Z XI (LZ 30) und Z XII (LZ 26). Z X und Z XI entsprachen weitestgehend der Schiffe der m-Klasse. Z XII war ein Typ „n“. Der Schiffskörper war 161,2 Meter lang, maß 16 Meter im Durchmesser und hatte ein Fassungsvolumen von 25.000 Kubikmetern.
Ab Z XII ging das Heer wieder dazu über, die Baunummer als Kennung zu benutzen, Baunummer und Kennung waren jetzt für jedes weitere Schiff identisch. Bis zum Januar 1915 wurden zwei Schiffe dem Heer übergeben – LZ 34 und 35. Dies waren Schiffe der m-Klasse. Die Nutzlast lag bei 8,9 Tonnen. Im März und April 1915 folgten die Schiffe LZ 37 bis LZ 39, die sich aber alle drei in der Typenklasse unterschieden (m, p, o). Bis zum Ende des Jahres 1915 wurden noch weitere 9 Luftschiffe an das Heer ausgeliefert, die alle der p-Klasse zuzuordnen waren.
Als Bombenträger ausreichend, aber hochgradig verwundbar
Marine-Luftschiffe hatten die Aufgabe, mit Angriffs- und Aufklärungsfahrten die deutsche Flotte zu unterstützen. Die Schiffe mussten täglich im Morgengrauen aufsteigen, um bei Tagesanbruch in der Deutschen Bucht für ihren Einsatz bereit zu sein. Drei Schiffe sicherten täglich den Abschnitt vor der Doggerbank bis zur Küste Hollands. Bereits am 14. August 1914 hatte L 3 der Marine die erste Begegnung mit den englischen Seestreitkräften. Die geringe Flughöhe von 800 Metern und die sehr langsame Fahrt brachten das Schiff in eine schwierige Lage. Nur mit knapper Not konnte sich L 3 dem Schiffsartilleriefeuer entziehen.
Die ersten Angriffe wurden Anfang 1915 in einer Flughöhe von 1200 Metern durchgeführt. Schon im Jahre 1917 konnte L 54 (LZ 99) bis 6500 Meter Höhe steigen und bei einer Angriffsfahrt bis zu 4500 kg Bomben ins Ziel transportieren. Erst als die Luftschiffe von der Marine nicht mehr vorrangig zur Fernaufklärungswaffe, sondern zur Fernangriffswaffe deklariert wurden, begann das eigentliche Desaster der deutschen Luftschiff-Flotte. Für die Luftabwehr waren die Zeppeline ein leichtes Ziel, und als die Brandmunition eingeführt wurde, fielen sie wie brennende Fackeln vom Himmel.
Quellen:
- G. Schmitt & W. Schwipps, 20 Kapitel frühe Luftfahrt, Transpress Verlag, Berlin 1990
- Sammelwerk- Zeppelin- Weltfahrten, Band I , Bilderstelle Lohse, Dresden 1933
