Zeppelin-Notlandung in Frankreich

Stimmung in Lunéville„...wie in einem Kriege befindlich“

Die Notlandung eines Zeppelins in Frankreich zeigte die aufgeladene Atmosphäre zwischen den Nationen im Jahre 1913.

Manchmal steckt in Episoden die Stimmung einer ganzen Zeit. Dies zeigt sich am Mißgeschick eines deutschen Luftschiffs und seiner Besatzung, das sich Anfang April 1913 ereignete. Bei schlechtem Wetter verflog sich der Zeppelin, der im Südwesten Deutschlands unterwegs gewesen war. Als die Wolken etwas aufklarten, stellte die Besatzung fest, dass sie ohne es zu bemerken die damals in Lothringen verlaufende deutsch-französische Grenze überflogen hatte. Sie versuchte, nach Deutschland zurückzufliegen und dabei die Festungen nahe der Grenze zu umfahren, um sich keinem Spionagevorwurf auszusetzen. Doch ein starker Wind erschwerte die Umkehr, und Benzinmangel zwang den Zeppelin schließlich zur Notlandung.

Die Franzosen nutzten die Gelegenheit

Die Besatzung, die weitgehend aus Offizieren bestand, entschloß sich zur Landung nahe einer Garnison. Dies sollte sich als gute Entscheidung erweisen, allerdings auch für das französische Militär. Die Deutschen stellten sich unter dessen Schutz und versuchten ihr Fluggerät zu sichern. Selbst eine Einladung des französischen Kommandeurs zum Abendessen lehnten sie ab, eine Finte vermutend, um sie von ihrem Zeppelin wegzulocken. Das Essen wurde ihnen schließlich sogar gebracht. Doch bei aller Vorsicht konnten sie nicht verhindern, dass französische Offiziere das Luftschiff betraten, es vermaßen und eine Reihe von Fotos anfertigten. Am nächsten Morgen wurde die Besatzung trotz aller Proteste sogar von der Flugmaschine ferngehalten, die ein fremder General und eine Art Kommission begutachteten. Schließlich erteilten die Behörden, die Notlage des Luftschiffs und seiner Besatzung anerkennend, die Erlaubnis zur Rückkehr. Doch war vorher noch manches zu erledigen.

Antideutsche Hysterie

Einige der deutschen Offiziere fuhren mit französischen Begleitern nach Lunéville, um Benzin zu besorgen und an die Botschaft in Paris zu telegrafieren. Doch als sie in der Stadt ankamen, wurden sie von einer Menge beschimpft und das Auto, in dem sie saßen, mit Steinen und Stöcken beworfen. „Der Gesamteindruck aller Beteiligten war der, daß sie wie in einem Kriege befindlich behandelt wurden“, fasste einer der Offiziere das Erlebnis zusammen. Es folgte jedoch noch ein Nachspiel. Die Landung des Luftschiffs schien die Fantasie mancher Personen anzuregen und brachte manche Vorurteile an die Oberfläche, die zwischen den beiden benachbarten Nationen bestanden. Wenige Tage später wurden zwei deutsche Kaufleute im Bahnhof von Nancy für Offiziere, womöglich sogar für Spione gehalten. Ein paar Personen begannen sie zu beschimpfen, es entstand ein Menschenauflauf. Die beiden Männer wurden von etwa 200 Personen bedroht und bespuckt, schließlich auch gestoßen und mehrfach geschlagen. Die französische Polizei musste eingreifen, der Vorfall führte zu Verstimmungen im damals ohnehin nicht gerade gut zu nennenden deutsch-französischen Verhältnis. In Berlin diente er den Verfechtern der weiteren Aufrüstung als Argument, um die Heeresvergrößerung im Reichstag zu begründen.

Dieter Hoffmann, Dieter Hoffmann

Dieter Hoffmann - Vielfältige Erfahrungen kommen zusammen: ein wichtiges Buch über die Juden in Rheinhessen. Freier Mitarbeiter bei der ...

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