Archäologische Funde im Gebiet der Stadt Zerbst weisen auf eine Besiedlung durch Schnurkeramiker am Ende der Jungsteinzeit hin. Bis zur Völkerwanderung waren hier Menschen aus germanischen Stämmen wie den Sueben, Wandalen und Hermunduren ansässig. Nach der Abwanderung ließen sich im 6. und 7. Jahrhundert slawische Stämme in dem Gebiet nieder. Seit dem 8. Jahrhundert war dann in diesem Raum die Elbe der Grenzfluss zwischen den germanischen Stämmen im Frankenreich und den Slawen im Osten und Norden.

Das Mittelalter in Zerbst

Die ostfränkischen Herrscher wollten das Gebiet östlich der Elbe unter ihre Oberhoheit bringen. So wollten sie ein Vorfeld schaffen, auf dem die Einfälle der Ungarn abgewehrt werden sollten. Dieses gelang zunächst. So wurde 949 erstmals urkundlich der Gau Ciervisti erwähnt. Es ist zu vermuten, dass es hier an der Stelle der zukünftigen Stadt Zerbst eine befestigte slawische Siedlung gab. Eine Urkunde aus 1003 belegt, dass ein Zerbiste genanntes Gebiet zur damaligen Ostmark des Grafen Gero gehörte. Mit der Erhebung der Lutizen und Abodriten verlor das Ostfrankenreich 983 die Herrschaft über die nördlichen Siedlungsgebiete der Slawen in den Bistümern Havelberg und Brandenburg.

1018 erwähnte Thietmar von Merseburg den Ort urbs Zirwisti im Zusammenhang mit einem Konflikt zwischen König Heinrich II. und dem polnischen Herzog Boleslaw I. Im frühen 12. Jahrhundert begann dann die Zuwanderung von Menschen aus dem Westen des Reiches in die Gebiete östlich der Elbe. Der Markgraf Albrecht der Bär ließ in Zerbst eine neue Burg erbauen. Östlich davon entstand eine Siedlung mit der 1215 geweihten Kirche St. Bartholomäi. Die Marktsiedlung mit der Pfarrkirche St. Nikolai folgte. 1235 wurde das Franziskanerkloster gegründet. Um 1250 entstand die erste Stadtmauer. 1307 erwarb Albrecht I. die Stadt Zerbst und begründete die askanische Herrschaft über die Stadt.

Im Mittelalter wird Zerbst eine bedeutende Stadt. Der seit 1385 auf dem Markt stehende Roland zeugt davon bis heute. Ab 1430 wurde eine neue Stadtmauer mit einer Gesamtlänge von 4,2 Kilometer errichtet. Der größte Teil dieser Stadtbefestigung steht bis heute. Mitte des 14. bis Ende des 15. Jahrhunderts kämpfte Zerbst mit dem Fürstenhaus um städtische Freiheiten. 1522 predigte Martin Luther mehrfach in Zerbst und die Reformation wurde hier eingeführt.

Frühe Neuzeit in Zerbst

1582 wurde im Francisceum das Gymnasium illustre gegründet. Diese Schule hatte eine große Ausstrahlung weit über die Grenzen Anhalts hinaus und existierte bis 1798. Von 1603 bis 1793 war Zerbst die Residenz des Fürstentums Anhalt-Zerbst. Der Dreißigjährige Krieg führte zum Niedergang der Stadt. Erst 1681 konnten die Fürsten von Anhalt-Zerbst mit der Umgestaltung der Wasserburg in ein repräsentatives Schloss beginnen. Diese Arbeiten wurden erst 1760 vollendet. Größere Bedeutung erreichten die 1691 gegründete Gold- und Silberwarenmanufaktur und die 1721 gegründete Fayencenmanufaktur.

Von 1722 bis 1758 wirkte der Barockkomponist Johann Friedrich Fasch als Hofkapellmeister in Zerbst. Er wird neben Bach und Telemann zu den bedeutendsten Komponisten seiner Zeit gezählt. 1745 heiratete Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst den russischen Thronfolger und späterem Zar Peter III. Nach dessen Sturz 1762 bestieg sie als Katharina II. den Zarenthron und regierte Russland bis 1796.

1793 starb die Linie Anhalt-Zerbst aus. Das Fürstentum wurde dann unter Anhalt-Köthen, Anhalt-Bernburg und Anhalt–Dessau aufgeteilt. Die Stadt Zerbst fiel an Anhalt-Dessau. 1806 quartieren sich das 1. Brandenburgische Infanterieregiment und das Kürassierregiment von Buren mit insgesamt 2600 Mann in Zerbst ein. Am 18. Oktober zerstören preußische Truppen auf ihrem Rückzug nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt die Elbbrücke bei Roßlau. Am 18. April 1807 treten schließlich auch die anhaltischen Fürsten dem Rheinbund bei und kämpfen für Napoleon.

Zerbst nach den Befreiungskriegen

1863 wurde im Land Anhalt der Landkreis Zerbst gebildet. Der blieb bis 1952 weitgehend unverändert. Nur die Kreisverwaltung war vorübergehend nach Dessau umgezogen. Der industrielle Aufschwung hielt nur sehr begrenzt Einzug in Zerbst. Mit ihrer Stadtmauer und dem reichen Bestand an historischen Bauten wurde Zerbst als „mitteldeutsches Rothenburg" ein beliebtes Touristenziel. Dazu trug auch die bis 1928 als Pferdebahn betriebene Zerbster Straßenbahn bei.

Zerbst und der Zweite Weltkrieg

Ab 1935 wurde in der Nähe der Stadt ein Militärflugplatz angelegt. Gegen Kriegsende versuchten von hier aus Strahljägern vom Typ Messerschmitt Me 262 die Angriffe alliierter Bomberverbände zu verhindern. Am 16. April 1945 wurde Zerbst selbst durch alliierte Luftangriffe zu 80 Prozent zerstört. Die Stadt brannte vier Tage lang und wurde in dieser Zeit von amerikanischer Artillerie beschossen.

Zerbst in der DDR

Die Altstadt von Zerbst wurde in den folgenden Jahrzehnten neu aufgebaut. Dabei wurden einige historische Bauten rekonstruiert. Andere Bauwerke blieben als Ruinen stehen. Doch das so gerühmte Stadtbild war und ist unwiederbringlich verloren. Im Zuge der Verwaltungsreform von 1952 wurde der damalige Landkreis Zerbst verkleinert. Einige Gemeinden wurden in den neuen Kreis Roßlau eingegliedert. Der neue Kreis Zerbst gehörte zum neu gebildeten Bezirk Magdeburg. 1957 wurde Teile des zu diesem Zeitpunkt aufgelösten Kreises Loburg dem Kreis Zerbst zugeschlagen.

Zerbst nach der Wiedervereinigung

Seit der Wiedervereinigung gehörte der Landkreis Zerbst zum wieder gegründeten Land Sachsen-Anhalt. Mit der Kreisgebietsreform von 1994 ging er im Landkreis Anhalt-Zerbst auf, der aus den Landkreisen Zerbst, Roßlau und Teilen von Gräfenhainichen gebildet wurde. Zerbst war der Sitz der Kreisverwaltung, Zum 1. Juli 2007 wurde der Landkreis Anhalt-Zerbst im Rahmen einer weiteren Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt aufgelöst. Seine Gemeinden wurden auf die neu gebildeten Landkreise Anhalt-Bitterfeld mit der Kreisstadt Köthen, Jerichower Land und Wittenberg aufgeteilt.

Die Stadt Zerbst/Anhalt hat bei dieser letzten Gebietsreform mächtig zugenommen. Über 467 Quadratkilometer umfasst das Stadtgebiet zwischen Elbe und Hohen Fläming seitdem. Das ist nach der Fläche Platz 5 unter den Städten in Deutschland. Diese gewachsene Bedeutung wurde durch eine Namensänderung in Zerbst/Anhalt verdeutlicht.

Mehr zur Geschichte von Zerbst

Heidrun Franke, Dirk Herrmann und Doris Pannier: Zerbst in Anhalt - Ein Stadtführer: Die Geschichte der Stadt mit Beschreibung der historischen Bauwerke und anderer Sehenswürdigkeiten. Taschenbuch, 140 Seiten, Verlag Zerbster Heimatverein, 4. überarbeitete Auflage Zerbst 2009, ISBN 978-3-9803-5318-2

Quellen