Die Regionalisierung und damit die Zersplitterung des gesamt- islamischen Reiches begann etwa in der Mitte des Achten Jahrhunderts, als das muslimische Spanien unabhängig wurde. Schnell folgte das nordafrikanische Maghreb-Gebiet (der westliche Teil mit Marokko und Westalgerien in den 770er Jahren; der östliche Teil mit Tunesien und Ostalgerien um 800 herum, unter Ibrahim ibn al-Aghlab (Aghlabiden)) und auch Ägypten wurde 868 zunächst unter den Tuluniden (Ahmad ibn Tulun) und später unter den Ikhshididen unabhängig. In den 860er Jahren fiel Zentral- und Westiran (Provinz Sistan) an Ya’qub ibn al-Laith as-Saffar und die Saffariden herrschten dort bis etwa 1003.
Der abbasidische Kalif blieb vorerst das Oberhaupt. In den einzelnen Regionen, die fest zum Islamischen Reich gehört hatten, machten sich die von ihm eingesetzten Gouverneure zwar selbstständig und gründeten eigene Dynastien, doch die Bindung an den Kalifen blieb bestehen. Nach und nach verlor sich diese Bindung jedoch, da sich in den auch zuvor nicht so stark kontrollierten Regionen Familien aus eigener Kraft festsetzten.
Die Abbasiden verlieren ihre Vorherrschaft an die Buyiden
Während die schiitischen Fatimiden seit 909 im Maghreb herrschten und dort noch bis 1051 (in Ägypten noch bis 1171) verweilten, verloren die Abbasiden ihre Vorherrschaft an die schiitischen Buyiden. Diese nicht-arabischen Landsknechte besetzten 945 unter Ahmad ad-Daula Bagdad, errangen die Kontrolle über das Kalifat und entmachteten damit die Abbasiden völlig. Der Kalif war nur noch das geistliche Oberhaupt der Muslime.
Der wohl bedeutendste Buyide war Adud ad-Daula, der seit 948 regierte, 974/975 als Oberemir über Bagdad herrschte und 977 die Herrschaft über den Irak übernahm und so dort und im Westiran die Herrschaft der Buyiden ausweitete. Unter den Buyiden kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, da diese die Landwirtschaft und den Handel förderten. Doch da sie keine genaue Erbfolge festgelegt hatten, kam es nach dem Tod Adud ad-Daulas zu harten Machtkämpfen, die die Aufspaltung und Schwächung der Dynastie zur Folge hatten.
Diese Schwächung wurde von den Ghaznawiden ausgenutzt, sie stürzten die Buyiden 1023, wurden allerdings 1040 selbst von den Seldschuken, die nach den Buyiden die Schutzherrschaft über den abbasidischen Kalifen in Bagdad übernahmen, gestürzt.
Die Abbasiden unter seldschukischer Vorherrschaft
Die Seldschuken waren ein lockerer türkischer Stammesverband unter Selcuk, die um 960 den Islam angenommen haben und seitdem den Glaubenskampf für den sunnitischen Islam geführt haben.
Um 1050 hat Toghrilbeg, ein Enkel Selcuks, Nord- und Westiran erobert und ist von dort 1055 Richtung Bagdad gezogen, wo er den buyidischen Emir (der dort noch als Schutzherr über den abbasidischen Kalifen waltete) gefangen nahm. Toghrilbeg ließ sich vom abbasidischen Kalifen als Sultan bestätigen und residierte in Isfahan (Zentraliran).
Nach Toghrilbegs Tod 1063 wurde Alp Arslan, der Sohn eines Bruders von Toghrilbeg, der Nachfolger, doch ein weit bedeutenderer Herrscher als Alp Arslan war dessen Sohn Malik Shah, unter dem das Seldschukenreich maximale Ausmaße annahm; es reichte nun von der Westgrenze Chinas über Transoxanien, den Iran und den Irak bis hin nach Ostanatolien, sogar Teile Syriens gehörten hinzu und im Westen endete es auf der Arabischen Halbinsel.
Nach Malik Shahs Tod 1094 zerfiel das Großseldschukenreich schnell in einzelne Territorien, nicht zuletzt, weil sich wieder einige um die Nachfolge stritten.
Das Aufleben und der Untergang der Abbasiden
1194 endete die seldschukische Oberhoheit endgültig, da sie nie wieder gänzlich die Oberhand gewinnen konnten. Diesen Umstand nutzten die Abbasiden aus, es gelang ihnen, sich gegen die Seldschuken durchzusetzen. Schon al-Mustarshid (reg. 1118-1135) nutzte die Kämpfe seiner seldschukischen Oberherren aus, um wieder Macht zu erlangen, doch erst sein Sohn al-Muqtafi (reg. 1136-1160) übte richtige Macht im Irak aus, konnte sich ein Heer zusammenstellen und befestigte Bagdad. Dessen Sohn al-Mustanjid (reg. 1160-1170) sicherte die Macht der Abbasiden im Irak und brach die Unterordnung unter die Seldschuken endgültig ab. An-Nasir (reg. 1180-1225), der Sohn des al-Mustadi (reg. 1170-1180), schaffte es, den Untergang des Seldschukenreiches 1194 einzuleiten und baute somit die Macht der abbasidischen Kalifen im Irak weiter aus.
Unter an-Nasirs Sohn al-Mustansir (reg. 1226-1242) wurde die abbasidische Herrschaft stark durch die beginnende Mongolenexpansion im Irak bedroht. Da kein Bündnis mit den ägyptischen Ayyubiden oder den anatolischen Rum-Seldschuken gegen die Mongolen zustande kam, konnten letztere 1237 Bagdad angreifen. Die abbasidische Verteidigung konnte die Mongolen in den Iran zurückdrängen, war jedoch geschwächt und unter al-Mustasim (reg. 1242-1258, Sohn des al-Mustansir) konnten weitere Mongolenangriffe die Abbasiden besiegen. Mit dem Angriff auf Bagdad unter Hülägü 1258 und der anschließenden Hinrichtung al-Mustasims endete die abbasidische Dynastie.
Quellen:
Krämer, Gudrun: Geschichte des Islam, dtv München, März 2008, S. 104-112; 128-137
Haarmann, Ulrich (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt, C.H. Beck, München 2001
