
- Die Ringelblume als traditionelle Gartenpflanze - Richard von Lenzano/Pixelio
In alten Bauerngärten blühten Fingerhut und Akelei, Rittersporn, Wildrosen und Ackerringelblume. In vielen Gärten von heute stehen an ihrer Stelle Exoten, die von weit her eingeführt wurden. Weil einige von ihnen verwildern und dabei ihre heimischen Konkurrenten verdrängen, plädieren Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Halle und an der TU Berlin für mehr regionaltypische Pflanzen: Diese seien widerstandsfähiger als die importierten; sie förderten darüber hinaus die regionale Identität sowie die biologische Vielfalt.
Über 200 verwilderte Zierpflanzenarten
Deutschlandweit zählten die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums mehr als 200 verwilderte Zierpflanzenarten. Doch nur auf den ersten Blick sind diese eine Bereicherung: Denn die Forscher stellten zugleich fest, dass invasive Pflanzenarten großen Schaden in einem Ökosystem verursachen können. Zu den problematischen Gewächsen zählen unter anderem das Drüsige Springkraut, Japanknöterich, Herkulesstaude und das Jacobskreuzkraut. Gerade billige Zierpflanzen stellen laut Wissenschaftler die größte Gefahr für die heimische Pflanzenwelt dar: Sie stehen am häufigsten im Blumenbeet und schaffen daher auch besonders oft den Sprung über den Gartenzaun.
Bundesgartenschau 2011 in Koblenz
Die diesjährige Bundesgartenschau in Koblenz hat sich dieses heiklen Themas angenommen und präsentiert auf ihrem über 300.000 Quadratmeter großen Areal regionaltypische Pflanzen für den Garten. Auf der Festung Ehrenbreitstein stehen unter dem Motto "Lernen von der Natur - Biodiversität" acht Themengärten rund um die Vielfalt des Lebens. Dabei veranschaulicht jeder Themengarten einen anderen Aspekt von Artenvielfalt. Im Zentrum der Themengärten beschäftigen sich die Aussteller in einem Informationspavillion mit Fragen der Evolution und der Bedeutung der Artenvielfalt.
Der Botanische Garten Osnabrück als Biotop
Heimische Tier- und Pflanzenarten sind auch in zwei ehemaligen Kalksteinbrüchen auf dem Osnabrücker Westerberg zu bewundern. Der erste Steinbruch ist bereits seit 1984 dem Botanischen Garten angegliedert; der zweite war seit dem Ende seiner Nutzung vor zirka 50 Jahren sich selbst überlassen und wurde erst vor kurzem neu eingeweiht.
Insgesamt 190 Gefäßpflanzen- und Moosarten sind im zweiten Steinbruch des Osnabrücker Botanischen Gartens zu sehen. Dabei stehen fünf der vorkommenden Moosarten auf der Roten Liste der aussterbenden Moose in Niedersachsen. Der Steinbruch beherbergt außerdem ein Fledermausquartier und ein "Insektenhotel". Das Areal soll dem Publikum die Gefahren für die Artenvielfalt vor Augen führen, die unter anderem durch die Ausbreitung von nicht-heimischen Pflanzen verursacht werden.
Anbieter von heimischen Gartenpflanzen
Um die Ausbreitung fremder Arten einzudämmen, empfiehlt der Zentralverband Gartenbau, Gartenabfälle nicht in der freien Natur zu entsorgen, denn dies sei eine der Hauptquellen für das Verwildern von Exoten. Wer sich für heimische Blüher im eigenen Garten interessiert, kann sich beim Verband Deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten informieren, der nachgeprüfte Bezugsquellen listet.
Fotohinweis: Richard von Lenzano / www.pixelio.de
