Zigarren – gerollte Kunstwerke

Bei der Zigarrenherstellung wird Nikotin zum handwerklichen Kleinod

Zigarrendreher - eine Zigarre entsteht - Detlev Beutler
Zigarrendreher - eine Zigarre entsteht - Detlev Beutler
Nikotin ist nicht gleich Nikotin. Zigarren werden von Kennern als kleine, handwerkliche Kunstwerke angesehen und gehandelt. Wie aber entsteht eine Zigarre?

Zweierlei Mass: während Zigarettenraucher im Streit mit den Nichtrauchern eine Niederlage nach der anderen einstecken und vielerorts ins Abseits geraten sind, gilt das Zigarrenrauchen in vielen Kreisen noch als chic und kultiviert. Auch wenn nicht jeder ihren kalten Tabakgeruch mag, die Zigarre umgibt ein Flair von Kultur und Exklusivität. Dazu haben sicherlich Geschichte und Herstellung der gerollten Tabakblätter beigetragen. Allerdings verlangt dies auch seinen Preis.

Für die Zigarre: nur die besten Tabake

Der Tabak gedeiht in den meisten Klimazonen der Erde. So sind viele Deutsche immer wieder überrascht zu erfahren, dass auch bei uns in Deutschland Tabak angebaut wurde. In der Mosel-Region etwa baute man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Tabak für den deutschen Markt an. Für hochqualitative Zigarren jedoch werden nur Tabake aus den subtropischen und einigen gemäßigteren tropischen Regionen verwendet, unter anderem aus Kuba, Brasilien und Sumatra. Die Pflanze wächst üppig und ist einfach anzubauen. Ihre großen Blätter sprießen direkt aus dem dicken, zentralen Stamm. Sie fühlen sich gummiartig an, denn die feinen Härchen, die die Blätter bedecken, sondern ein klebriges Sekret ab. Grün werden die Blätter geerntet und erhalten erst durch das Trocknen, Fermentieren und Reifen ihre typische bräunliche Färbung.

Bis zur ersten Vorform der Zigarre

Der Geschmack der Zigarre wird durch die richtige Mischung der Tabaksorten in der Einlage bestimmt. Ganze Tabakblätter werden für sogenannte Longfiller, kurze oder kleingeschnittene bei den Shortfillern verwendet, Je nach Mischung und Größe der Blätter werden zunächst zwei bis vier so genannte Einlageblätter zu einem Fächer zusammengelegt. Sie bilden den späteren Kern der Zigarre. Sie werden mit einem zusätzlichen Umblatt zur ersten Vorform der Zigarre, der Puppe, gerollt. Was von der Einlage übersteht, wird einfach weggestutzt. In einer kleinen Presse werden die Puppen anschließend etwa eine Dreiviertelstunde sanftem Druck ausgesetzt. Um die perfekte zylindrische Form zu erzielen, müssen sie dabei immer wieder gedreht werden. Dann ist die Puppe fürs Deckblatt bereit.

Das Deckblatt umhüllt die Puppe

Zunächst wird das Deckblatt mit einem halbmondförmigen Messer, dem chaveta, auf die richtige Größe gebracht. Dann wird das Deckblatt fürs Rollen zurechtgelegt. Die Spitze des Deckblatts kommt dabei an den Fuß der Zigarre. Der Grund ist einfach: In der Spitze ist weniger Nikotin enthalten. So werden die ersten Züge angenehm mild. Umgekehrt wird das Ende des Deckblatts, das mehr Nikotin enthält, der spätere Kopf der Zigarre. Die gepresste Puppe wird dann schräg auf das Deckblatt gelegt und sanft gerollt. Mit einem natürlichen Klebstoff, meist wird hier Ahornsirup verwendet, fixiert man das lose Ende. Nachdem die Zigarre fertiggestellt ist wird sie Wochen manchmal sogar Monate unter genau festgelegten Bedingungen getrocknet. Dabei „vermählen“ sich die verschiedenen Tabalsorten und ergeben den typischen Geschmack.

Swen Gummich im Studio, Swen Gummich

Swen Gummich - Name: Swen Gummich Beruf(ung): Wissenschaftsjournalist, Regisseur, Filmemacher Studium: Mathematik, Physik, Ethnologie, ...

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