Das junge Österreich verbot jenen Habsburgern auf immer die Einreise nach Österreich, die bei Ausrufung der Republik nicht den Eid auf die Republik schworen. Viele Habsburger beeilten sich, dies zu tun. Ihnen geschah nichts. Sie wurden nicht belästigt, ihre Güter und ihr Vermögen nicht konfisziert. Nur ihre Namen lauteten je nachdem Habsburg-Lothringen, oder Habsburg-Este, oder Habsburg-Toskana. Die Adelstitel wurden ja ab sofort abgeschafft. Anders war es bei der gesamten Familie Kaiser Karls I., des letzten Herrschers von Österreich. Er hatte ja nicht abgedankt, sondern nur auf die Teilnahme an den Regierungsgeschäften verzichtet - mit vollem Einverständnis seiner Gattin, Kaiserin Zita. Manche Historiker sind davon überzeugt, dass sogar sie es war, die dieses Papier diktierte. "Wenn wir einmal nicht mehr sind", soll sie erregt gerufen haben, "dann kommt Otto", nach Otto dessen Sohn....."
Einreise praktisch ohne offizielle Erlaubnis
Dieses Einreiseverbot hielt bis zur II. Republik. Im Mai 1982 durfte die letzte Kaiserin von Österreich unter dem Jubel der Bevölkerung nach Österreich einreisen, völlig unbehelligt und unter Absingen der lange verpönt gewesenen alten Kaiserhymne "Gott erhalte". Die eiserne Kaiserin hatte doch zuletzt einen kleinen Sieg errungen. Dazwischen lagen ziemlich harte Jahre für die exilierte Kaiserin. Zuerst lebte sie nach dem Tod ihres Mannes Karl im Jahr 1922 als Witwe mit acht Kindern (das letzte, eine Tochter, kam nach seinem Tod) noch in Madeira. Dann ging sie mit Familie und auf Einladung des spanischen Königs nach Spanien, später nach Belgien, um hier ihren Söhnen ein Studium zu ermöglichen.
Otto wird großjährig erklärt und Chef des Hauses
Kronprinz Otto, der dem Vernehmen nach auch im Exil mit Eure Majestät angeredet werden mußte, wurde mit Einverständnis der ganzen Familie bereits mit 18 für großjährig erklärt und damit praktisch zum Chef des Hauses gemacht. Trotzdem blieb seine 1892 geborene Mutter seine erste und beste Ratgeberin. Politisch überaus gebildet und mit Weitblick begabt, brachte sie es zuwege, daß kein Makel auf ihr Haus fiel. In den harten Zeiten der NS-Herrschaft flüchtete sie samt der ganzen Familie nach Kanada, wo sie wichtige Kontakte schloß. Zum Beispiel zu Eleanor Roosevelt, der sie die verzweifelte Lage ihrer Heimat in bewegenden Worten schilderte.
Lebensabend in der Schweiz und in der Steiermark, ihre Version von Mayerling
Ihren Lebensabend verbrachte die immer in Schwarz gekleidete alte Dame im Kloster Zizers in der Schweiz und ab 1982 bei ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn, einem Liechtenstein, in der Steiermark. Einmal produzierte sie noch weltweit Schlagzeilen: Als sie ihre Version der Mayerling-Tragödie einem Redakteur der größten österreichischen Tageszeitung diktierte: "Es war politischer Mord", meinte sie. "Kronprinz Rudolf wurde im Auftrag von Frankreich von gedungenen Mördern ermordet. Die arme Vetsera mußte als Augenzeugin ebenfalls beseitigt werden". Für Historiker aus aller Welt ein gefundenes Fressen. Es war ja allgemein bekannt, daß gerade Kronprinz Rudolf, ein Franzosenfreund gewesen war und viel lieber Frankreich als Bündnispartner gehabt hätte, nicht wie sein Vater Kaiser Franz Joseph, die Deutschen.
Am 1. April 1989 wurde die Ex-Kaiserin ganz nach dem spanischen Hofzeremoniell in der Kapuzinergruft feierlich begraben. Sämtliche Fenster, an dem der Trauerkondukt vorüber mußte, wurden um teures Geld an Schaulustige und an ausländische Fernsehanstalten vermietet. Kaiserin Zita wurde 97 Jahre alt.
