Wer dem deutschen Winter entfliehen möchte, fliegt meist auf die Kanaren oder in die Karibik. Doch man muss gar nicht so weit reisen, um bereits im Februar den Frühling zu genießen. An der französischen Riviera blühen Mimosen und Mandelbäume. Baden ist zwar noch nicht möglich, aber ein Strandspaziergang tut allemal gut bei milden Temperaturen um die 15 °C. Kein Wunder, dass die Badeorte einst bei an Frost gewöhnten Russen ebenso beliebt waren, wie bei Engländern, die den Nieselregen auf der Insel satt hatten. Kuren haben an der gesamten Riviera lange Tradition. Doch auch kulturell wurde und wird einiges geboten in den Orten an der Cote d’Azur.

Die Hauptstadt der Düfte

Übrigens ist es von hier aus nur ein Katzensprung in die Provence. Zwar blüht im Frühling noch kein Lavendel, dennoch lohnt sich ein Besuch in der Metropole der Düfte. Denn für Parfümliebhaber ist eine Fahrt nach Grasse schon fast ein Muss. Wer die steilen Treppen erklimmt, fühlt sich fast ins Mittelalter versetzt. Und diejenigen Besucher, die Süskinds Parfum gelesen oder Eichingers Filmepos gesehen haben, dürfte es einen Schauer über den Rücken jagen. Trieb doch hier Jean-Baptiste Grenouille sein Unwesen. Überhaupt nicht gruselig geht es heute bei einer Führung durch die renommierten Parfümfabriken zu. Ob Fragonard oder Molinard - die meisten Traditionshäuser weihen Besucher gerne in die Geheimnisse der Herstellung edler Düfte ein.

Von Nizza nach Cannes

Jedes Jahr im Februar zieht der berühmte Karneval von Nizza Abertausende Besucher in den Bann. Stiller und weniger laut ist es auf dem Berg Cimiez. Hier in der einstmals genuesischen Residenz aus dem 17. Jahrhundert lebte der Maler Henri Matisse bis zu seinem Tod im Jahre 1954. Die Privatsammlung des Musée Matisse ist ebenso für Besucher geöffnet, wie die Chagall-Ausstellung im „Musée Message Biblique Marc Chagall“. Auch das Museum der schönen Künste (Musée des Beaux Arts) mit Werken von Manet und Degas und das Museum für zeitgenössische Kunst (Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain) mit seiner umfangreichen Pop-Art-Sammlung verliehen Nizza den Ruf einer renommierten Kunstmetropole. Wem nach so viel Kunst und Kultur der Sinn nach Shopping steht, oder wer - wie die Stars beim jährlichen Filmfestival - einmal über die berühmte Promenade flanieren möchte, der fährt nach Cannes.

Menton - ein Geheimtipp für Urlauber

Wer es weniger mondän liebt, dem sei ein Abstecher nach Menton empfohlen. Die Stadt liegt direkt hinter der italienischen Grenze. Sie gehörte bis ins 12. Jahrhundert zur italienischen Grafschaft Ventimiglia und kam danach zu Monaco. Doch den Einwohnern waren – man staune – die monegassischen Steuern zu hoch. Sie entschieden sich 1861 für die Zugehörigkeit zu Frankreich. Typisch französisches Flair sucht man in Menton jedoch vergeblich. Nicht nur die nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Häuser erinnern sehr stark an Italien. Hier wohnen auch viele Norditaliener, die zum Beispiel im benachbarten Monaco arbeiten oder im rund 25 km entfernten Nizza. Schließlich ist seit dem Wegfall der Grenzkontrollen und der Einführung des Euro das Pendeln zwischen den drei Ländern kaum mehr ein Problem.

Menton und seine Zitronen

Es war wohl Goethe, der Italien den schmückenden Beinamen „Das Land wo die Zitronen blühen“ verlieh. Und auch in Menton gehörte der Zitronenanbau lange Zeit zu den wichtigsten Erwerbsquellen überhaupt. Schließlich begünstigen das warme Klima und die geschützte Lage die Kultivierung von Zitrusfrüchten hier im wärmsten Ort an der französischen Riviera. Da verwundert es kaum, dass man 1934 den sauren Südfrüchten ein eigenes Fest widmete. Diese "Fête du Citron“ findet seither alljährlich zwischen Ende Februar und Anfang März statt. Weit über Hundert Tonnen Orangen und Zitronen werden für die Dekoration der Umzugswagen und die Gestaltung der Parkanlage „Parc Biovès“ benötigt. Der Löwenanteil der Zitrusfrüchte wird aus Spanien importiert. Denn diese Unmenge kann der immer noch weitgehend traditionell betriebene Zitronenanbau in Menton nicht liefern. Die Zitronen aus Menton werden zumeist zu Spezialitäten verarbeitet. Nicht von ungefähr ist der Zitronenlikör oder die Zitronenmarmelade ein beliebtes Souvenir bei den Touristen.

Details zum Zitronenfest in Menton

Die „Fête du Citron“ findet vom 18. Februar bis zum 9. März 2011 statt. Im vergangenen Jahr kamen rund 230.000 Besucher nach Menton, um das Zitronenfest zu sehen. 2011 dürften es noch mehr werden. Die farbenprächtigen Umzüge scheinen wie eine Mischung aus Blumenkorso und Karneval von Rio. Und sie stehen stets unter einem speziellen Motto. 2007 drehte sich beispielsweise alles um Indien. Das Zitronenfest 2011 ist unter der Überschrift "Les Grandes Zivilisations" den Römern, Ägyptern und anderen Hochkulturen gewidmet. Über dreihundert Beteiligte sorgen für Musik, Tanz und andere künstlerische Darbietungen. Wem das Spektakel irgendwann zu bunt und zu laut wird, der sollte einen Spaziergang zum „Jardin Biovès“ unternehmen. Dort wurden in liebevoller Kleinarbeit Bauwerke und Skulpturen aus den Südfrüchten gezaubert. Fast 150 Tonnen sollen diesmal dafür benötigt worden sein, um dem 78. Zitronenfest in Menton Glanz zu verleihen. Als Höhepunkt gilt der nächtliche Umzug "Corso nocturne" am Donnerstag den 24. Februar und 3. März 2011. Begleitet wird das Zitronenfest wie in jedem Jahr von der Internationalen Orchideenausstellung und der regionalen Handwerksmesse im "Palais de l’Europe" von Menton.

Die Gärten von Menton und ein Besuch im Museum

Auch die Parks und Gärten der Stadt sind eine Augenweide. Im ältesten Garten von Menton, dem „Jardin du Palais Carnolès“ kann man die zwischen den Zitronenbäumen versteckten Skulpturen bewundern. Der „Jardin de la Villa Marina Serena“ ist ebenso wie der botanische Garten „Jardin Botanique Val Rameh“ Heimat für zahlreiche subtropische Pflanzen. Wer lieber ins Museum geht, hat die Wahl zwischen den Gemälden im „Musée des Beaux-Arts“ des Palais Carnolès und dem Prähistorischen Museum. Letzteres besitzt mit dem Schädel des sogenannten Grimaldi-Menschen ein wertvolles und einzigartiges Fundstück aus der Frühgeschichte der Menschheit.

Bildnachweis: © Privatfotos der Autorin vom Zitronenfest 2007