Zoll und Justiz versteigern im Internet

Virtuelle Auktionshäuser von Bund, Ländern und Gemeinden

Luxusuhren - auch im Auktionshaus - Karl-Heinz Liebisch
Luxusuhren - auch im Auktionshaus - Karl-Heinz Liebisch
Es weht frischer Wind auf dem Online-Marktplatz der Versteigerungen. Als Konkurrenten zu Ebay treten Justiz, Zoll und Polizei auf.

Auch Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden, Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts treten als Anbieter bei Auktionen auf. Die öffentliche Verwaltung versteigert gepfändete, beschlagnahmte und ausgesonderte Artikel und macht sie so für die Staatskasse zu Geld.

14 Rubriken von Bekleidung bis Wohnen

In 14 Rubriken kann so ziemlich alles ersteigert werden. Unter Elektronik findet man Computer, Laptops, Drucker und Plotter, Geräte der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik wie Spielekonsolen, Fernseher, Kameras und Handys und DVDs aber auch elektronische Ersatzteile und Zubehör. In der Rubrik Fahrzeuge hat man die Auswahl zwischen gepflegten Behördenjahres- und Gebrauchtwagen, Nutzfahrzeugen, Motorrädern, Anhängern und sogar Booten. Wer sich für Bekleidung interessiert, findet sein nächstes Paar Stiefel oder eine schicke Lederjacke vielleicht in der aktuellen Zoll-Auktion. In der Kategorie Wertsachen kommen Schmuck, Uhren, Münzen und Briefmarken unter den virtuellen Hammer. Man kann für Genussmittel wie Spirituosen und Kaffee genauso bieten wie für Parfum und Kosmetik, Werkzeuge und Maschinen, Teppiche, Sport- und Freizeitgeräte.

Immer wieder einen Blick zu riskieren, lohnt sich, denn oft kann man regelrechte Highlights aber auch Kuriositäten in der Zoll-Auktion entdecken. So wurde schon eine Pferdekutsche wie selbstverständlich angeboten, aber auch ein schnittiger Sportwagen; ein betagtes Grammophon wartete auf seinen neuen Besitzer, ebenso der aktuelle Videobeamer; von der Schwimmweste bis zum Polizeiboot reicht die bunte Angebots-Palette.

Alle Angebote mit Beschreibung und Foto

Alle angebotenen Gegenstände sind sehr detailliert beschrieben. Die Angebote werden mit Fotos dargestellt und bei sehr hochwertigen Gegenständen sind auch Gutachten beigefügt. Ein Minimalgebot ist vorgegeben, Beginn und Ende der jeweiligen Auktion klar benannt.

Interessenten, die gerne bieten möchten, müssen sich zuvor online registrieren, um freigeschaltet zu werden. Während der Auktion erhalten die Bieter eine Benachrichtigung per Mail sowie sie überboten wurden bzw. falls sie den Zuschlag für eine angebotene Sache erhalten haben. Ein weiterer Service der Zoll-Auktion ist ein elektronischer „Biet-Agent“, der automatisch bis zu einer vom Bieter zuvor festgelegten Höchstgrenze mitbietet. Nach Bezahlung können die ersteigerten Artikel in der Regel bei den teilnehmenden Dienststellen abgeholt oder in einigen Fällen auch zugesandt werden. Dann trägt der Ersteigerer allerdings die Kosten und das Risiko für den Transport.

Auktionshaus der öffentlichen Hand

Es sind die unterschiedlichsten Behörden, die als Anbieter bei der Zoll-Auktion auftreten: Ministerien des Bundes und der Länder, Bundesämter, zahlreiche Stadt- und Gemeindekassen, Bundes- und Landespolizeidienststellen, Staatsanwaltschaften, Wasser- und Schifffahrtsämter, Forstämter, viele Finanzämter sowie die Dienststellen der Zollverwaltung. Die Zoll-Auktion ist das „virtuelle Auktionshaus“ der öffentlichen Hand.

Günstige Fahrzeuge von Polizei und Bundeswehr

Wer schon immer mal einen Pkw der Polizei oder einen tarnfarbenen Bundeswehr-Jeep fahren wollte, kann ihn jetzt ebenso wie einen Lkw oder aber auch Landmaschinen, Motorräder, Boote und vieles mehr günstig von Bundeswehr oder Polizei ersteigern. Die Polizei sondert regelmäßig ihren unwirtschaftlich gewordenen Fahrzeugbestand aus und gibt ihn zur Versteigerung frei. Da kann auch mal ein Unimog dabei sein. Auch die Bundeswehr bietet im Fahrzeugbereich so gut wie alles an: Motorräder, Pkw vieler Marken, Lkw, Nutzfahrzeuge, Transporter, Busse, Gapelstapler, Zugmaschinen, Schlepper, Anhänger, bis hin zu Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen.

Elf Bundesländer – eine Justiz-Auktion

Seit Januar 2010 können gepfändete Gegenstände im Internet versteigert werden. Das virtuelle Auktionshaus der Justiz bietet neuerdings diese Plattform für Gerichtsvollzieher im Internet. Die Landesjustizverwaltungen von insgesamt elf Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) stehen hinter dem gemeinsamen Online-Auftritt. Es tritt ausschließlich die Justiz als Anbieter auf, also Gerichte, Staatsanwaltschaften, Justizvollzugsanstalten und die Polizei.

Früher wurde mit einem Aushang am jeweiligen Gericht über eine anstehende konventionelle Versteigerung informiert. Zu diesen Terminen kamen nur die Insider. Das Online-Auktionsportal erreicht nun ein breiteres öffentliches Publikum.

Schmuck zum Goldwert

Die Seite der Justizauktion ist bunt gemischt. Die Staatsanwaltschaft Bonn bietet neue Herrenslipper von Tommy Hilfiger in Größe 41 an, die Kollegen in Hagen haben einen Herrenduft von Chanel ins Netz gestellt. Wie bei der Zoll-Auktion gibt es Möbel, Computer, Unterhaltungselektronik, Zigaretten und Spirituosen. Das Startgebot liegt stets erheblich unter dem Wert. So wird bei Schmuck zum Beispiel nur der Goldwert veranschlagt.

Viele Objekte haben in Straf- und Ermittlungsverfahren als Beweisstücke gedient. Andere Gegenstände stammen aus dem Fundbüro, waren Beutestücke oder gepfändet. Mit den Erlösen möchten die Betreiber einen Teil der Ermittlungskosten decken.

Angelika Fiedler , A. Fiedler

Angelika Fiedler - Berliner Pflanze von Geburt, früh in die NRW-Landeshauptstadt umgetopft, lebt heute mit Mann, Söhnen und Hund in der Nähe ...

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