Zombies Ate My Neighbors

Schaurig-schöne Arcade-Action für die Konsole

Zombies für den Sega Mega Drive - Dominik Krug
Zombies für den Sega Mega Drive - Dominik Krug
Der vormals sehnlichst erwartete und jüngst für Nintendos Virtual Console neu aufgelegte Titel ist auch heute für Arcade-Gamer und Horrorfilmliebhaber eine Offenbarung.

Ghoule, Riesenbabys, Axtschwinger – alles keine Seltenheit mehr in der Nachbarschaft. Zumindest seit Lucas Arts 1993 die Zombies auf uns losgelassen hat. Was da nur hilft? Die Wasserpistolen durchladen, die 3D-Brille aufsetzen, den Controller in die Hand und ab dafür – auf einem spaßigen Trip durch die B-Movie-Filmgeschichte.

Die 1990iger – Zenit der Konsolen und des Super Nintendo Entertainment Systems

1993. Das Super-Nintendo Entertainment System, kurz SNES, dominiert den Konsolenmarkt. Aber der Ruhm bröckelt. In knapp einem Jahr wird Sony mit seiner Play Station auf dem Markt drängen und über kurz oder lang den 3D-Trend mit Titeln wie Tomb Raider auslösen. In dieser Zeit entstehen in den Spieleschmieden noch einmal Games, die das SNES bis an seine Grenzen treiben und Maßstäbe im 2D-Gaming setzen. Ein eher still und heimlich erschienenes Genre-Juwel wird erst im Laufe der Jahre zum Klassiker gekürt werden: Das von Lucas Arts kreierte und von Konami vermarktete Zombies Ate My Neighbors (in Europa kurz: Zombies) genießt heute Kultstatus.

Zombies Ate My Neighbors - Co-Op Play auf fast 50 untoten Karten

In Zombies schlüpft das Spieler-Duo in die Rolle zweier Teenager, Zeke und Julie, und setzt sich kein geringeres Unterfangen zum Ziel, als die Welt zu retten – vor Horden von Monstern und Fabelwesen, die der verrückter Professor Tongue in seiner Hexenküche erschaffen hat. Mehr Story braucht ein Arcade-Titel bekanntlich nicht.

Fortan müssen die beiden Helden in knapp 50 unterschiedlichen Leveln ihre Nachbarn retten – wobei sie ihre Reise in ihrer Nachbarschaft, inklusive Industrievierteln, Einkaufszentren, Hinterhöfen und Wohngebieten bis in ägyptische Wüsten oder finstere europäische Schlösser führt. Die einzelnen Welten hören dabei auf solch ironieträchtige Namen wie „Nightmare on Terror Street“, „Dancing With Werewolves“ oder „Evening oft he Undead“.

Verfolgt wird die Action aus einer Top down-Perspektive, die stets Übersicht bietet aber auch die verspielten Details der Level nicht zu kurz kommen lässt - etwa hier und da aufgestellte Trampoline, über die die Spielfigur über Zäune und Mauern springen kann, als gehörte sie zur Gummibären Bande. Es wird deutlich, dass hier alles mit einem Augenzwinkern zu betrachten ist – ein Punkt, der den besonderen Charme dieses Games ausmacht. Der andere Faktor: Die bunte Monsterschar.

Jason, Freddy und Graf Dracula – Eine Reise durch die Geschichte des Horrorfilms

Was wären die erwähnten schaurig schönen Orte, ohne Leben? Oder vielmehr Tot. Denn hier geben sich die (Untoten-)Ikonen der Horrorfilme der 50iger bis 80iger Jahre die Klinge in die Hand. Ob Ghoule oder Zombies, Vampire, Werwölfe, Mörderpuppen, Marsianer, Mumien, Wassermonster…die Liste liest sich wie das Einmaleins der Monster.

Zum Glück können sich die Protagonisten einem reichhaltigen, zweckentfremdeten Arsenal bedienen und sich so zur Wehr setzen. Gegen Werwölfe eignet sich vor allem Omas Silberbesteckt, Außerirdische können reife Tomaten nicht leiden, gegen Kleiner-Horror-Shop Schattengewächse, wie könnte es anders sein, wird der Rasenmäher ausgepackt. Zur Standartbewaffnung zählt die mit Weihwasser gefüllte Wasserpistole.

Wenn die Übermacht der Monster, etwa in zahlreichen Bosskämpfen gegen Riesenbabys oder den Fürst der Finsternis zu groß wird, greift man auch schon mal zur Bazooka oder zu einem der kuriosen Zaubertränke, die entweder Unsterblichkeit versprechen oder Zeke und Juli ebenfalls in Monster verwandeln – und diese so eine Schneise der Verwüstung in den Reihen der Gegner schlagen.

Liebe zum Detail, denkwürdiger Soundtrack und eine Prise Ed Wood

Besonders weiß die angesprochene Liebe zum Detail zu gefallen. Knallharten Soldaten schlottern die Knie, wenn ein Zombie zu nah kommt, in manchen Leveln wird es langsam dunkel und nach Einbruch der Nacht verwandeln sich die mit Fotoapparaten bewaffneten Touristen in Werwölfe und Icehockey-Masken tragende und Kettensägen schwingende Psychopaten brechen durch Heckenlabyrinthe.

Spezielle Erwähnung gebührt dem genialen Soundtrack, der das Feeling der B-Movies eines Ed Wood perfekt einfängt und charmant die zwar gruslige, aber stets parodistisch angehauchte Szenerie, die von Liebe zum Genre und zum Film strotzt, gekonnt untermalt.

Was man jedoch nicht erwarten darf: Zombies bietet kein vor Features nur so strotzendes Gameplay, keine packende Story oder ausgefeilt intelligent agierende Gegner. Es ist was es ist. Ein Arcade-Titel, in den man sofort einsteigen und Spaß haben kann. Hier geht es rein um schnörkellose Unterhaltung. Und diese wird par excellence geboten.

Ich folgte einem Zombie

Es wunderte also nicht weiter, dass Zombies ein paar Jahre später einen Nachfolger spendiert bekam. Ghoul Patrol kann jedoch leider in keiner Weise an das Vorbild anknüpfen – an vielen Stellen ist der Bruch charmant-parodistischen Original einfach zu krass.

Eine Zäsur, die wohl gemerkt auch beabsichtigt war, schließlich sollte Ghoul Patrol ursprünglich ein eigenständiges Spiel werden, in das aus Vermarktungsgründen die Hauptcharaktere Zeke und Julie integriert wurden. Die Fans belohnten das Unterfangen mit Nicht-Beachten und so starb die vielversprechende Francise einen frühen Tod – und mit ihr starb fast gleichzeitig das SNES.

Totgesagte leben länger

Aber eines war klar: Ein Spiel mit solcher Thematik konnte nicht lange unter den Toten weilen. Während Fans früh für ein Remake oder einen würdigen Nachfolger Petitionen einreichten, machten sich Programmierer, zum Teil selber Fans erster Stunde, daran, ähnliche Spiele zu erschaffen. Einige sind heute selber zum Kult erhoben worden.

So beruht Capcoms X-Box 360-Streich Dead Rising zum Teil auf dem hier besprochenen Arcade-Klassiker, aber auch das jüngere Monster Madness - Battle For Suburbia kann seine deutlichen Anleihen nicht verhehlen – leider mit geringem Erfolg, da trotz guter Ansätze der Charme und der Simplizismus eines Zombies Ate My Neighbors unerreicht blieb.

Warten auf Godot

Nintendo selbst erhörte die Gebete erst in 2009 und fügte Zombies endlich ihrer Virtual Console-Palette hinzu – mit brausendem Erfolg. Das Game weiß offenbar auch heute noch so zu faszinieren wie damals, auch ohne zeitgemäße Grafik und überbordernd-komplexes Gameplay.

Bleibt zu hoffen, dass wir vielleicht in absehbarer Zeit tatsächlich einen dem Original treuen Nachfolger spendiert bekommen. Man kann zuversichtlich sein, denn: Wenn kein Platz mehr in der Hölle ist, kommen die Toten zurück auf die Erde. Und sie kommen, um dich zu holen…Barbara.

Zombies Ate My Neighbors ist erschienen für das Super NES und Segas Mega Drive. Heute ist es erhältlich für die Nintendo Wii Virtual Console, Kaufpreis 800 Wii-Points.

Dominik Krug, Nina Mertens

Dominik Krug - Dominik Krug, geboren am 24.08.1985 in Frechen und aufgewachsen in Bergheim im Rhein-Erft-Kreis. Von 1992 bis 1996 besuchte er die ...

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