Zons: Ein Kleinod zwischen Mauern

Die Zollfeste - Beliebtes Ausflugsziel zwischen Köln und Düsseldorf

Seit Jahrhunderten ist die Zollfeste uneinnehmbar - Barbara Ochs
Seit Jahrhunderten ist die Zollfeste uneinnehmbar - Barbara Ochs
Das mittelalterliche Städtchen ist mit seinen Sehenswürdigkeiten und seiner idyllischen Lage am Rhein ein Touristenmagnet. Zu Recht, wie sich bei einer Stadtführung zeigt

Proper glänzen die Bronzeschweine am Zonser Schweinebrunnen in der Sonne. Ihre Rücken sind blank geputzt von den Hosenboden unzähliger Besucher der Zonser Altstadt. Eine halbe Million sind es jedes Jahr, die das kleine Städtchen aufsuchen – nahezu ebenso viele wie sich Loch Ness oder das historische Troja ansehen. Wer als Gruppe einen Tagesausflug in das „rheinische Rothenburg“ startet, kann bei der Tourist-Info einen Stadtführer buchen, der tagsüber oder auch nachts als Nachtwächter die vielen historischen Gegebenheiten rund um die mittelalterlichen Gemäuer zum Besten gibt.

Regelmäßige öffentliche Führung jeden ersten Sonntag im Monat

Die Teilnahme lohnt sich auch für Zonskenner, denn die erfahrenen Stadtführer kennen zu fast jedem Haus die Geschichte und Geschichten. Anekdoten und Gerüchte – das gehört dazu. „Ich sage allerdings immer dazu, wenn eine Geschichte unbestätigte Historie ist“, versichert Guido Schenk den Teilnehmern am Stadtrundgang. Die Führung startet am Rheintor. Das prägnante viereckige Bauwerk gehört zu den höchsten der Altstadt und vereint zugleich die wichtigsten Stationen Zonser Geschichte in sich.

Der 26 Meter hohe Turm wurde 1388 erbaut, kurz nachdem Erzbischof Friedrich von Saarwerden begonnen hatte, das Fischerdorf Zons zur Einholung des Rheinzolls zu nutzen und in nicht einmal 20 Jahren zur uneinnehmbaren Festung auszubauen. Der Turm wurde gebraucht, um die wertvollen Einnahmen zu schützen, die den auf dem Rhein fahrenden Schiffen abgeknöpft wurden. 20.000 Goldgulden waren das pro Jahr, erklärt Stadtmarketingchef und Stadtführer Guido Schenk. Wie viel das ist, wird deutlich, wenn man weiß, dass für einen Goldgulden drei Schweine oder 26 Gänse gekauft werden konnten. Und wie stark diese Schätze gesichert wurden, wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Festungsmauern wirft. Heißer Tipp: Unter die Festungsmauern gelangt man im Gewölbekeller der Torschenke, einem Restaurant direkt neben dem Rheintor, im vermutlich ältesten Haus der Zollfeste.

Zoll und Verteidigung – zwei allgegenwärtige Themen

Die Altstadt ist bis heute komplett umschlossen von einer hohen Mauer, gesichert durch Wachtürme und Schießscharten. Ein 1.100 Meter langer Fußweg führt um die Mauer der etwa 260 mal 310 Meter großen Altstadt herum. Nur zwei Zugänge, das Feldtor im Südsüdwesten und das Rheintor im Norden, gab es in früheren Zeiten auf der Landseite. Ein kleiner Durchgang im Osten und das Südtor liegen direkt am früheren Rheinbett. Der Rhein, der mit seinen Zöllen die wichtigste Einnahmequelle der Stadt war, verschiebt sich nach Hochwasser und Durchbrüchen im Mittelalter immer mehr von der Stadt weg, trennt sie 1374 schließlich von ihrer Mutterkirche St. Maternus und dem Haus Bürgel, das heute rechtsrheinisch liegt.

Dennoch setzt Zons bis in die Zeit der französischen Besatzer viele Jahrhunderte auf den Rheinzoll. Erst die Dampfschiffe, die an der Zollstation einfach vorbeifahren, machen der Einnahmequelle Anfang des 19. Jahrhunderts ein endgültiges Ende. Stattdessen begann der Tourismus die Stadt zu bereichern, zusätzlich gefüttert durch die zahlreichen Maler der Düsseldorfer Kunstschule, die in Zons Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Sommerfrische verbrachten und so die Stadt hundertfach als Motivgeber nutzten.

Vom Rheintor aus führt der Weg in die Stadt an den ältesten Häusern der Altstadt vorbei. Sie entstanden 1620, nach dem dritten und letzten großen Stadtbrand innerhalb von 150 Jahren, in denen nahezu alle älteren Häuser zerstört wurden. Zwar wurde Zons von politischen Feinden niemals eingenommen, aber von natürlichen, wie Guido Schenk erklärt. Große Feuer traten nach 1620 nicht mehr auf, wohl aber zerstörerische Hochwasser. Bis 1928 der Rheindamm gebaut wurde, sorgten sie teilweise für anderthalb bis zwei Meter hohe Überflutungen der Häuser. Die Zonser lebten damit und bauten einfach Häuser, deren Eingang im ersten Stock liegt.

Schloss Friedestrom trägt einen Phantasienamen

An schmucken Gasthäusern mit teils Jahrhunderte alter Tradition führt der Weg der Gruppe vorbei bis zum Schloss Friedestrom. Das Schloss, das eigentlich eine Burg ist, bekam seinen Namen von seinem Erbauer, Friedrich von Saarwerden, und dem nahen Rheinstrom. Vom Schlossgelände, auf dem heute das Kreismuseum, das Kreisarchiv und das Internationale Mundartarchiv „Ludwig Soumagne“ untergebracht sind, gelangt man in den idyllischen Schlossgarten und von dort durch das an den Wochenende geöffnete Südtor. Zwei Zugbrücken und Wassergräben sicherten in früheren Zeiten diesen Zugang. Sie machten Zons selbst nach langer Belagerung uneinnehmbar. Heute finden vor den Toren auf einer Freilichtbühne Aufführungen von Operetten, Märchen und Konzerten statt.

An der südlichen Spitze der Altstadt, auf einem ehemaligen Wachturm erbaut, steht die alte Mühle. Die Holländergaleriemühle, die 1477 erstmals erwähnt wird, gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. Bis 1907 wurde hier das Getreide der Stadt gemahlen. Zusammen mit dem "Juddeturm" und der St. Martinuskirche ist die Mühle ein prägnantes Element der Stadtsilhouette.

Martinsmuskirche ist beliebte Location für Hochzeiten

Die mit nicht einmal 150 Jahren noch junge Martinuskirche, die im Zentrum der Altstadt steht, ist übrigens mit seiner neugotischen Bauart und dem üppigen Altarraum ein solche beliebter Ort für Hochzeiten geworden, dass sich der Pfarrer gezwungen sah, nur noch Zonsern die Eheschließung dort zu erlauben. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts der Ort in seinem Aufstreben als Wallfahrtsort der Marienverehrung gestoppt wurde, indem man kurzerhand die Madonna auf dem Speicher des Pfarrhauses versteckte, dürfte damit auch der Hochzeitstourismus gebremst sein.

Barbara Ochs, Arianne Ruppel

Barbara Ochs - Meine journalistische Ausbildung hat mir das nötige Rüstzeug aus Wissen und Können verschafft, um mich in Ihre Themen ...

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