Das jährlich stattfindende internationale Symposium „ZooKunft“, an dem sich vornehmlich Länder des deutschsprachigen Bereiches beteiligen, ist zu einem wichtigen Forum für Diskussionen, Kritik und Informationen des Naturschutzes und der Zooentwicklungen geworden. Jedes Treffen steht unter einem bestimmten Motto und dient dazu sich auszutauschen und neue Wege im Bereich der Tierhaltung in Zoos und Tierparks zu gehen.

Wer oder was ist Quantum Conservation e. V. ?

Gegründet wurde der als gemeinnützig anerkannte Verein im März 1994 in Varel am Jadebusen, Friesland. Die etwa 45 Förder- und Vollmitglieder sind sowohl Personen aus dem Zoobereich, Wissenschaftler, Zoologen als auch zooaffine Menschen aus den verschiedensten Berufen. Zielsetzung des Vereins ist die Förderung von Natur- und Artenschutz sowie die Weitergabe von dazugehörigen Informationen. Darüber hinaus beteiligt sich Quantum auch an In-situ Natur- und Artenschutzprojekten.

Thema in Innsbruck: Haltung und "richtige" Präsentation einheimischer Wildtiere

Viele verschiedene Wege führen ans Ziel. Es gilt nicht nur, sich an bestehende Tierschutzgesetze zu halten, sondern mehrheitlich, das Optimum (unter Berücksichtigung der finanziellen Mittel) für die Tiere zu ermöglichen. Gleichzeitig muss aber auch der Besucher zufrieden nach Hause gehen und soll auch noch ein Mehr an Wissen mit nehmen. Für das Tier Rückzugsbereiche schaffen, für den Besucher Einsichtsbereiche - ein Spagat, der nicht leicht zu schaffen ist.

Die Vortragenden beim Meeting in Innsbruck

Breit gefächert war demgemäß die Auswahl der Referenten beim Treffen 2012 in Innsbruck: Udo Gansloßer (Zoologisches Institut Greifswald), Monika Fiby, Pascal Gysin, Kieran Stanley und Jörg Schneider (Landschaftsarchitekten), Michael Martys, Dirk Ullrich, Wolfgang Festl, Hans-Jürgen Schröder, John David Bauder und Christiane Böhm als Vertreter der Zoos, Rüdiger Schmiedel, Janine Bahr, André van Gemmert als Vertreter des Tierschutzes und andere. Sie alle zeigten auf, dass man nicht nur gegeneinander, sondern vor allem auch miteinander arbeiten kann.

Einige Highlights aus der ZooKunft 2012 heraus gepickt

  • Der Alpenzoo - Einblick in alpine Lebensräume
Der Alpenzoo, ein räumlich und auch von der Thematik sehr begrenzter Zoo (Themenzoo-Alpentiere), zeigte vor, wie man mit gutem Bemühen den präsentierten Tieren im Laufe der Jahre immer bessere Haltungsbedingungen zaubern kann. Peu à peu wird der ganze Alpenzoo umgekrempelt. Mit Tricks, welche das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes in die Gehege locken und ihnen damit neue Einblicke ermöglichen. Die Überzeugungskraft der eigenen Begeisterung zeigt sich nicht nur beim Meetingpublikum, sondern auch darin, dass man immer wieder Sponsoren für die diversen Bauvorhaben findet. Ein Lob an die Ära Martys - nicht nur Dr. Pechlaner wusste zu überzeugen.

  • Udo Gansloßer - Vielfalt des Verhaltens
Dr. Udo Gansloßer , Priv.Doz. für Zoologie am Zool. Institut und Museum der Universität Greifswald, legte in einem mitreißenden Vortrag dar, wie wichtig über Tiergenerationen hinaus die richtige Haltung und das Erhalten der Vielfalt von Verhaltensweisen, besonders im Hinblick auf Artenschutz und Wiederauswilderung, sind.

Ein Äffchen, das in einem Gehege gehalten wird, dessen Klettermöglichkeiten aus haltbaren, leicht pflegbaren Ersatzmaterialien für echte Bäume, Lianen bestehen, fällt bei der Auswilderung todsicher vom Baum, weil es die natürlichen Materialien einfach nicht gewöhnt ist. Tiere hingegen, die bereits in der Obhut von Zoos in optimierten Lebensräumen gehalten werden, sich möglichst auch noch den Partner frei wählen können, geben die eigene Gesundheit und Vitalität auch an ihre Jungen weiter (Epigenetik) und das über mehrere Generationen hinaus. Ein wichtiger Punkt für Wiederansiedelungsprojekte.

Umgekehrt kann sich ein Lebewesen so an schlechte Haltungsbedingungen gewöhnen, dass es sogar überfordert ist, wenn man es von heute auf morgen in gute Bedingungen umsiedelt (When good animals love bad habitats). Gute Aufzucht mit guten Umweltbedingungen, guter Ernährung und Enrichment sind das Grundelement für erfolgreiche Arterhaltung.

  • Zoologischer Garten Osnabrück - Vergesellschaftung als Tipp
Was bei Vergesellschaftung von Tieren herauskommen kann, das hat Osnabrück mit Tips und Taps vorgezeigt. Aus einem "zoologischen Unglücksfall", der Paarung eines Eisbären mit einer Braunbärin und den "artenunreinen" Nachkommen (Hybridbären), hat der Zoo das Beste gemacht. Nicht die unschuldigen Jungtiere geopfert, sondern den Spieß umgedreht und sie als "natürliche Folge der Klimaerwärmung", als "Klimabären" präsentiert. Der Zoo als Abbild der Geschehnisse in der Natur, denn genau das passiert in nordamerikanischen Polar-Gebieten in den letzten Jahren: Kaffeebraune Mischlinge aus Grizzly- und Eisbären.

Wie man Vergesellschaftung nicht machen soll, daraus haben sie die Lehren gezogen. Dass aber Rentier und Wisent gut zusammenpassen, Bären und Silberfüchse sich gegenseitig behavioural Enrichment liefern (die Bären jagen spaßweise mal hinter den Füchsen her, die Füchse im Gegenzug klauen den Bären das Futter), wäre ganz im Sinne von Dr. Ganslößer. Auch Waschbären und europäischer Nerz leben mit gegenseitigen Interaktionen abwechslungsreich zusammen. Das Publikum hat darüber hinaus ein Mehr an Aktion zu bestaunen.

  • Der Beitrag der Landschaftsarchitektur
Ein Landschaftsarchitekt, Pascal Gysin, zeigt am Beispiel Tierpark Lange Erlen, Basel, wie man vorhandene Natur wieder reanimieren kann. Dabei dem Besucher wunderbar Natur nahe bringen kann und gleichzeitig den Tieren verbesserte Lebensbedingungen liefert. "Wir wollen Fenster zur Natur vor der Haustür sein", ist sein Credo.

Geradezu konträr dazu das Konzept in Hannover, die Yukon Bay. Zwei Ansätze, zwei exemplarische Ergebnisse für Tier und Zuschauer.

Ein weiteres Beispiel ist die "Nichtpräsentation" der Tiere durch die verschiedenen Bärenparks, deren Credo lautet: "Niemand präsentiert besser als die Natur."

  • John's kleine Farm - alltägliche Tiere als Programm
Ein weiteres Beispiel, wie es gelingen kann mit "alltäglichen" Tieren, die Liebe des Menschen zum Tier zu fördern! Das Zwergmausnest und die Riesenhalme ermöglichen es Kindern spielend, sich als Maus zu fühlen.

Jeder Referent fügte dem Puzzle "Zoo - Haltung und richtige Präsentation" ein weiteres interessantes Stück hinzu.

Quintessenz aus dem Forum ZooKunft 2012

Die Aufgaben der Zoos sind vielfältiger, komplexer und schwieriger, als der Besucher annimmt, dies hat sich vor allem für den Laien wieder einmal gezeigt. Auch, dass es nicht nur einen Weg gibt, der ans Ziel führen kann.

Ach ja-noch etwas hat sich bei diesem Treffen gezeigt: Zoomenschen sind bodenständig, humorvoll und der Selbstironie nicht abgeneigt. Sie sind mit Herz bei der Sache, sogar die anwesenden ganz jungen Pfleger, die noch in der Ausbildung stecken. Die opfern sogar ihre Freizeit um Neues zu hören und zu sehen, um über den Zaun zu schauen. Hoffnungsvolle Aussichten für die betreuten Tiere.

Literaturtipp: Filander Verlag